Bei dem Test in Hamburg können die Kunden rund 100.000 Produkte selbst bezahlen und dann an einem Schalter entsperren lassen.

Ausgenommen sind Großgeräte wie Waschmaschinen, Tablets und Smartphones, bei denen die Seriennummer erfasst werden muss, sowie Produkte mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren. Der Test soll zunächst bis Ende Februar dauern.

Saturn ist mit seiner Initiative nicht allein. Wer will, kann bei Ikea und vielen Lebensmittelhändlern seit Jahren seine Einkäufe an den Kassen selber scannen.

"Das ist eher etwas für Kunden mit kleinem Einkauf", sagt der Edeka-Kaufmann Falk Paschmann. Er setzt in Mülheim an der Ruhr wie Saturn auf eine App, die es dem Kunden erlaubt, die Ware mit dem eigenen Smartphone zu scannen. Der Kaufmann prüft mit mehr als 100 Testkunden, wie gut das in einem Laden mit 45.000 verschiedenen Produkten funktioniert. Der Händler sieht in dem Angebot einen zusätzlichen Service für die Kunden, keinen Ersatz für die herkömmlichen Kassen. "Einkaufen macht nicht jedem Spaß. Es gibt Kunden, die wollen nur so schnell wie möglich wieder aus dem Laden raus sein. Dass wollen wir mit dem Self-Scanning erleichtern."

Bei der Supermarktkette Globus muss sich der Kunde mit seiner Kundenkarte anmelden und bekommt dann einen tragbaren Scanner, mit dem er seien Einkäufe aufnimmt. Am Ende kann an einer speziellen Kasse bezahlt werden, ohne dass die Ware noch einmal auf ein Laufband gelegt werden muss. Das Angebot werde gut angenommen und inzwischen in immer mehr Läden angeboten, heißt es bei Globus.

Auch bei Saturn muss der Kunde noch zu einem Schalter, um die Ware freizuschalten und die Filiale unbehelligt zu verlassen. "Das ist noch nicht 100 Prozent perfekt", sagt Innovationsmanager Wild. "Es ist aber schon ein ganz anderes Kassenerlebnis."

"Amazon Go hat alle unter Druck gesetzt"

Die wachsenden Bemühungen, die Schlangen an den Kassen in den Griff zu bekommen, überraschen Horst Rüter vom Handelsforschungsinstitut EHI nicht. "Amazon Go hat alle unter Druck gesetzt, in diesem Bereich innovativer zu werden", erklärt er den Trend.

Amazon bietet in bislang sieben Läden in den USA die Möglichkeit, kassenlos einzukaufen, und hat damit weltweit Schlagzeilen gemacht. Der Kunde muss sich am Eingang des Ladens mit einer App anmelden und kann dann die gewünschten Artikel einfach aus dem Regal nehmen und den Laden wieder verlassen - ohne umständliches Scannen der ausgewählten Artikel und ohne Umweg über die Kasse oder eine Mitarbeiter. Eine Vielzahl von Kameras und Sensoren sorgt dafür, dass die mitgenommenen Produkte korrekt in Rechnung gestellt werden.

Davon sind die deutschen Wettbewerber noch weit entfernt. Denn egal ob bei Saturn, Globus oder Edeka Paschmann: Die Kunden müssen nicht nur die Produkte selbst scannen, beim Verlassen des Ladens müssen sie am Ende auch immer noch einen Stopp einlegen - entweder um zu bezahlen oder um die Ware entsichern zu lassen. Wobei das Angebot in den Amazon-Go-Läden vergleichsweise klein ist und die Übertragung des Modells auf einen echten Supermarkt mit Zehntausenden Produkten oder einen großen Elektronikshop selbst Amazon wohl noch einiges Kopfzerbrechen bereiten dürfte. "Das ist für einen großen Markt mit 18.000 Quadratmetern nicht machbar", sagte Wild.

Ein weiteres Problem: Wenn der Kunde nicht in jedem Ladengeschäft eine neue App verwenden will, müssen sich zumindest die größeren Handelsketten auf eine einheitliche Lösung verständigen. "Wir sind da offen", sagte Wild. Bislang gebe es noch nicht genug Markteilnehmer, die weit genug seien beim Bezahlen ohne Kasse. (dpa)


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W&V Redaktion
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