Wie wird man denn Warm-upper für Fernsehshows?

Das Berufsbild des Warm-uppers ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Es genügt auch nicht, zuhause bei Freunden am Grillabend nach zehn Weizenbier die besten Witze zu erzählen. Man muss eine gewisse Affinität zu Shows haben, spontan und witzig sein. Und, wie so oft im Medienbusiness, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Am besten kommt man über mich oder einen meiner Kollegen rein. Eine Initiativbewerbung bei Produktionsfirmen ohne vorherige Erfahrung hat keine Aussicht auf Erfolg.

Wie viel Humor haben die Deutschen denn nun wirklich?

Die Deutschen haben grundsätzlich mehr Humor als uns das Ausland immer attestiert. Nicht umsonst füllen Comedians hierzulande die größten Hallen, die wir haben. Schließlich sind die erfolgreichsten Formate auch die, bei denen der Zuschauer was zu lachen hat, wie etwa "TV Total", „Nuhr im Ersten“ „LOL“ oder „Die besten Comedians Deutschlands“.

Warm-upper machen das Fernsehen richtig „lebendig“. Was ist so reizvoll an Liveshows – auch für die Zuschauer zuhause?

Liveshows sind deshalb reizvoll für den Zuseher, da immer etwas Unvorhergesehenes passieren kann. Wenn bei einer Aufzeichnung plötzlich die große LED-Wand ausfällt, wird abgebrochen, das Ding repariert und dann weitergemacht. Oder bei einem Spiel stürzt jemand, in der Aufzeichnung wird dann abgebrochen. Bei einer Liveshow muss der Moderator, und auch das Team dahinter, die Situation im „on“ sofort meistern und irgendwie weitermachen. Dadurch bleibt das Ganze spannend und keiner weiß im Vorfeld, wie die Situation ausgeht. Sowas ist spannender für den Zuseher als eine Show, die durch den Schnitt von vorne bis hinten glattgebügelt wird.

Bunte Anzüge sind Ihr Markenzeichen – und natürlich Ihr Humor. Würden Sie sich selbst als Marke bezeichnen und wie wird man das?

Ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen ist nicht einfach. Ich bin anfangs auch erst immer ganz normal im dunklen Sakko aufgetreten. Irgendwann gab es einen Ausverkauf im Sat.1-Kostümfundus und ich habe mir ein paar bunte Sakkos gekauft. Ab dann wurde ich immer mehr angesprochen und die Leute waren neugierig, welches bunte Ding man am nächsten Tag trägt. Das habe ich dann irgendwann ausgebaut. Mittlerweile umfasst mein Show-Kleiderschrank rund 130 farbenfrohe Anzüge und Sakkos. Aber natürlich reicht eine schöne Verpackung nicht aus, auch der Inhalt des farbenfrohen Pakets muss überzeugen.

Wie wichtig sind die großen Fernsehshows und Events in Zukunft noch? Und warum werden sie nie untergehen?

Shows wird es immer geben, weil man - vor allem mit Liveshows - mehr Nähe zum Zuseher aufbaut als mit Serien. Und weil man tagesaktuell agieren kann. In diese Richtung werden sich jetzt nach und nach auch die großen Streamingdienste richten müssen - daran kommen sie nicht vorbei. Ich denke, es wird nicht mehr lange dauern, bis wir das erste große Live-Event bei Netflix in Deutschland sehen werden. Die Verbreitungswege werden vielfältiger werden, aber die großen Shows werden bleiben, davon bin ich fest überzeugt.

Wer, außer das klassische TV, setzt noch auf Warm-up-Entertainment?

Ich werde auch für ganz viele nationale und internationale Firmenevents gebucht. Egal ob um 8 Uhr morgens für 700 Staubsaugervertreter, 5000 Workshopgäste aus der ganzen Welt, Modeschauen oder Produktpräsentationen. Warm-up spielt auch außerhalb der klassischen Medien eine große Rolle. Viele Firmen wollen bei Events ihre Teilnehmer oder Mitarbeiter erstmal locker machen. Auch dafür habe ich das richtige Programm. Erst neulich durfte für ein großes internationales Unternehmen zusammen mit Bryan Adams auf der Bühne stehen. Zusätzlich mache ich als Trauredner Hochzeiten und darf bei freien Trauungen glückliche Paare verheiraten. Sie sehen, es wird mir nicht so schnell langweilig.

Screenforce Academy verpasst? Bis 29.4. gibt es einen Webcast.

Screenforce Academy verpasst? Bis 29.4. gibt es einen Webcast.

Vom 09. bis 11. April gab es bei der Screenforce Academy spannende und exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Medienlandschaft. Auch Christian Oberfuchshuber war Teil des kompakten Live-Events. Wer es verpasst hat, kann sich vom 15.04. bis zum 29.04. die freigegebenen Sessions auf der Veranstaltungsplattform anschauen.

Hier geht es zur Anmeldung für den Webcast.


W&V Redaktion
Autor: W&V Redaktion

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