Doch will Grabarz & Partner - die wie alle unter der Coronakrise zu leiden haben - nicht einfach Geld sparen? Natürlich, stimmt Heuel zu, sei das Finanzielle ein Aspekt, mehr aber noch der zeitgemäße Umbau der Agentur. Und was ist mit dem PR-Effekt von Awards nach außen und innen? "Das müssen wir aushalten", sagt Fenz. "Wir machen ja auch weiterhin geilen Scheiß; da draußen wird man keinen Unterschied merken." Die gesamte Agentur stehe hinter dem Schritt. Von oben diktiert sei das nicht.

Hilfe aus Holland

Heuel zitiert jetzt aus einem Brief, den er an die Belegschaft geschrieben hat. Grabarz, so der Kreativchef, habe bereits Ende 2019 begonnen, mit "GP North" einen internen Restrukturierungs­prozess aufzusetzen, um schneller, effizienter, moderner und kreativer zu werden. Covid 19 und damit einhergehende Veränderungen hätten für alle die Dringlichkeit nochmals erhöht. "Wir werden unsere Arbeitsweise einer neuen Welt und Wirtschaftswelt anpassen: Wie arbeiten wir? Wo arbeiten wir? Wie schaffen wir es, Kreativität in den Mittelpunkt unseres Handelns zu stellen? Wie stellen wir unsere Kultur sicher?" Dabei unterstütze sie eine externe niederländische Beratungsfirma, die auf "Learning" und "Change-Prozesse" spezialisiert sei. Kessels & Smit ist ihr Name.

Wie die Pläne nun konkret aussehen, wissen die beiden freilich nicht zu sagen, denn das Ganze entsteht ja erst. Und zwar, wie sie betonen, in einem "Bottom-Up-Prozess": "Uns ist wichtig, dass das auf konkreten Projekten passiert und im Arbeitsalltag", sagt Fenz. "Wir probieren vieles aus und messen die Ergebnisse."

Erste Ideen, wie man arbeiten könnte

Klar ist schon: Ideen lassen sich künftig mit hybriden Off- und Online-Formaten entwickeln, damit, wie Heuel sagt, "Kollege Zufall" auch ein Wörtchen mitreden kann. Es wird weniger Dienstreisen geben, vielleicht benötigt Grabarz auch weniger Bürofläche. Die Idee, dass Hunderte von Menschen an einem Ort zum Arbeiten zusammenkommen, sei ja in der Industrialisierung entstanden. "Aber heute stehen in unserer Agentur keine Webstühle mehr, sondern Laptops, und wir können von überall arbeiten." Die Frage ist also: Wie gestalten wir eine Agentur als hybriden Wirkungssort?

Wie auch immer: Die Award-Industrie gerät damit jedenfalls weiter unter Druck. Sollten sich auch andere Agenturen, etwa die Networks, 2021 gegen eine Teilnahme an Awards entscheiden, dürfte die Konsolidierungswelle weitergehen und womöglich selbst Kreativrankings irgendwann einmal obsolet werden. Ralf Heuel erwartet heftige Debatten. "Aber früher war nicht alles besser. Wir freuen uns darauf, die kommende Zeit neu zu denken."

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Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt, in Beratung, Strategie und Kreation. Besonders innovative Agenturmodelle haben es ihm angetan. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine. Vielleicht ist er deshalb auch Diversity-Beauftragter der SWMH geworden, der die W&V angehört.