Die Automobilbranche ist nach wie vor sehr wichtig für Agenturen. Trotzdem reduzierte sich deren Anteil von 61 Prozent im Vorjahr auf 47 Prozent. Das ist deutlich.

Für Thomas Eickhoff, Vize-Präsident des GWA, sind die Zahlen ein Beleg dafür, dass das Geschäftsmodell Agenturen nach wie vor funkioniert. "Wir machen Umsatzplus", sagt er. Und die Agenturen verdienten Geld. Wenn auch die Renditen seit 2016 beständig sinken, ein Plus von 8,5 Prozent (2019) ist nach wie vor drin.

Mehr Kooperationen

Investieren müssen die Agenturen nach wie vor vor allem in IT und Mitarbeiter, die sie fest anstellen und die sich in der Digitalisierung unentwegt fortbilden müssen. Das kostet. 53 Prozent der befragten Agenturen beschäftigten 2019 mehr Festangestellte als noch im Vorjahr, fast ein Drittel hatte mehr Freelancer. Allerdings zahlt sich die Kompetenz - siehe oben - dann auch aus. Was Agenuren nicht selbst vorhalten können, kaufen sie hinzu oder sie suchen die Kooperation mit Spezialisten. Dieser Trend ist nicht neu, nimmt aber an Intensität zu.

Die Prognosen der Agenturen für das laufende Jahr sind Corona-bedingt allerdings sehr düster: Bei 81 Prozent der Agenturen wurden kundenseitig Projekte verschoben oder abgesagt. 54 Prozent erwarten für das laufende Jahr einen signifikant negativen Umsatzeffekt, wie eine aktuelle Zusatzerhebung des GWA ergab. Ohne den Corona-Effekt hätten die Agenturen offenbar eine gegenüber 2019 vergleichbare Umsatzentwicklung erwartet. Die Hoffnung ist, dass sich mit dem Virus auch die Digitalisierung in Deutschland stärker durchsetzt.

Aus Agentursicht werden 2020 Nachhaltigkeit und Storytelling relevante Themen sein. Aber auch First und Purpose sehen sie weit vorn – Felder, die sicher auch angesichts der aktuellen Entwicklungen virulent bleiben werden.

FDP vertritt Agenturinteressen am besten

"Die GWA-Agenturen können auf ein wirtschaftlich stabiles Jahr 2019 zurückblicken. Das wird auch in der aktuellen Corona-Krise helfen, die viele Agenturen mit massiven Projekt-Absagen und Umsatzrückgängen sehr hart trifft", sagt Eickhoff. Aber auch der Blick auf das eigene Angebotsportfolio und die Bereitschaft zur Veränderung seien Schlüsselkompetenzen, die bei den heutigen Herausforderungen von großem Vorteil seien.

Noch ein Wort zu politischen Belangen: Erstmals hat der GWA auch die politischen Präferenzen der Branche erhoben: 58 Prozent der Befragten sehen demnach bei der FDP die Interessen von Agenturen am besten vertreten. Was nicht heißt, dass sie die Partei auch wählen; es geht hier um das Parteiprogramm. 23 Prozent wähnen sich bei der CDU, 13 Prozent bei den Grünen besser aufgehoben. 

Home Office keine Aufgabe der Politik

Die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbstständige übrigens, ein großes Thema vor Corona, lehnen 43 Prozent der Agenturen ab. Denn viele der Befragten rechnen mit höheren Kosten, wenn Freelancer diese entsprechend weiterreichen würden. Das von der großen Koalition geplante Recht auf mobiles Arbeiten schließlich ist aus Agentursicht keine Aufgabe der Politik. Mobiles Arbeiten sollte agenturindividuell entschieden werden und werde von einem Großteil der Agenturen ohnehin schon praktiziert - gerade in diesen Tagen. Den Frühjahrsmonitor stellt der GWA hier zum Download bereit.

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Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.