Dmexco-Affäre :
Jetzt sprechen die Dmexco-Macher: "Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen"

Die gekündigten Dmexco-Macher Christian Muche und Frank Schneider antworten erstmals öffentlich auf die Vorwürfe. Sie wollen "die Sache klären" – und "vor allem wissen", was man ihnen "genau vorwirft".

Text: Thomas Nötting

Christian Muche, Frank Schneider: "Auf die Begründung warten wir bis heute"
Christian Muche, Frank Schneider: "Auf die Begründung warten wir bis heute"

Erstmals äußern sich die gekündigten Messe-Manager Christian Muche und Frank Schneider ausführlich zur Dmexco-Affäre. Was sie zu sagen haben, dürfte beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) und der Koelnmesse für weiteren Zündstoff sorgen. Die Kündigung habe sie völlig überraschend getroffen, erklärt das langjährige Dmexco-Duo. Eigentlich wähnten sie sich gemeinsam mit Messe und Verband auf "einem guten Weg". Den Vorwurf der Vertragsverletzung weisen sie zurück. Und besonders bemerkenswert: Sie "sehen keinen Grund, nicht weiter für die Dmexco zu arbeiten".

Herr Schneider, Herr Muche – wie haben Sie von Ihrer Kündigung erfahren?

Schneider: Das kam für uns völlig überraschend. Ich bin vorletzte Woche am Donnerstag aus dem Flieger gestiegen und habe meine Mails gecheckt. Dort habe ich dann die Nachricht einer Anwaltskanzlei gefunden, in der uns fristlos gekündigt wurde. 

Mit welcher Begründung?

Schneider: Das ist der Punkt. Ohne konkrete Begründung. Auf die warten wir bis heute.

Von Seiten der Koelnmesse und des BVDW hat Ihnen also bislang niemand erklärt, warum man sich von Ihnen trennen will?

Muche: So ist es. Und kurze Zeit später wurde die Pressemitteilung verschickt, die nach über neun Jahren äußerst erfolgreicher Arbeit einen persönlich trifft und gleichzeitig Fragen aufwirft, warum die Koelnmesse so handelt. Viele Marktteilnehmer haben das ebenso geäußert. Es ist ja grundsätzlich legitim, dass man eine Trennung herbeiführen möchte, wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Aber dann muss man in einem solch gewachsenen Verhältnis doch erst mal darüber reden. Mit uns hat aber niemand gesprochen - noch hat man uns gar mit irgendwelchen Vorwürfen konfrontiert.

BVDW-Präsident Matthias Wahl sagt in einem Schreiben an die Mitglieder, Sie hätten „gegen wesentliche vertragliche Vereinbarungen verstoßen“.

Muche: Diesen Vorwurf hat uns gegenüber aber nie jemand geäußert. Wir können ihn auch nicht nachvollziehen. Im Übrigen ist es bemerkenswert, dass sich der BVDW in dieser Form öffentlich dazu äußert, denn erstens ist noch nicht einmal ein konkreter Vorwurf  erhoben und  zweitens äußert sich der Verband zu Dingen, von denen er keinerlei Kenntnis haben dürfte. Wir stehen in keinem rechtlichen Verhältnis zum BVDW. Unser Vertragspartner ist die Koelnmesse.

Im Umfeld des Verbands war außerdem von Differenzen über die inhaltliche Ausrichtung die Rede.

Muche: Das ist nur schwer nachzuvollziehen. Wir waren ja in den letzten Wochen dabei, die künftige inhaltliche Konzeption der Dmexco mit der Koelnmesse abzustimmen. Alles schien auf einem guten Weg – das wurde uns auch so mehrfach und eindeutig signalisiert. Außerdem war die letzte Dmexco ja ein voller Erfolg. Es war die beste Veranstaltung in neun Jahren, bei der bereits zuvor geäußerte inhaltliche Wünsche der BVDW-Verantwortlichen berücksichtigt wurden.

Was haben Sie nun vor?

Schneider: Wir wollen die Sache klären – und vor allem wissen, was man uns genau vorwirft. Wir wollen gerne weiter für die Dmexco arbeiten.

Sie hoffen tatsächlich noch auf eine Einigung und eine Fortsetzung Ihrer Arbeit?

Muche: Natürlich ist die Situation schwierig und für die Marktteilnehmer unübersichtlich. Aber wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen und haben diesen Schritt auch nicht initiiert. Und das wollen wir klären. Wir sehen keinen Grund für diese Kündigung. Und deshalb sehen wir auch keinen Grund dafür, nicht weiter für die Dmexco zu arbeiten. Die Veranstaltung war und ist unser Baby.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.