Jetzt heißt es: alles auf Native Advertising. Oder in Influencer-, besser: in Micro-­Influencer-Marketing, jedenfalls nicht in TV. Denn TV ist tot, wird gerade gekillt von Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime. Print ist schon lange tot, so tot wie Kino. Aber wohin mit den Budgets? In digitale Werbung? Vorsicht vor digitaler Besoffenheit, vor Ad-Fraud, Brand-Safety, Adblockern und nicht sichtbaren Ad-Impressions!

Ruhe da draußen, möchte man den ganzen Brüllaffen zurufen, die jeden Monat einen neuen Trend hochjazzen, Kunden kirre machen und sich nicht dafür rechtfertigen müssen, erst vor Kurzem noch einem ganz anderen Trend hinterhergejagt zu haben. Ist es eigentlich ein Wunder, dass Werbungtreibende es als ihr größtes Problem sehen, sich in dem Omnichannel-Dschungel zurechtzufinden? Weil ihnen in immer kürzeren Abständen diese Ankündigungsweltmeister neue verführerische Parolen zurufen, die sich aber leider schon bald als neue Ressourcen-Vernichtungsmaschine entpuppen.

Wo bleibt da eigentlich die Rolle der Mediaagenturen als Berater der Kunden? Müssten sie nicht einordnen, Orientierung geben, zu Besonnenheit aufrufen? Oder sind die Planer zu sehr damit beschäftigt, ihre eigene Rolle in dieser überhitzten Schlacht zu finden? Immerhin wird unter den Agenturchefs darüber diskutiert, ob man nun Kreativ- oder Mediaagentur oder eigentlich Consulter sei. Oder überhaupt komplett überflüssig, wie das Gebilde um Blackwood Seven vor einem Jahr noch tönte. Das nun aber – übrigens ebenso wie SAP mit seinem XM-Projekt – kleinlaut die Segel streicht und mit dem Mediageschäft vorerst nichts mehr zu tun haben wird.

Dieses ganze Theater verstellt einem den Blick dafür, dass wir in einer der faszinierendsten, aufregendsten und kreativsten Branchen arbeiten, die ständigen Veränderungen unterzogen ist.

Darüber hinaus haben wir es mit mutigen Kunden zu tun, die bereit sind, ihre Konzepte immer wieder zu ändern, weil neue Kanäle und technische Innovationen über Nacht andere Voraussetzungen geschaffen haben. Sie brauchen auf ihrer Reise aber keine Abenteurer als Begleiter, sondern kompetente Gefährten, die Ruhe bewahren und den Überblick behalten und sie davor schützen, leichtsinnig Geld zu versenken. Für sie zählt am Ende einzig und allein der Erfolg ihrer Kampagne.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch wir bei JOM testen jede relevante Kommunikationsmöglichkeit. Aber bevor wir sie einsetzen, wird sie genauestens auf ihre Effizienz hin untersucht. Denn unsere Kunden wollen mit ihrer Werbung keine Showeffekte erzielen, sondern Wirkung.

Eigentlich aber freuen wir uns auf die Parolen der vielen Buzzword-Blubberer. Denn sie sichern unser Geschäft. Solange jede Woche ein neuer Hype angekündigt wird, sind wir komplett entspannt. Denn das hilft uns, unsere Stellung am Markt auszubauen. Denn all unsere Kunden, viele namhafte Markenartikler, wissen eine Planung zu schätzen, die sich einzig an nachhaltiger Budgeteffizienz orientiert.
In diesem Sinne: Bitte noch mehr Luft- und Seifenblasen!

Der Autor: Oliver Blecken ist Managing Partner der Mediaagentur JOM in Düsseldorf


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W&V Redaktion
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