Das gehört in diesem Business nun mal dazu, stell Dich nicht so an. Und Du gerätst beim Unterwasser-Shooting in Panik, weil Du Angst hast zu ertrinken? Das ist aber ganz schlecht, da hat die Heidi bestimmt kein Bild für Dich. Außerdem langweilst Du den Fotografen – geh mal mehr aus Dir heraus! So ein schwieriges Model wird ja nie jemand buchen! Wenn Du es wirklich willst, musst Du Dich eben überwinden!

Gerade GNTM hat bisher Eins zu Eins abgebildet, was in der Branche falsch läuft. Und damit nicht nur den Teilnehmerinnen, sondern auch dem jungen Publikum vermittelt: Wenn man etwas wirklich, wirklich will, muss man eben auch Dinge tun, die man eigentlich lieber nicht tun möchte. Und sich auch nicht groß darüber beschweren. Denn wer sich beschwert, ist schwach. Und hat sowieso unrecht. Auch diese Art von Unterhaltung ist der Nährboden, auf dem schweigende Opfer gedeihen.

Das ProSieben-Format "Germany's Next Topmodel" hätte aber auch die Chance, jetzt etwas zu ändern. Die Kandidatinnen nicht vorzuführen, wäre ein Anfang. Dafür das Recht zum Nein-Sagen stärker unterstreichen – und nicht nur, wenn sich eine Kandidatin etwa aus religiösen Gründen einer Aufgabe verweigert. Aber ist doch alles nur Unterhaltung, werden viele jetzt einwenden. Sicher. Aber Entertainment lässt sich ja vielleicht auch unterhaltsam inszenieren, ohne das Selbstwertgefühl zu zerstören.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde