Während die Google-Mutter Alphabet und der Facebook-Konzern Meta eine entsprechende Einstufung akzeptierten, legten Amazon und Apple Klage ein. Eine Besonderheit ist, dass der BGH direkt über diese Beschwerden von Unternehmen entscheidet und nicht wie sonst zunächst in erster Instanz das Oberlandesgericht Düsseldorf. Das soll ermöglichen, dass finale gerichtliche Entscheidung früher vorliegen.

Amazon als digitales Ökosystem

Im Fall von Amazon befand das Kartellamt im Juli 2022, der Konzern sei "zentraler Schlüsselspieler im Bereich des E-Commerce". Seine Angebote unter anderem als Händler, Marktplatz, Streaming- und Cloud-Anbieter seien zu einem digitalen Ökosystem verbunden.

Amazon sieht das anders. Ein Sprecher erklärte zu der Beschwerde: "Der Einzelhandelsmarkt, in dem Amazon tätig ist, ist sehr groß und ausgesprochen wettbewerbsintensiv, online wie offline." Amazon sei in erster Linie ein Einzelhändler, und der Gesamtanteil des E-Commerce am deutschen Einzelhandelsumsatz sei für das Jahr 2022 durch den Handelsverband Deutschland auf nur 13,4 Prozent geschätzt worden. "Wir konkurrieren mit vielen etablierten, erfolgreichen deutschen und internationalen Unternehmen - und das gilt gleichermaßen für unsere Geschäfte in anderen Branchen", teilte der Sprecher weiter mit.

Amazon habe in Deutschland in den vergangenen elf Jahren 48,5 Milliarden Euro investiert, arbeite eng mit der lokalen Forschung zusammen und beschäftige mehr als 36.000 Menschen. Kleine und mittlere Unternehmen, die bei Amazon verkaufen, beschäftigten mehr als 160.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Deutschland.

Vor allem im Blick: Die mögliche Benachteiligung von Marktplatzhändlern

Schon vor der Gesetzesänderung hatte die Bonner Behörde damit begonnen, eine mögliche Einflussnahme Amazons auf Händlerpreise zu prüfen sowie mögliche Benachteiligungen von Marktplatzhändlern durch verschiedene Instrumente wie Vereinbarungen zwischen Amazon und Herstellern, die Dritthändler vom Verkauf von (Marken-)Produkten ausschließen könnten. Beide Verfahren wurden erweitert, nachdem das Kartellamt die marktübergreifende Bedeutung festgestellt hatte.

Zum ersten Mal befasst sich nun der BGH mit der Modernisierung und Stärkung der wettbewerbsrechtlichen Missbrauchsaufsicht. Das Apple-Verfahren ist indes anhängig, bei Microsoft wurde die Prüfung Ende März eingeleitet. Unter anderem ging es in der Verhandlung am Dienstag darum, ob die Gesetzesänderung mit EU-Recht und der Verfassung konform geht.

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