Umfragen :
Einzelhandels-Studien: Was Verbraucher wollen

Eins ist sicher: Einkaufen ist den meisten Verbrauchern heute zu umständlich und zeitaufwendig. Wie Händler wieder zu zufriedenen Kunden kommen, zeigt eine Reihe aktueller Studien auf. 

Text: W&V Redaktion

Amazon Go setzt mit seinem mobilem Bezahlsystem erst einmal den Standard in Sachen Convenience im LEH.
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Wie sieht das Einkaufserlebnis wohl in 10, 20 Jahren aus? Schöner, einfacher, kann man nur hoffen. Aber wissen tut es selbstverständlich niemand. Was wir aber wissen ist, was die Menschen sich wünschen – ein guter Indikator dafür, was Handel und Industrie in nicht allzu langer Zeit zusammen bereitstellen könnten. Eine ganze Reihe von Marktforschungsinstituten hat in den letzten Monaten Menschen auf der ganzen Welt nach ihren Vorstellungen von der Zukunft des Handels gefragt. Hier einige der interessantesten Ergebnisse:

Navi im Supermarkt

Kantar TNS hat im Auftrag der IT-Firma Comarch über 3000 Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz, der Niederlande, Italien und Polen nach ihren Erwartungen für das Shopping-Erlebnis im Jahr 2030 gefragt. Nicht weiter verwunderlich: 87 Prozent finden es selbstverständlich, dass digitale Dienste der stationären Händler ihnen beim Einkaufen vor Ort behilflich sein werden. Von den in Deutschland Befragten will jeder Zweite so bald wie möglich durch das Geschäft gelotst werden. Ein digitales Navigationssystem im Supermarkt – das findet unsere uneingeschränkte Zustimmung.

Themenwelten sind ein Muss

Das US-Unternehmen EKN Research hat 161 Geschäftsführer aus dem Handel gefragt, wo sie ihre Branche in 2-3 Jahren sehen. 60 Prozent glauben, dass der stationäre Einzelhandel sich rund um Themenwelten in den einzelnen Läden neu definieren wird. 52 Prozent nehmen an, dass Pop-Up-Stores ein gängiges Instrument sein werden, um Profite zu maximieren. 45 Prozent denken, dass Showrooms eine noch viel größere Bedeutung haben werden als heute. Dem traditionellen Einzelhandel, so wie er heute überall zu finden ist, räumen nur 35 Prozent künftig noch eine wichtige Rolle ein.

5G macht AR und VR mobil

Der schwedische Netzausrüster Ericsson glaubt, dass die neue Mobilfunktechnologie 5G den Durchbruch für Virtual und Augmented Reality im Einzelhandel bringen wird. Denn nur durch die schnelle Übertragungstechnik sei es möglich, zu verhindern, dass den Menschen im abgeschirmten VR-Raum übel werde. Über ein Drittel der Befragten in Deutschland erwartet, dass 5G den mobilen Einsatz von AR und VR erlauben wird. Der neue Mobilfunk-Standard mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 10.000 MBit/s (!) soll ab 2020 im Massenmarkt eingeführt werden.

Roboter als Einkaufsberater? Ja, bitte

Wenn es um Zukunft geht, denken viele Menschen, besonders die mit Science-Fiction-Filmen und -Büchern sozialisierten, zuallererst an Roboter: Das ist jemand, der einem unangenehme Alltagstätigkeiten abnimmt. Vom einsatzfähigen Haushaltsroboter sind wir zwar immer noch weit entfernt, doch im Einzelhandel finden bereits erste Tests mit humanoiden Computern statt: Paul ist bei Saturn in Ingolstadt im Einsatz, Pepper bei Edeka in Fürth. Im Rahmen einer Promotion für die Uni Erlangen-Nürnberg, die von der Unternehmensberatung Elaboratum unterstützt wurde, stellte sich heraus, dass besonders Frauen positiv auf Roboter im Handel reagieren, besonders, wenn sie in Elektronikfachmärkten wie Saturn im Einsatz sind. Durchaus eine Möglichkeit, um die Zahl weiblicher Kunden zu erhöhen: Roboter senken deren Hemmschwelle, diese Tempel der Technik zu betreten. Dazu können Roboter Giveaways anbieten, sie halten den Online-Katalog bereit und animieren Kunden dazu, kritisch zu sein - etwas, das diese gegenüber menschlichen Beratern eher nicht sind. Noch kostet ein einzelner dieser Roboter allerdings so viel wie ein Auto der Mittelklasse. Und: Das Naheliegendste, Kunden zum gesuchten Produkt zu führen, beherrschen die Automaten derzeit nicht, weil der Einarbeitungsprozess noch viel zu zeitaufwendig wäre. Dennoch sagten bei den Uni-Umfragen vier von fünf Besuchern der Märkte, dass sie viel Spaß im Umgang mit den Robotern hatten. Innovative Einkaufserlebnisse, wir kommen!

Nicht vorrätig? Gibt's nicht 

Drei leichter zu realisierende Punkte würden allerdings schon reichen, hat die Shopping-App-Holding Bonial (kaufDa, MeinProspekt) in einer Studie mit dem HDE und der Hochschule Niederrhein herausgefunden. 2000 Verbraucher in Deutschland wurden zu ihrem Einkaufs- und Smartphone-Verhalten befragt. Nachholbedarf für den Handel gibt es demnach en masse: 45 Prozent der Befragten wollen alles, was die Innenstadt an Einkaufsmöglichkeiten bietet, übersichtlich im Netz präsentiert bekommen. 52 Prozent möchten sich stationär nicht vorhandene Produkte kostenlos nach Hause schicken lassen und ebenso viele wollen online sehen können, ob das gesuchte Produkt bei einem bestimmten Händler stationär auch verfügbar ist.

Eins wird aus den vielen Studien klar: Im Kopf des Verbrauchers sind Online und Offline längst eine einzige Welt. Auf Differenzen zwischen beiden reagiert er ungehalten. 


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W&V Redaktion
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