Kolumne:
2021 wird Audio mehr denn je durch die Decke gehen

Nico Lumma und Christoph Hüning sind Managing Partner beim Next Media Accelerator und schreiben jede Woche darüber, welche Trends sich gerade entwickeln und wie Startups etablierte Marktteilnehmer herausfordern.

Text: Christoph Hüning & Nico Lumma

Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator
Nico Lumma (Re.) und Christoph Hüning vom Next Media Accelerator

Zum Ende eines Jahres setzen sich ja immer alle hin und schreiben blumige Vorhersagen auf, die dann mehr oder weniger eintreten. Wir sind Investoren und überlegen so etwas quasi das ganze Jahr über, wollen aber natürlich nicht die Gelegenheit verstreichen lassen, zu erzählen, was 2021 boomen wird.

2021 wird Audio mehr denn je durch die Decke gehen. Aber nicht wegen Siri, Alexa und Google Home, sondern weil der Absatz von Airpods und Co. 2020 stark gewachsen ist und sich viele Menschen daran gewöhnt haben, kleine Knöpfe im Ohr zu tragen. Und natürlich gibt es immer noch genügend Menschen, die große Kopfhörer auf den Ohren bevorzugen, sei es beim Spazieren, Laufen oder Radfahren.

Lange galten Hörbücher und Podcasts als die einzige Nutzung neben Musik, die eine Rolle im Bereich Audio spielt. Wir hatten vor knapp einem Jahr bereits kurz Femtasy vorgestellt, die mit erotischen Hörbüchern eine interessante Nische bedienen. 2021 werden allerdings Formate in die Ohren schwappen, die wir bislang eher von Video-Inhalten kennen: kurzer, snackable Content. Also wie bei Video auch gibt es neben langen nun auch kurze Formate.

Interessant ist hierbei, dass es eine Reihe von Weiterbildungsformaten gibt, die versuchen, Menschen zu erreichen, die unterwegs schlauer werden wollen. Listenable, Knowable oder Disco sind nur einige der Anbieter, die jetzt auf den Markt drängen.

Für Unternehmen bietet Hype1000 spezielle Podcast-Formate an, die dazu beitragen sollen, dass innerhalb von Unternehmen Inhalte den Mitarbeiter:innen zugänglich gemacht werden.

Selbst Netflix springt jetzt testweise auf den Audio-Zug auf und bietet nur die Tonspur zu Videos an, was es auch in der ARD Mediathek bereits seit längerem gibt. Dafür gibt es sicherlich Nutzungsszenarien, auch wenn wir uns persönlich nur schwer vorstellen können, in Zukunft Filme nur noch hören zu wollen.

Audio wird natürlich auch social, denn einfach nur so irgendwas zu hören ohne den Kontext von Freunden und Bekannten zu haben, würde heutzutage anachronistisch wirken. Mit über 100 Mio. Dollar ist mittlerweile die App Clubhouse bewertet, die auf der Trendwelle Social Audio durchs Jahr 2020 gesurft ist und extreme Nachfrage kreiert hat. Bislang sind die Nutzer:innen von Clubhouse überwiegend aus der Tech- und Investment-Bubble des Silicon Valley, aber es werden nur sehr zaghaft neue Zielgruppen aufgenommen.

Cappucino hingegen baut darauf auf, dass viele Menschen morgens anstatt Zeitung zu lesen lieber hören wollen, was die Freund:innen so zu erzählen haben und bieten daher einen persönlichen Audio-Mix zum Frühstück an.

Audienz.app geht einen anderen Weg und ist quasi so eine Art Jodel für die Ohren. Menschen teilen anonym kurze Audio-Inhalte, von lustigen Begebenheiten des Alltags über Herzschmerz bis zu Meinungen zur aktuellen Lage. 

Stöpselt Euch was in die Ohren, 2021 gibt es viel zu hören! 


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