Neue Formate erfordern neues Fachwissen

Doch der richtige Weg dorthin ist nicht gerade trivial. Das Geheimnis liegt in der agilen Zusammenarbeit von allen involvierten Gewerken – von Konzeption und Kommunikationsstrategie über Eventmanagement und Fachabteilungen bis hin zur IT. Nur dieser enge Schulterschluss ermöglicht es Kommunikationsentscheidern, eine Vorstellung davon zu entwickeln, was genau sie eigentlich wollen beziehungsweise wie das digitale Event konkret gestaltet wird. Hierbei gilt es, die großen Chancen der digitalen Live-Kommunikation aktiv zu nutzen.

Zunächst stellt man aber fest, dass die meisten Unternehmen beim Thema "digitale Transformation der Live-Kommunikation" immer noch ziemlich nackt dastehen. Hier besteht die Gefahr, dass Technik-Experten eine hoch komplexe Lösung entwickeln, mit der die Fachabteilungen mangels Know-how gar nicht arbeiten können oder die der Zielgruppe nicht gerecht wird. In anderen Fällen entstehen eindrucksvolle Konzepte, die sich jedoch technisch nicht sinnvoll umsetzen lassen und mit der bestehenden Infrastruktur nicht kompatibel sind. Um derartige Fehler zu vermeiden, sollten Event-Entscheider zu allererst ein interdisziplinäres Team aus IT-, Content-, Regie- und Event-Experten, Ausstattern und weiteren beteiligten Fachrichtungen aufstellen.

So können die verschiedenen Disziplinen von Beginn an eng zusammenarbeiten. Darüber hinaus sind zum Projektstart intensive Workshops mit allen Beteiligten sehr hilfreich. Mit agilen Methoden erhalten dabei alle Mitglieder des Projektteams Klarheit über die spezifischen Rollen, Aufgaben, Zuständigkeiten, Etappen und Ziele. Nur so können die Unternehmen über aussagekräftige Userstorys sowie iteratives und prototypisierendes Arbeiten ein erfolgreiches Digital-Produkt launchen.

Digitale Plattformen sind die Zukunft

Zunächst sind die Grundvoraussetzungen identisch mit denen eines klassischen Events vor Live-Publikum: Die relevanten Inhalte müssen zielgruppengerecht konzipiert werden. Digitale Live-Kommunikation bedeutet aber weit mehr, als diese Inhalte nun einfach zu streamen – also Bewegtbild online zu übertragen. Um den Nutzer wie bei einem realen Event zu überzeugen, benötigt man eine anspruchsvolle und zugleich intuitive User Experience, die auf bekannten und beliebten Kanälen realisiert wird.

Ein modernes Tool für virtuelle Live-Kommunikation, das Nutzer wirklich begeistert, gleicht einem digitalen Content-Hub. Dies ist zum Beispiel bei Live-Formaten für Medienschaffende ein wichtiger Faktor. Neben den live übertragenen Inhalten einer Pressekonferenz können Journalisten und andere Multiplikatoren direkt auf weiterführendes Material zugreifen. Alle Inhalte sind sofort verfügbar und individuell aufbereitet. Die Informationstiefe ist enorm, doch Filter und die UX sorgen für genügend Übersicht. Damit bietet die digitale Alternative gegenüber einer echten Messe sogar einige Vorteile: Dass im Content-Hub sämtliche Informationen und Inhalte direkt abrufbar sind, bedeutet eine enorme Zeitersparnis für Journalisten, Blogger und andere Multiplikatoren.

Ein schönes Beispiel hierfür ist die Plattform "Mercedes me media": Diese bietet Journalisten und anderen Usern ein komplettes Service-Paket und zieht sie trotz räumlicher Trennung direkt und authentisch ins Geschehen. Geboren aus der Situation, dass der Genfer Automobil-Salon wegen Corona abgesagt wurde, realisierte Mercedes-Benz über diese bereits vorhandene Plattform eine digitale Live-Pressekonferenz mit einer moderierten Produkt-Präsentation inklusive Interviewsequenzen und Einspielern. So konnten Teilnehmer hochauflösende Fotos vom Live-Stream erstellen, das komplette Redemanuskript der Präsentatoren einsehen und so parallel während der Übertragung bereits an ihren Beiträgen arbeiten.

Auch Multi-Angle-Streaming ist mit diesem innovativen Tool möglich: Nutzer können – wie Regisseure im TV-Studio – selbst die bevorzugte Kameraperspektive wählen. So entstehen rein digitale Events ohne Live-Publikum, die zudem das virtuelle Erlebnis um spektakuläre Augmented Reality-Elemente ergänzt.

Content intuitiv erleben

Neue Software-Lösungen ermöglichen also digitale Live-Kommunikation, von der professionelle wie "normale" Nutzer deutlich profitieren können. Unterschiedlichste Formen und Formate geben Inhalten einen individuellen Kontext – auf der eigenen unternehmensspezifischen Plattform, in der passenden Umgebung, multimedial und in Top-Qualität. Zusätzlich gibt es im Idealfall Download- und Magazinbereiche, hochwertige Fotos von Protagonisten und Produkten, Filmsequenzen, aufbereitete Zitate – oder ganze O-Töne aus Transkripten – sowie detaillierte Factsheets.

Auch interaktive Elemente sind wichtig: Ist es möglich, individuelle Untertitel im Livestream einzublenden? Gibt es eine weiterführende Informationsebene, über die Nutzer mehr über das Produkt und den Entstehungsprozess erfahren? Weitere Kriterien für eine überzeugende Usability sind: verschiedene Perspektiven im Live-Stream, Such- und Filterfunktionen für Content sowie die Möglichkeit, Inhalte einfach per Share-Button auf weitere digitale Plattformen zu verlängern.

Digitale Live-Kommunikation im Aufwind

In der aktuellen Situation, in der keine realen Events möglich sind, können Unternehmen mit der richtigen Plattform durch digitale Live-Kommunikation ihre Stakeholder erreichen und von ihren Produkten und Themen überzeugen. Doch auch in Zukunft werden diese Technologien aus Gründen der Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung zunehmen – digitale Formate haben großes Potenzial.

 

Über den Autor:

Rafael Bolte ist seit 17 Jahren in diversen Positionen bei OSK tätig. Am Kölner Standort leitet er ein Team, das für Kunden ein breites Spektrum an Kommunikationsmaßnahmen abdeckt: von PR, über Vertriebskommunikation bis hin zu Social Media und Live-Events. Außerdem ist er seit Sommer 2018 Standortleiter von OSK Berlin, der Digitaleinheit von Oliver Schrott Kommunikation. Er entwickelt mit einem 25-köpfigen Team Websites, Apps, UI/UX, Chatbots, AR-Anwendungen und komplexe Kommunikationsplattformen.



Autor: W&V Leserautor

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