Von Wulff bis Wallraff :
Das waren Diekmanns größte "Bild"-Momente

Mit Kai Diekmann stand bei Springers "Bild" viele Jahre ein Mann an der Spitze, der polarisierte und selbst für Schlagzeilen sorgte. Wie etwa in der Wulff-Affäre. Ein Überblick. 

Text: Petra Schwegler

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Mit diesem Bild und den Worten "Es war mir eine Ehre!" verabschiedete sich Kai Diekmann am Freitag via Twitter.
Mit diesem Bild und den Worten "Es war mir eine Ehre!" verabschiedete sich Kai Diekmann am Freitag via Twitter.

Solange wie keiner seiner Vorgänger machte Kai Diekmann als Chefredakteur der "Bild" Schlagzeilen – auch wenn viele seiner Aktionen umstritten waren. Nun, ein Jahr nach seinem Wechsel in den Herausgeberposten, nimmt der 52-Jährige mit der großen Netzaffinität endgültig seinen Hut und sagt Axel Springer nach 30 Jahren Ende Januar Adieu. "Außerhalb des Unternehmens" will Diekmann künftig seine Sporen verdienen.

In Kai Diekmanns Vita sind folgende "Bild"-Momente zu finden:

- Sein größter Auftritt: Diekmann und die "Bild"-Zeitung spielten eine Rolle beim Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff 2012. Das Boulevardblatt berichtete Ende 2011 über dessen Hauskauf-Finanzierung. Zuvor hatte Wulff auf der Mailbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann mit Konsequenzen gedroht, falls die Geschichte erscheint. Diekmanns Blackberry-Handy war später auf einer Ausstellung in Leipzig zu bewundern.

- Unter Diekmanns Leitung titelte das Boulevardblatt einen Tag nach der Wahl Joseph Ratzingers am 19. April 2005 zum katholischen Oberhaupt Benedikt XVI.: "Wir sind Papst". Diekmann hatte zuvor schon 2004 mit der "Volks-Bibel" der Tageszeitung eine persönliche Audienz bei Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. erlebt.

- Legendär auch die Hassliebe zur "taz". Die hat entsprechend ihrerseits den bizarrsten gemeinsamen Moment kommentiert: "Auch mit der taz verband Diekmann eine langjährige Beziehung, die nicht zu jeder Zeit freundschaftlich war. 2002 Klagte der 'Bild'-Chefredakteur wegen eines satirischen Textes auf der Wahrheit-Seite, der ihm eine Penis-Verlängerung unterstellte, auf 30.000 Euro Schadenersatz." Diekmann hat die Unterlassung des Textes wirklich durchgesetzt.

- Kai Diekmann alarmierte 2005 mit dem Bericht "Feuerameisen überfallen Europa" – gleichsam eine Art Vorgänger der heiß diskutierten "Fake-News". Aber dem "Bild"-Chefredakteur brachte es damals viel PR ein. Und den Eindruck, dass Diekmann wirklich aus Mücken Elefanten machen kann. 

- Mit seiner Frau, der Journalistin und Buchautorin Katja Kessler, und den vier Kindern ging Kai Diekman im Herbst 2012 für fast ein Jahr nach Kalifornien. Von dort kommunizierte er nahezu ununterbrochen über die sozialen Medien mit dem Rest der Welt über die neuesten Trends im Silicon Valley. Nach dem Trip hatte er dann lange Zeit ein haariges Markenzeichen: Der Vollbart, der entfernt an Karl Marx erinnerte, wurde erst viele Monate nach seiner Rückkehr nach Deutschland für einen guten Zweck abrasiert – alles sehr öffentlichkeitswirksam.

- In seiner Schlussphase als Chefredakteur von "Bild" stellte das Blatt auch Internet-Hetzer, die Hass gegen Flüchtlinge schürten, auf einer Doppelseite an den Pranger - mit Fotos und Namen aus den sozialen Netzwerken.

- Diekmann nahm an der "Ice Bucket Challenge" teil, um auf die unheilbare Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen - und schüttete sich kaltes Wasser über den Kopf.      

- Für eine Crowdfunding-Aktion ließ er sich von dem alten Springer-Kritiker und Undercover-Reporter Günter Wallraff beim Tischtennis in 23 Minuten von der Platte fegen – allerdings schon in seiner Phase als Herausgeber der Bild-Gruppe. Das war im Mai dieses Jahres.

Der mit seiner Familie in Potsdam lebende Diekmann zeigte sich am Freitag auf seinem Abschiedstweet "Es war mir eine Ehre!" mit Foto von sich am Schreibtisch - hinter ihm an der Wand prangte das "Bild"-Logo überdimensional auf einem Gemälde (siehe oben). 

ps/dpa


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.



2 Kommentare

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Anonymous User 30. Dezember 2016

Zu diesem Mann und seiner Arbeit hat der Schriftsteller Max Goldt schon alles gesagt:
„Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.“

Anonymous User 30. Dezember 2016

Siehste, bei Bild sind Fake-News völlig okay. Man stelle sich vor, publizierte Lügen würden Straftatbestand, wer dann alles in den Knast müsste...

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