Die Punkte lauten wie folgt:

  • Eine Frauenquote von 50 Prozent in Managementpositionen
  • Die Schaffung von Jobbeschreibungen, um bei Einstellungen und Beförderungen eine höhere Transparenz und Fairness zu schaffen
  • Das Einrichten einer Gleichstellungsbeauftragten im Unternehmen
  • Die Entwicklung eines Konzepts, das es Frauen* ermöglicht, nach der Schwangerschaft zurück in den Beruf zu gehen und das auch Männern* die Eltern- bzw. Teilzeit ermöglicht.

Damit wollen die Verantwortlichen die Agenturlandschaft gerechter und inklusiver machen. Der GWA stehe in der Pflicht, seine Mitglieder auf diese Standards zu verpflichten. Darauf beständen gerade die jungen Leute, die in Agenturen anheuerten. "Die Generation, die jetzt nachkommt, hat keinen Bock mehr, in einer Industrie zu arbeiten, die so woke ist wie ein CSU-Ortsverein."

Ihre Forderungen untermauern die Aktivist*innen mit einer Umfrage, die sie nach eigenen Angaben bei 650 Frauen in der Kommunikationsbranche durchgeführt haben.

Scholz & Friends gab den Anstoß

Das Feedback auf Instagram ist erwartungsgemäß gut, wenn der Original-Post auch nur verhältnismäßig wenige Leser*innen mobilisiert haben dürfte mit 284 "Gefällt-mir"-Angaben (Stand: 16.10.2020). Inzwischen hat die Sache aber Kreise gezogen. Als Fan der Initiative bekennt sich Vreni Frost, die erst vor Kurzem mitgeholfen hatte, sexistische Umtriebe in der Agentur Scholz & Friends aufzudecken. Ein Artikel dazu war im Wochenmagazin Die Zeit erschienen.

Die Agentur hat inzwischen darauf reagiert und will bis 2022 eine Frauenquote von 50 Prozent auf Managementpositionen erreichen. Gleichzeitig hat sie drei neue Stellen mit Frauen besetzt, die sich der Gleichstellung annehmen sollen. So übernimmt Catherine Gaudry im Partner-Board die Verantwortung für den Bereich "Diversity, Equity & Inclusion". Christiane Stöhr vertritt im Vorstand die Themen Nachhaltigkeit und unternehmerische Verantwortung. Nele Schnieder betreut als Geschäftsführerin von Scholz & Friends in Berlin "People & Culture"-Themen.

Der GWA begrüßt die Aktion

Larissa Pohl, die im Vorstand des Werberverbands GWA das neu geschaffene Ressort für "Gleichstellung, Diversität & Inklusion" führt, hat dem AD Girls Club noch auf Instagram ein Gespräch angeboten.

Benjamin Minack, Präsident des Verbands, steht ebenfalls voll und ganz hinter den Forderungen der Frauen. "Alles, was sie sagen, ist wichtig für eine moderne Unternehmensführung." Er betont aber, mensch müsse das Thema Diversity viel breiter denken. Neben den berechtigen Belangen von Frauen müssten da immer auch die Interessen von Menschen mit Handicap, People of Colour oder etwa LGBTIQ* einfließen, wie es das Programm von Pohls neuem Ressort vorsehe.

Darin vorgesehen sind Schulungen und Workshops für Agenturen und deren Beschwerdestellen, wenn sich Mitarbeiter*innen entsprechend Paragraph 13 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes diskriminiert fühlen. Außerdem prüft der GWA die Einrichtung einer externen Beschwerdestelle unter ihrem Dach, etwa in Zusammenarbeit mit einer Non-Profit-Organisation, die psychologische Beratung anbietet.

Pohl will außerdem eine Grundlagenstudie aufsetzen, die anonymisierte Daten von Agenturmitarbeiter*innen wie Alter, Geschlecht, Herkunft, Gehalt, Karrierelevel, Voll-/Teilzeit, Kinder ja, nein, analysiert. Auf dieser Basis könnte der GWA dann einen Aktionsplan mit Zielen festsetzen, deren Erreichung Agenturen zum Erwerb eines Zertifikats berechtigt.

Big Sister is watching you

Der AD Girls Club sieht die Bemühungen wohl, bleibt aber skeptisch: "Wir werden beobachten, ob Worten auch Taten folgen", schreiben sie auf Instagram.



Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.