Mehr Inhalte, besseres Netz, mehr Onlinezeit.

Mehr Inhalte, besseres Netz, mehr Onlinezeit.

Diese Onlinezeit verbringen die Jugendlichen vor allem mit Kommunikation (anteilig 35 Prozent), Unterhaltung (Musik, Videos, Bilder; 31 Prozent), 24 Prozent der Netzzeit geht an Spiele, 10 Prozent ihrer Internetnutzung verbringen die Teens mit der Informationssuche.

Dabei ist der Nutzungsanteil von Kommunikation ebenso wie von Informationssuche sichtbar zurückgegangen (2008: 48 bzw. 16 Prozent) - aufgrund der steigenden Angebotsbreite wuchs auch die Beschäftigung mit Unterhaltungs- und Spiele-Angeboten (2008: je 18 Prozent der Internetnutzung).

Youtube, Whatsapp, Instagram: Das machen Jugendliche online am liebsten.

Youtube, Whatsapp, Instagram: Das machen Jugendliche online am liebsten.

Der Favorit der Jugendlichen ist Youtube, vor allem der Jungs (70 Prozent). Sehr deutlich rückläufig innerhalb eines Jahres: Facebook. Jüngere mögen Youtube deutlich lieber als ältere Jugendliche (71 vs. 58 Prozent/12-13 und 18-19 Jahre), genau umgekehrt ist es bei Netflix (12 vs. 22 Prozent).

Tagesschau und Regionalzeitungen mit Vertrauensbonus 

Was das Vertrauen in Nachrichtenangebote angeht, sollten die Jugendlichen in der JIM-Studie Schulnoten dafür vergeben. Die Tagesschau bzw. die Tagesthemen der ARD genießen bei Jugendlichen das höchste Vertrauen, 84 Prozent der Jugendlichen haben die Note 1 oder 2 vergeben.

An zweiter Stelle folgt mit 77 Prozent das Angebot regionaler Print-Tageszeitungen, dritter werden öffentlich-rechtliche Radiosender (75 Prozent). Der tagesaktuellen Berichterstattung des ZDF (Heute bzw. Heute Journal) schenken 71 Prozent der Befragten ihr Vertrauen.

Die Onlineangebote der Nachrichtenmagazine Focus und Spiegel landeten bei dieser Beurteilung im Mittelfeld, jeweils die Hälfte der Jugendlichen bewertet diese Angebote mit der Note 1 oder 2. Private Radiosender werden von knapp der Hälfte der Jugendlichen als vertrauenswürdig eingestuft.

Mit deutlichem Abstand folgen ProSieben Newstime, das Nachrichtenangebot des E-Mail-Providers Web.de und RTL Aktuell, denen jeweils ein Viertel der Jugendlichen vertraut.

Jugend hat ihre Bildung nicht aus der Bild

Das Angebot der Bild-Zeitung bildet mit jeweils 15 Prozent sowohl für das Print- als auch das Onlineangebot das Schlusslicht.

Die Vertrauenswürdigkeit von Focus und Spiegel online nimmt mit dem Alter der Jugendlichen eher zu, während das Vertrauen in die News-Angebote von ProSieben, RTL und Bild (Print und Online) mit steigendem Alter abnimmt.

Jugendliche mit formal höherem Bildungsniveau vertrauen Nachrichtenangeboten mehr. Lediglich das Angebot von ProSieben Newstime (Haupt-/Realschule: 31 Prozent, Gymnasium: 24 Prozent), RTL Aktuell (Haupt-/Realschule: 28 Prozent, Gymnasium: 20 Prozent) sowie der Bild-Zeitung (Print: Haupt-/Realschule: 19 Prozent, Gymnasium: 12 Prozent, Online: Haupt-/Realschule: 20 Prozent, Gymnasium: 12 Prozent) erhält von Jugendlichen mit formal niedrigerem Bildungshintergrund bessere Vertrauens-Noten.

 

Was Nachricht betrifft, gelten die Sendungen der ARD als vertrauenswürdigste Angebote.

Was Nachricht betrifft, gelten die Sendungen der ARD als vertrauenswürdigste Angebote.

Die aktuellen Ergebnisse der JIM-Studie 2018 sowie Einblicke in 20 Jahre Forschung präsentierten die drei Autoren der Studie, Sabine Feierabend (SWR), Thomas Rathgeb (LFK) sowie Theresa Reutter (LFK) am 27. November auf der Jubiläumsveranstaltung.

