W&V Green Marketing Day:
Tomorrow: Die Bank, die auch Pullis verkauft
Es spricht für eine Bank, wenn sie so beliebt ist, dass ihre Kunden dafür bezahlen, mit einem Pullover als Werbeträger herumzulaufen. Was bei Tomorrow noch anders läuft, erzählt Mitgründer Jakob Berndt.

Foto: VIERTEL/VOR Magazin, Marcus Werner
Jeder kennt aus seiner Kindheit die Sparschweine der heimischen Bank oder die Knax-Hefte der Sparkassen, willkommenes Werbegeschenk, Betonung auf Geschenk. Bei Tomorrow funktioniert es andersherum: die Community identifiziert sich so mit der nachhaltigen Bank, dass es einen eigenen Merch-Shop mit Hoodie und Shopping-Bag gibt.
Wobei Tomorrow gar keine Bank im strengen Sinne ist, da dem Hamburger Startup die Banklizenz fehlt. Deswegen arbeitet es mit der Solarisbank zusammen. Die drei Gründer Michael Schweikart, Inas Nureldin und Jakob Berndt kommen nicht aus dem Finanzbereich, aber vielleicht haben sie gerade deswegen einen anderen Blick, was Kund:innen heute von komfortablen Girokonten und verantwortungsvoller Geldanlage erwarten.
Beim W&V Green Marketing Day erzählte Jakob Berndt, wie sich Tomorrow als erster konsequent mobiler und nachhaltiger Banking-Anbieter positionieren will. Zuvor hat er das Social Business Lemonaid Beverages, das seit 2009 mit den Marken Lemonaid und Charitea den europäischen Softdrink-Markt erobert hat, mitgegründet und viele Jahre lang geleitet. Er hat Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität und in Sydney studiert. Er ist Mitglied des Vorstands der internationalen Seenotrettungsorganisation SOS Mediterranee.
Mehr vom W&V Green Marketing Day lesen Sie hier: Was L'Oréal, Einhorn, Telefonica und das Modelabel Dariadéh tun, um ihrem Anspruch an Nachhaltigkeit gerecht zu werden.
Du hast als Gründer schon Erfahrung gesammelt, wenn auch in einer anderen Branche. Welche Erkenntnis war für Dich total neu und überraschend, als Du angefangen hast, Dich mit der Finanzbranche zu beschäftigen?
(Ich muss gestehen, ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich mal im Bereich Finanzen arbeite, denn ist eigentlich so gar nicht mein Interessenfeld. Aber…) Die Gemeinsamkeit mit dem Unternehmen, welches ich vorher mit aufgebaut habe - die Ökobrause Lemonaid und Charitea - ist aber ziemlich deutlich: bei beiden Fällen geht es darum, eine nachhaltige Lösung zu gestalten und eine schöne, sich-gut-anfühlende Marke drumherum zu bauen. Es darf sich nicht nach einer Öko-Vernunfts-Entscheidung anfühlen, sondern soll Spaß machen und Menschen begeistern.
Banken mit Nachhaltigkeitsanspruch gibt es inzwischen eine ganze Weile, auch Mobilbanking fürs junge Publikum, wie es etwa N26 bietet. Ihr bringt beides zusammen. Warum ist gerade jetzt die Zeit dafür reif?
Das Thema nachhaltiges Banking gibt es schon einige Jahre, aber nur eine sehr kleine Gruppe an Menschen weiß davon, geschweige denn nutzt es. Dabei ist es ein total wichtiger Bereich, in dem jede:r von uns wirksam werden kann - und das, ohne Verzicht üben zu müssen. Wir reichen das Thema unkompliziert und zeitgemäß dar und bieten den Menschen einen unkomplizierten Zugang. Technologie macht es in unserem Fall möglich, die Wirkung von Geld transparent zu machen und möglichst viele Menschen auf dem Weg in ein besseres Morgen abzuholen.
Das ist die Tomorrow Bank:
- Gründung: 2018
- Launch erstes Produkt (Girokonto): März 2019
- Kund:innen (in dieser Minute) 61.719 / Einlagensumme 132 Mio €
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Produkte: Girokonto in drei Versionen:
- Basic mit Visokarte / 0€
- Together / Konto für Partner*innen mit erweiterten Funktionen für 5€ p.P und Montat
- Zero / das erste Konto, das den Co2 Fußabdruck ausgleicht für 15€
Euer Anspruch ist es, transparent über Euer Geschäftsgebaren und Eure Investments zu informieren. Siehst Du Dich gerüstet, wenn Ihr auch mal Kritik einstecken müsst? Wie es z.B. Oatly passiert ist.
Wir sprechen über die Art und Weise, wie wir wirtschaften sehr offen und versuchen, das komplizierte Bild einer Bank aufzubrechen. Transparenz ist ein super wichtiges Thema und solange wir weiterhin so offen mit unser Community und anderen Anspruchsgruppen kommunizieren, sehe ich da keine Gefahr.
Wie seid Ihr derzeit im Marketing aufgestellt und was sind Eure Pläne?
Als App-Anbieter und Tech-Company bedienen wir naturgemäß allen voran die digitalen Kanäle und Kontaktpunkte: stecken sehr viel Mühe in unseren redaktionellen Social-Media-Auftritt, stehen im permanenten Austausch mit der Community und arbeiten regelmäßig mit Influencer:innen zusammen. Wir arbeiten kampagnenbezogen mit der Berliner Agentur SocialSocial zusammen. Vor der Pandemie haben wir auch analoge Meet-ups gemacht und hatten Pläne, die Festivals und Unis zu erobern, aber das liegt gerade offensichtlich erstmal auf Eis.
Ich glaube, Ihr seid die erste Bank mit einem Merchandisingshop. Bei der Sparkasse oder anderen traditionellen Finanzdienstleistern bekomme ich Werbegeschenke, bei Euch muss ich auch noch dafür bezahlen, als Werbebotschafter herumzulaufen. Warum?
Die Community hat schlicht und ergreifend wahnsinnig viel nach den Pullis gefragt, die das Team anhat - das ist natürlich ein wahnsinnig tolles Zeichen, dass Menschen sich so sehr mit einer Sache identifizieren, dass es sich für sie gar nicht wie Merch anfühlt, sondern mit großem Stolz getragen wird.
