Verwaltungsrat sieht sich gefordert

Der Verwaltungsrat als Kontrollgremium will auch Schlüsse aus der Affäre ziehen. Die amtierende Vorsitzende Dorette König teilte am Samstag der Deutschen Presse-Agentur mit, das Gremium werde sehr kritisch seine Arbeitsweise und Themenaufteilung innerhalb des Verwaltungsrates hinterfragen.
König, die vom Vize-Amt an die Spitze des Gremiums rückte, ergänzte: "Innerhalb des Verwaltungsrates brauchen wir gegenseitiges Vertrauen. Das möchte ich gemeinsam mit dem Gremium - und zwar mit allen Mitgliedern herstellen. Das gehen wir unmittelbar an." Der Berliner CDU-Landeschef Kai Wegener schlug in einem Positionspapier vor, den Verwaltungsrat zu professionalisieren. "Dazu gehört, dass ihm künftig mindestens ein zertifizierter Wirtschaftsprüfer angehören muss."
ARD-Chef und WDR-Intendant Tom Buhrow hatte im dpa-Interview angekündigt, dass die ARD sich für eine Stärkung der Aufsicht aller Sender einsetzen will. "Wir überprüfen, ob überall in der ARD die Geschäftsstellen der Aufsicht adäquat ausgestattet sind." Buhrow hatte nach Schlesingers Rücktritt die ARD-Geschäfte übernommen. 

Friedrich Merz fordert Reformen

Am Wochenende hatte sich CDU-Chef Friedrich Merz in einem Gastbeitrag in den "Badischen Neuesten Nachrichten" mit scharfen Worten geäußert. "Die Affäre trifft auf eine Öffentlichkeit, die immer weniger bereit ist, widerspruchslos hinzunehmen, mit welcher Dreistigkeit sich einzelne Repräsentanten in diesem System bedienen und mit welcher Einseitigkeit in Teilen der öffentlich-rechtlichen Sender berichtet und kommentiert wird." Der Oppositionsführer im Bundestag forderte von ARD und ZDF Reformen. 
Merz griff auch Punkte auf, die immer wieder in sozialen Medien und im konservativen Lager bis hin zu AfD angeführt werden: So etwa die Forderung nach einer Konzentration auf den Informationsauftrag - damit wird auch auf die Streitfrage angespielt, wieviel Unterhaltung es im Programm geben sollte. Die Bundesländer, die für Medienpolitik zuständig sind, wollen Unterhaltung als Auftrag weiterhin im Staatsvertrag aufführen. 
Merz sprach sich auch gegen das Gendern aus: "Weder einzelne Sprecher noch Kommentatoren und Moderatorinnen haben das Recht, von den allgemein anerkannten Regeln des Gebrauchs der deutschen Sprache abzuweichen." Den Rundfunkbeitrag thematisierte Merz nicht.
Indes gibt es nach ihrem Rücktritt vom RBB und der ARD-Spitze nun auch Konsequenzen für Schlesinger bei der ARD-Filmtochter Degeto. Die Degeto Film GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main teilte am Sonntag auf dpa-Anfrage mit: "Der amtierende Intendant des RBB Hagen Brandstäter hat Frau Schlesinger als Mitglied des Aufsichtsrates der Degeto abberufen." 
Zuvor hatte sich Brandstäter im RBB-"Medienmagazin" geäußert, dass er am Freitag ein Schreiben unterzeichnet habe, dass man das nicht weiter aufrecht erhalte. Schlesinger war bislang Aufsichtsratschefin. Die Degeto ist eine ARD-Gemeinschaftseinrichtung, die zum Beispiel für fiktionale Serien und Spielfilme zuständig ist. (Anna Ringle, dpa/st)


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Autor: W&V Redaktion

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