Die Forschung zur Mediennutzung sei unerlässlich für den Jugendmedienschutz, sagte der Präsident der Medienanstalt in Baden-Württemberg (LFK), Wolfgang Kreißig: Die Arbeit der Medienaufsicht müsse sich auf die Lebenswelt der Jugendlichen ausrichten. "Wir sehen, wo sich die Jugendlichen aufhalten und mit welchen Risiken sie dort konfrontiert sind", sagt Kreißig, der auch Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ist. "Aufgrund der veränderten Mediennutzung ist auch die Medienpolitik gefordert, weitere gesetzliche Rahmen zu schaffen, um der Aufsicht zeitgemäße Regulierungsinstrumente an die Hand zu geben."

Marc Jan Eumann, Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK), sieht Studien wie die JIM-Studie als  wesentliche Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen in der heutigen Medienlandschaft. So hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk ja zum Beispiel den Auftrag, alle Gesellschaftsgruppen und Altersklassen anzusprechen - dafür liefere die JIM-Studie wichtige Informationen, sagte etwa die SWR-Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, Stefanie Schneider.

Geräte: kein Haushalt ohne Smartphone

Praktisch Vollabdeckung herrscht in den Haushalten mit Kindern im Alter von 12 bis 19 Jahren, was Smartphones angeht: 99 Prozent haben mindestens eins - von den Jugendlichen selbst besitzen 97 Prozent ein Smartphone (je älter, desto eher). Computer oder Laptop sowie Internetzugang sind praktisch ebenso selbstverständlich (je 98 Prozent) im Haushalt verfügbar. 95 Prozent der Haushalte haben (mindestens) einen Fernseher, 62 Prozent einen internetfähigen. Noch wenig verbreitet in Haushalten mit jugendlichen Bewohnern sind Sprachassistenten (14 Prozent), Radiogeräte mit Internetzugang (19 Prozent) und Wearables (22 Prozent).

Und doch: Unter den Freizeitaktivitäten ohne Medien sind das Treffen von Freunden (71 Prozent) und der Sport (69 Prozent) deutlich vorn (täglich/mehrmals pro Woche), gefolgt von Familienunternehmungen (38 Prozent). Vor zehn Jahren war "Freunde treffen" allerdings noch verbreiteter (88 Prozent) - dafür wurde weniger mit der Familie unternommen (2008: 22 Prozent).

Smartphone (94 Prozent) und Internet (91 Prozent) nutzen täglich mehr als 90 Prozent der Jugendlichen. Und das in Kombination: Gesurft wird praktisch vor allem auf dem Mobilgerät, nämlich von 88 Prozent der Mädchen und 71 Prozent der Jungen. Letztere nutzen deutlich häufiger als Mädchen den PC fürs Internet (21 Prozent vs 1 Prozent), etwa gleich häufig wird per Laptop (6 bzw. 7 Prozent) gesurft. 

Musik hören 84 Prozent täglich, Onlinevideos folgen auf Rang vier (65 Prozent täglich). Ferngesehen wird (unabhängig vom Verbreitungsweg) von nur 42 Prozent jeden Tag.

Für Werbungtreibende: Lieber Instagram als Snapchat

Spannend ist die JIM-Betrachtung der Social-Media-Nutzung von Jugendlichen. Denn sie zeigt nicht nur, dass Instagram innerhalb eines Jahres 10 Prozentpunkte bei der Nutzung zugelegt hat - genauso viel hat Facebook verloren -, sondern auch, wie die 12- bis 19-Jährigen mit den Plattformen umgehen.

Auf Instagram folgen immerhin 33 Prozent Firmen oder Marken mindestens gelegentlich (39 Prozent: nie) - auf Snapchat schauen sich Marken-Snaps gerade mal 8 Prozent häufig oder gelegentlich an, 73 Prozent niemals.

Snapchat (r.) und Instagram werden von den Jugendlichen unterschiedlich genutzt.

Snapchat (r.) und Instagram werden von den Jugendlichen unterschiedlich genutzt.

Die Studienreihe JIM (Jugend, Information, Medien) wird vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest seit 1998 jährlich in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk durchgeführt. Die repräsentative Studie bildet das Medienverhalten der Jugendlichen in Deutschland ab. Für die Befragung wurden 1200 Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren im Frühsommer 2018 telefonisch befragt. Alle Ausgaben der JIM-Studie von 1998 bis 2018 sind als PDF abrufbar.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.