Das hat nun auch Ramelow eingesehen und sich entschuldigt. Zum einen für das Candy-Crush-Zocken – aber auch für den despektierlichen Ausdruck "Merkelchen". "Eine kluge Frau" habe ihm auf Clubhouse "schlüssig den eigentlichen Fauxpas meiner Clubhaus Plauderei dargelegt und es hat mich überzeugt", so Ramelow auf Twitter. "Den Namen der Bundeskanzlerin zu verniedlichen war ein Akt männlicher Ignoranz. Dafür meine ehrliche Bitte um Entschuldigung."

Die Bundesregierung lehnte eine Bewertung des missglückten Ramelow-Auftritts bei Clubhouse ab. "Das steht für sich und bedarf keines weiteren Kommentars", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

"Wenn sich bewahrheitet, dass Bodo Ramelow während der Ministerpräsidentenkonferenz Handyspiele spielt, dann sollte er sein Verhalten überprüfen", sagte Innenminister Georg Maier (SPD) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag). "Dazu ist die Situation zu ernst."

Andere Vertreter der rot-rot-grünen Koalition reagierten mit Kopfschütteln und äußerten sich peinlich berührt. "Die Äußerung zu Candy Crush oder die Verniedlichung von Merkel bekommt Ramelow so schnell nicht los. Das hat Langzeitwirkung", hieß es bei der Thüringer SPD in Erfurt. "Manchmal ist es aber besser, einfach mal die Klappe zu halten", schrieb eine Grünen-Politikerin bei Twitter, ohne den Namen Ramelow zu nennen.

Massive Kritik übten die Oppositionsfraktionen CDU und FDP bereits am Wochenende. "Entweder ist es Ausdruck von Arroganz der Macht oder Amtsmüdigkeit", schrieb CDU-Landeschef Christian Hirte auf Twitter. Am Montag legte CDU-Fraktionschef Mario Voigt bei MDR Aktuell nach: "Während Thüringen bei den Infektionszahlen Spitzenreiter ist und bei den Impfzahlen nicht aus dem Tabellenkeller herauskommt, hat Bodo Ramelow Zeit, in sozialen Medien Witze über die Bundeskanzlerin zu machen und zehn Level Candy Crush zu spielen. Ich glaube, das irritiert viel Thüringer und ist respektlos", so Voigt.

Auch CDU-Politiker Philipp Amthor hat inzwischen schmerzlich erfahren, welche Gefahren eine vermeintlich harmlose Plauderrunde auf der aktuell schwer gehypten App mit sich bringe kann. Er hatte dort zu anderer Gelegeheit bei etwas späterer Stunde das Pommernlied, ein Klassiker im regionalen Liedgut Mecklenburg-Vorpommerns, etwas schief dargeboten – und dafür reichlich Spott kassiert.

So manchem Politiker dürfte das wohl eine Warnung sein. Unbedachte Äußerungen von Politikern auf Clubhouse dürften damit aber dennoch nicht verschwinden – sie finden ja nach wie vor auch in allen anderen Medienkanälen statt.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde