Desaströser Niedergang

Newsquest mit Hauptsitz in London, ein Tochterunternehmen des amerikanischen Medienkonzerns Gannett, gibt rund 165 lokale Tages- und Wochenzeitungen heraus. Doch der Lokalzeitungsmarkt in Großbritannien erlebt seit Jahren einen desaströsen Niedergang. Nur sieben der lokalen britischen Tageszeitungen überspringen überhaupt noch die Marke von mindestens 30.000 verkauften Exemplaren (W&V Online berichtete). Während die Print-Ausgaben damit für die Verlage rapide an Bedeutung verlieren, investieren sie kräftig in ihre Websites. Denn die erreichen teilweise enorme Nutzerzahlen.

Doch mit Pay-Modellen für Online-Content tun sich sämtliche Verlage schwer. Reach, der größte britische Lokalzeitungsverlag mit über 200 Lokal- und Regionalblättern, hat erst vor Kurzem einen Test mit Micro-Zahlungen bei einer seiner lokalen Websites eingestellt. Und der Verlag Archant mit Sitz in Norwich, Herausgeber von mehr als 50 lokalen Tages- und Wochenzeitungen, hat infolge der Coronakrise die Nutzer seiner Websites jetzt um Spenden gebeten.

"Wie Sie wissen, sind wir – genau wie alle anderen in der Branche – weit davon entfernt, ein tragfähiges Modell für digitalen Lokaljournalismus zu haben", schrieb Matt Kelly, Chief Content Officer bei Archant, vor wenigen Wochen in einer Mail an die Mitarbeiter. "Dies ist aber etwas, das wir brauchen, um überhaupt weiter im Geschäft zu bleiben – gerade, wenn unsere Print-Titel aufhören, profitabel zu sein."



Franz Scheele
Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.