Was heißt das? Google hat es vor einigen Jahren mit der Google News Initiative vorgemacht: Geld wurde in Projekte investiert, die für Verlage bei wichtigen Themen eine neue technische Grundlage ermöglicht haben. Aber diese Projekte wurden nicht als Solitär umgesetzt, sondern es wurden in aller Regel Konsortien gebildet, die aus Medienhäusern und Startups bestanden, gerne noch verstärkt durch Akteure aus der Wissenschaft. Das ist ein sinnvolles Konzept, denn es unterstützt bereits bestehende Marktteilnehmer und sorgt gleichzeitig für wichtige Wachstumsimpulse bei jungen Startups, die gerade auf den Markt drängen. Natürlich entsteht bei der Zusammenarbeit auch etwas darüber hinaus: Es beginnt ein Austausch zwischen Corporates und Startups, dabei werden Arbeitsweisen übernommen, Stoßrichtungen von Innovationen diskutiert und generell Impulse für eine bessere Verzahnung gesetzt. Aus dem Geld entstehen so Projekte, die als Transmissionsriemen für eine stärkere und nachhaltigere Innovation der Branche fungieren.

Neben dieser starken Startup-Komponente setzen wir auf den konsequenten Auf- und Ausbau von Open Source Lösungen für die Branche. Es gibt zu viele Insel-Lösungen, die in den letzten Jahrzehnten aus der Notwendigkeit entstanden sind, sich den Marktveränderungen anzupassen, wobei aber viele etablierte Software-Angebote nur ansatzweise zum jeweiligen Setup eines Verlages passten. Deswegen wurden mit hohem finanziellem Aufwand individuelle Lösungen entwickelt, die mit zunehmender Komplexität der Software-Architekturen der Verlage immer umständlicher und teurer wurden. Wir sollten die Gelegenheit nutzen und nun Projekte entwickeln, die Kern-Aspekte des Publishings in Open Source abbilden, damit der gesamte Markt von der geballten Innovationskraft profitiert. Anstatt Gelder für Berater und Programmierer auszugeben, um in Einzelprojekten weitere Insel-Lösungen zu schaffen, macht es viel mehr Sinn, gemeinsam an Open Source Lösungen zu arbeiten, die von der gesamten Branche weiterentwickelt werden und so dauerhaft für innovative Software-Angebote sorgen. Das kann anfangen bei den Software-Libraries, die entstehen, wenn Startups mit ihren Produkten an Angebote bestehender Hersteller angedockt werden, bis hin zu Kern-Themen wie CMS, CRM, Billing oder Distribution. Das Rad muss nicht in jedem Erscheinungsgebiet neu erfunden werden, wenn es bereits als Open Source verfügbar ist.

220 Millionen Euro für Startups und Open Source - das wäre ein vernünftiger Schritt, um die Verlagsbranche zukunftssicherer und innovativer zu gestalten. Und wir schauen gerne in einem Monat wieder nach, was inzwischen passiert ist bzw. kommuniziert wurde.



W&V Redaktion
Autor: W&V Redaktion

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