Führungskrise :
WPP in der Krise: Das sind die 10 größten Probleme

Martin Sorrells Strategie war lange sehr erfolgreich. Doch mittlerweile hat die weltweit größte Agenturgruppe mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Die größten Baustellen.

Text: Markus Weber

WPP hat mit zahlreichen Baustellen zu kämpfen.
WPP hat mit zahlreichen Baustellen zu kämpfen.

1. Abhängigkeit von den Plattformen

Ein immer größerer Anteil der Marketinginvestitionen fließt an Google, Facebook & Co, die über die besten Daten verfügen. Mediaagenturen sind daher gezwungen, ausgerechnet mit den Plattformen zu kooperieren, die das Potenzial haben, die Agenturen langfristig überflüssig zu machen. 

2. Schwäche der Networkmarken

Bei der Akquise von Großkunden spielen die Networkmarken praktisch keine Rolle mehr. Durch Sorrells "Horizontal"-Strategie wurden die vielen einzelnen Agenturmarken (Ogilvy, Grey, JWT, Y&R) bewusst geschwächt, um WPP als Ganzes als starken Player zu positionieren. Diese Schraube wurde überdreht: Mittlerweile kratzt die Schwäche einzelner Networks nämlich schon am Image von WPP.

3. Brain Drain

Im Rahmen der "Horizontal"-Strategie verloren einzelne Standorte massiv an Bedeutung. Zudem wurden etliche Management-Ebenen gestrichen. Aufgaben, um die sich Senior-Manager kümmerten, wurden in jüngere Hände gegeben. Das Problem: Dieser "Brain-Drain" blieb den Kunden nicht verborgen.

4. Wachsende Kundenmacht

Weil (Groß-)Kunden die Agenturen häufig als schwach erleben, sehen sie es als folgerichtig und konsequent an, die Kosten zu drücken und den Dienstleistern ihre Bedingungen zu diktieren. Jüngstes Beispiel sind die Customized Agencies bei P&G, dem weltweit größten Werbungtreibenden.

5. Abschied vom Leadagentur-Modell

Werbungtreibende bemühen sich derzeit verstärkt, die strategische Kontrolle über das Marketing zurückzugewinnen: Unternehmen wie Allianz und Deutsche Telekom verabschieden sich vom Leadagentur-Modell.

6. Trend zu Inhouse-Lösungen beim Mediaeinkauf

Die Entwicklung hin zu Programmatic Advertising befeuert bei Werbungtreibenden die Lust, beim Mediaeinkauf Inhouse-Lösungen auszuprobieren und auf die Agenturen als Mittler zu verzichten. Dadurch könnten mittelfristig die Margen wegbrechen.

7. Kampfansage der Consultingfirmen

Unternehmensberatungen und Technologiefirmen nutzen die Digitalisierung des Marketings dazu, den Media- und Werbeagenturen ihr angestammtes Feld streitig zu machen.

8. Druck der Kapitalmärkte

Das vergangene Geschäftsjahr verlief für WPP enttäuschend. Die Zeichen stehen auf Stagnation. Die Aktie hat mehr als ein Drittel ihres Wertes verloren. Hedgefonds wetten Milliarden gegen die großen Werbeholdings.

9. Machtvakuum an der Spitze

Martin Sorrell war für WPP mehr, als es Uli Hoeneß für den FC Bayern ist. Falls sich die Suche nach einem Nachfolger lange hinziehen wird, hätte das schädliche Auswirkungen auf die Gruppe, da gerade jetzt wichtige strategische Weichenstellungen nötig sind.

10. Firmenkultur

Trotz des unablässigen Trimmens auf Rendite hat sich in manchen WPP-Häusern bis heute eine Agenturkultur halten können, die an "Mad-Men"-Zeiten erinnert. An der globalen JWT-Spitze gab es einen Aufsehen erregenden Sexismus-Skandal.  Erst vergangene Woche wurde bei WPP der Alkoholkonsum am Arbeitsplatz verboten und die Bar-Rollwagen wurden abgeschafft.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.