Wüst zollte dem Traditionsclub Respekt für die Kündigung des Sponsors Gazprom. "Das wird keine leichte Situation sein", sagte er nach einem Krisengespräch mit Wirtschaft und Gewerkschaften zu den Folgen der russischen Invasion in die Ukraine für Nordrhein-Westfalen. Auf die Frage, ob das Land NRW zur Not bereit wäre, die 2020 gewährte Landesbürgschaft zu leisten, sagte Wüst: "Über alles, was das Land betrifft, werden wir zu gegebener Zeit beraten." 

Vor der möglichen neuen Liaison mit einem neuen Sponsor müssen auf Schalke ohnehin zunächst die Scheidungsmodalitäten mit Gazprom geklärt werden. Noch ist unklar, wie sich beide Seiten bei der Auflösung des bis 2025 datierten Vertrags einigen. Es könnte die Verhandlungen erschweren, dass Gazprom dem Vernehmen nach rund neun Millionen Euro für die aktuelle Saison bereits bezahlt hat. 

Trennung nach 15 Jahren 

Die Trennung von Gazprom nach 15 Jahren gilt in Gelsenkirchen als Zeitenwende. Schließlich hatten sich die Schalker unter dem Schutzschild des russischen Gasriesen gemütlich eingerichtet. Zu Bundesliga-Zeiten sollen zwischen 15 und 20 Millionen Euro pro Jahr geflossen sein, nach dem Abstieg für einen Zweitligisten noch immer stolze acht bis zehn Millionen Euro. 

Diese Gelder waren für Schalke bei einem Schuldenstand von über 200 Millionen Euro überlebenswichtig und dürften auch in den Plänen für das kommende Lizenzierungsverfahren eine große Rolle spielen. Nach dem Versiegen der Geldquelle Gazprom versuchten die Vereinsbosse, alle Sorgen der Fans vor einer noch größeren finanziellen Schieflage zu zerstreuen. "Die vollständige finanzielle Handlungsfähigkeit des Vereins bleibt von dieser Entscheidung unberührt", hieß es in einer Mitteilung. 

Gazprom-freie Trikots als Verkaufsschlager 

Erste Vorteile der Trennung sind bereits zu spüren. So bleibt die Nachfrage nach den Sondertrikots ohne den Schriftzug des bisherigen russischen Hauptsponsors Gazprom auf der Brust groß. Mit diesen Trikots war das Team am Samstag in Karlsruhe (1:1) angetreten. 

Zudem bescherte der Ausstieg aus dem Gazprom-Vertrag einen Imagegewinn. Georg Vonnahme, Vorsitzender des größten Fanclubs "Königsblau Brilon", begrüßte diesen Schritt in der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung": "Mit dieser Aktion hat man die Fans zurückgewonnen. Ich bin sicher, dass gerade jetzt wieder viele Fans gern ein Trikot kaufen werden, auf dem nicht Gazprom steht. Auch bei uns im Fanclub ist die Nachfrage riesig." (dpa/st)


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Autor: W&V Redaktion

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