Mischt Berlusconi mit?

Auf dpa-Nachfrage teilte eine Konzernsprecherin zu dem Wechsel an der Führungsspitze mit, Aufsichtsratschef Andreas Wiele habe zu verstehen gegeben, dass die Berufung von Habets in keiner Weise mit einem möglichen Einfluss des italienischen Medienkonzerns Media for Europe (MFE) in Verbindung stehe. 
Das TV-Unternehmen von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, das einen hohen Aktienanteil an ProSiebenSat.1 hält, sprach immer wieder von einem europäischen Senderverbund - konkret wurden Pläne bislang nicht. Das Verhältnis zwischen beiden Medienhäusern gilt als eher kühl. Unlängst teilte MFE mit, seine Präsenz in Deutschland mit einem eigenen Büro in München zu verstärken.
Die RTL Group, die 2021 einen Jahresumsatz von 6,6 Milliarden Euro erzielte, machte wiederum zu Wochenbeginn bekannt, dass sie ihre Anteile an der französischen TV-Gruppe M6 behalten wird. RTL, größter Umsatzbringer im Bertelsmann-Portfolio, setzt damit auch das Zeichen: Man hält an der eigenen Streaming-Strategie für Europa fest. Bertelsmann- und RTL-Chef Thomas Rabe will etwa durch Zusammenschlüsse starke Bewegtbildunternehmen schaffen, um im jeweiligen nationalen Markt Netflix und Co. etwas entgegenzusetzen. In den Niederlanden steht ein solcher Schritt demnächst ein, wenn die Wettbewerbshüter Ja sagen.
In Frankreich ging der Plan nicht auf - es gab von Behördenseite Wettbewerbsbedenken. Danach kam die Frage auf, ob RTL die eigenen M6-Anteile abstoßen würde. Jetzt betont Rabe, die M6-Gruppe sei eines der bestgeführten TV-Unternehmen in Europa. Man werde die Strategie weiterverfolgen, starke nationale Mediengruppen aufzubauen. Das Ganze ist auch deshalb bemerkenswert, weil der Manager immer wieder – ohne konkret zu werden - in Deutschland eine mögliche Annäherung an ProSiebenSat.1 ins Spiel brachte. In Unterföhring stieß diese Idee bislang nach offiziellen Aussagen nicht auf Gegenliebe. 

Veränderungen auch bei RTL

Rabe rückte indes unlängst selbst an die Spitze des wichtigen RTL-Deutschlandsgeschäfts. Co-Chef Stephan Schäfer musste nach nur knapp einem Jahr gehen. Rabe nannte im August als Begründung für Schäfers raschen Abgang im dpa-Gespräch: "Wir haben uns jetzt für die Führungsstruktur bei RTL Deutschland entschieden, weil RTL vor einigen großen Herausforderungen steht." 
Neben dem angespannteren Werbemarkt baut RTL gerade seine deutsche Streaming-Plattform RTL+ zu einem crossmedialen Angebot aus. Eine Superplattform, die mit einer App mehrere Mediengattungen aus der Bertelsmann-Welt wie Audio, Zeitschriften und Bewegtbild bündelt, wurde in Aussicht gestellt. Im August startete zunächst in einem ersten Schritt eine eigene Musik-App. Wie genau das Ganze am Ende aussehen wird, ist unklar.
Auch das Zusammengehen von RTL und Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ist kein Selbstläufer. RTL Deutschland übernahm das Magazinportfolio zu Jahresbeginn, beide Bertelsmann-Bereiche sollen Synergien durch crossmediale Angebote schaffen. Die Auflagen von gedruckten Zeitschriften gehen in Deutschland seit Jahrzehnten zurück. Das Ganze hat auch etwas mit dem Verschmelzen zweier Firmenkulturen zu tun. (Anna Ringle, dpa/st)

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Autor: W&V Redaktion

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