Du hast als Gründer schon Erfahrung gesammelt, wenn auch in einer anderen Branche. Welche Erkenntnis war für Dich total neu und überraschend, als Du angefangen hast, Dich mit der Finanzbranche zu beschäftigen?

(Ich muss gestehen, ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich mal im Bereich Finanzen arbeite, denn ist eigentlich so gar nicht mein Interessenfeld. Aber…) Die Gemeinsamkeit mit dem Unternehmen, welches ich vorher mit aufgebaut habe - die Ökobrause Lemonaid und Charitea - ist aber ziemlich deutlich: bei beiden Fällen geht es darum, eine nachhaltige Lösung zu gestalten und eine schöne, sich-gut-anfühlende Marke drumherum zu bauen. Es darf sich nicht nach einer Öko-Vernunfts-Entscheidung anfühlen, sondern soll Spaß machen und Menschen begeistern.

Banken mit Nachhaltigkeitsanspruch gibt es inzwischen eine ganze Weile, auch Mobilbanking fürs junge Publikum, wie es etwa N26 bietet. Ihr bringt beides zusammen. Warum ist gerade jetzt die Zeit dafür reif?

Das Thema nachhaltiges Banking gibt es schon einige Jahre, aber nur eine sehr kleine Gruppe an Menschen weiß davon, geschweige denn nutzt es. Dabei ist es ein total wichtiger Bereich, in dem jede:r von uns wirksam werden kann - und das, ohne Verzicht üben zu müssen. Wir reichen das Thema unkompliziert und zeitgemäß dar und bieten den Menschen einen unkomplizierten Zugang. Technologie macht es in unserem Fall möglich, die Wirkung von Geld transparent zu machen und möglichst viele Menschen auf dem Weg in ein besseres Morgen abzuholen. 

Das ist die Tomorrow Bank:

  • Gründung: 2018
  • Launch erstes Produkt (Girokonto): März 2019
  • Kund:innen (in dieser Minute) 61.719 / Einlagensumme 132 Mio €
  • Produkte: Girokonto in drei Versionen:
    • Basic mit Visokarte / 0€
    • Together / Konto für Partner*innen mit erweiterten Funktionen für 5€ p.P und Montat
    • Zero / das erste Konto, das den Co2 Fußabdruck ausgleicht für 15€

Euer Anspruch ist es, transparent über Euer Geschäftsgebaren und Eure Investments zu informieren. Siehst Du Dich gerüstet, wenn Ihr auch mal Kritik einstecken müsst? Wie es z.B. Oatly passiert ist. 

Wir sprechen über die Art und Weise, wie wir wirtschaften sehr offen und versuchen, das komplizierte Bild einer Bank aufzubrechen. Transparenz ist ein super wichtiges Thema und solange wir weiterhin so offen mit unser Community und anderen Anspruchsgruppen kommunizieren, sehe ich da keine Gefahr.

Wie seid Ihr derzeit im Marketing aufgestellt und was sind Eure Pläne?

Als App-Anbieter und Tech-Company bedienen wir naturgemäß allen voran die digitalen Kanäle und Kontaktpunkte: stecken sehr viel Mühe in unseren redaktionellen Social-Media-Auftritt, stehen im permanenten Austausch mit der Community und arbeiten regelmäßig mit Influencer:innen zusammen. Wir arbeiten kampagnenbezogen mit der Berliner Agentur SocialSocial zusammen. Vor der Pandemie haben wir auch analoge Meet-ups gemacht und hatten Pläne, die Festivals und Unis zu erobern, aber das liegt gerade offensichtlich erstmal auf Eis.

Ich glaube, Ihr seid die erste Bank mit einem Merchandisingshop. Bei der Sparkasse oder anderen traditionellen Finanzdienstleistern bekomme ich Werbegeschenke, bei Euch muss ich auch noch dafür bezahlen, als Werbebotschafter herumzulaufen. Warum?

Die Community hat schlicht und ergreifend wahnsinnig viel nach den Pullis gefragt, die das Team anhat - das ist natürlich ein wahnsinnig tolles Zeichen, dass Menschen sich so sehr mit einer Sache identifizieren, dass es sich für sie gar nicht wie Merch anfühlt, sondern mit großem Stolz getragen wird.


Annette Mattgey, Redakteurin
Autor: Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Als Head of Current Content sorgt sie für aktuelle Geschichten, Kommentare und Kampagnen auf wuv.de. Außerdem verantwortet sie das Themengebiet People & Skills.