Die Transformationsleistung der eigenen Branche, die schnelle Digitalisierung der Arbeitsprozesse fürs Arbeiten von zu Hause, hat die Runde nachhaltig beeindruckt. Das alles stellt die Agenturen aber gleichzeitig vor ihre größte Herausforderung: Wie nämlich lässt sich die für ihr kreatives Produkt so wichtige Kultur in Zeiten von Homeoffice bewahren? Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Gespräch.

W&V stellt vom 5. Februar an die gesamte Diskussion mit Katja Brandt, Marianne Heiß, Matthias Spaetgens, Thomas Strerath und Phillip Böndel auf W&V+ in sechs Folgen vor. Im Netz konnten wir den Austausch noch vertiefen:

Und das sind unsere Gäste im Top 5 Club 2021

Phillip Böndel, Beratungsgeschäftsführer Digital der inhabergeführten Agentur Butter in Düsseldorf, ist neuerdings auch Berater in Sachen Hip Hop. 2014 war der junge Überflieger nach einer ersten Karriere in der Musikbranche in die Werbung gegangen. Als PR- & Social-Media-Berater war er für Rapper wie Kool Savas, Eko Fresh und Farid Bang tätig. Sein größter Erfolg: die Goldene Schallplatte für das Album "AURA" von Kool Savas 2011.

Phillip Böndel

2018 stieg er bei Butter in die Geschäftsführung auf. Er hat in der Agentur die Digitalabteilung von Grund auf neu gebaut und zuletzt mit KFC einen der größten Etats für die Agentur gewonnen. Als derzeit jüngstes Vorstandsmitglied vertritt er im GWA die Bereiche "Nachwuchs" und "Großevents".

Im Januar startete er mit Tobias Kargoll Deutschlands erste Consulting Company für Hiphop-Kultur: The Ambition, ein Herzensprojekt. The Ambition berät und begleitet Unternehmen dabei, die Geschäftspotenziale der Hiphop-Kultur nachhaltig für sich zu nutzen. Hiphop-Kultur geht weit über Musik hinaus, prägt Mode, Design, Popkultur. Hiphop hat sich in den vergangenen Jahren von einer Subkultur zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor weiterentwickelt: Allein in Deutschland hören mehr als 25 Mio. Menschen Rap.

Katja Brandt

Katja Brandt ist seit 2017 CEO DACH der Mediaagentur Mindshare (WPP) mit knapp 450 Mitarbeiter:innen allein in Deutschland. Zum Kundenstamm zählen Unternehmen wie die Deutsche Telekom, Ford, Unilever, Haribo und Playmobil. Brandt hat die digitale Transformation ihrer Agentur vorangetrieben, moderne und flexible Arbeitsbedingungen eingeführt und eine konsequente Diversity-Agenda verfolgt.

Dabei ging es ihr vor allem darum, klassische Markenkommunikation mit Performance und digitaler Kommunikation eng zu verzahnen. Natürlich hat auch Mindshare im Coronajahr gelitten: Lufthansa gehört zu den Kunden. Insgesamt aber läuft Brandts Firma wirtschaftlich erfolgreich.

Top-Managerin mit vier Kindern

Zuvor verantwortete Brandt zwölf Jahre als CEO Vizeum Deutschland. Die Agentur hatte sie in Deutschland aufgebaut. Nach einem betriebswirtschaftlichen Studium an der European Business School und einem MBA startete Brandt ihre Karriere als Brand Manager bei Benckiser Germany. 1997 ging sie zur damaligen VW-Tochter Europcar und war dort zuletzt Geschäftsführerin Marketing, Vertrieb und Call Center. 2002 wechselte sie auf die Seite der Mediaagenturen, wurde Geschäftsführerin von Optimedia Frankfurt.

Katja Anette Brandt ist in Madrid geboren, lebte als Kind in Ländern wie Pakistan, Sierra Leone und Nigeria und kam mit 14 Jahren nach Deutschland. Familie hatte immer eine große Bedeutung für sie. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

Marianne Heiß

Marianne Heiß ist die erste Frau an der Spitze der deutschen BBDO-Gruppe. Sie führt die Omnicom-Tochter seit März 2019 als CEO; davor war sie seit 2013 deren Finanzchefin. Heiß ist eine gefragte Gesprächspartnerin zum Thema "Frauen in Führungspositionen". Sie ist Autorin des Buches "Yes She Can – Die Zukunft des Managements ist weiblich" (2011) und setzt sich bereits seit vielen Jahren dafür ein, Frauenkarrieren zu fördern und Diversität in der Wirtschaft voranzutreiben. In ihrer Gruppe hat sie nicht nur die Kollaboration der einzelnen Agenturmarken vorangebracht, sondern auch zahlreiche Frauen in Führungspositionen geholt und Karrieren gefördert. Von 2015 bis 2017 war Marianne Heiß GWA-Vizepräsidentin.

Matthias Spaetgens verantwortet seit 2015 die Kreation der Scholz & Friends-Gruppe (WPP) als Chief Creative Officer. Er ist seit 1997 bei der Agentur. Spaetgens studierte Grafikdesign in München und begann danach seine Karriere bei Scholz & Friends mit Stationen in Hamburg, Zürich und Berlin. 2007 wurde er zunächst Geschäftsführer Kreation im Berliner Büro, dann Kreativchef der Gruppe acht Jahre später. Seit 2010 leitet er als Professor den Fachbereich Kommunikationsdesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien.

Matthias Spaetgens

Spaetgens zählt zu den meistausgezeichneten Kreativen des Landes. Seine Arbeiten, für A. Lange & Söhne, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, HLX, jobsintown.de, Mercedes-Benz und Weru wurden bei verschiedenen Award-Shows prämiert.

Stiller Kreativer mit Teamgeist

Der Grand Prix, den er für das Tampon-Buch 2019 in Cannes gewann, darf als Höhepunkt seiner Laufbahn gelten, obwohl er selbst dafür lieber sein Team ins Feld führt. Noch nie holte eine deutsche Agentur in Cannes einen Grand Prix. 2020 erklomm Scholz & Friends vor allem dieser Arbeit wegen den ersten Platz im W&V-Kreativranking.

Thomas Strerath

Thomas Strerath baut als Managing Director mit seinem Kreativpartner Till Eckel derzeit in München und Berlin die Agentur Mediamonks (S4 Capital) auf, die bereits für BMW, Mini und die Bank N26 arbeitet. Sie soll eine Agentur neuen Zuschnitts sein und einmal über 300 Leute beschäftigen. Um ECD Eckel entsteht eine eigene Kreativeinheit; die Content-Produktion findet getrennt statt.

Bis Oktober 2020, als Strerath bei Mediamonks einstieg, arbeitete er zwei Jahre lang als Berater. Er saß davor im Vorstand von Jung von Matt, bis 2015 war er bei Ogilvy, zuletzt als CEO.

Provokante Thesen

Strerath, den viele für den vielleicht klügsten Kopf der Branche halten, stößt mit seinen provokanten Thesen immer wieder Debatten an. So hat er früh das Ende der 360-Grad-Kommunikation prophezeit, die vermeintliche Content-Lüge entlarft, Mediaagenturen als obsolet, das klassische Agenturmodell als überkommen bezeichnet. Jetzt baut er an seiner eigenen Zukunftsagentur. Im Top 5 Club feiert Strerath Jubiläum: Er nimmt zum fünften Mal teil.



Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.