Digitale Magazine :
Leserandrang am E-Kiosk: Die Bilanzen von Blendle und Readly

Siebenstellige Nutzerzahlen registrieren sowohl Blendle als auch Readly - beides Anbieter digitaler Kiosks, allerdings mit unterschiedlichen Bezahlmodellen.

Text: Petra Schwegler

Gehört zu den beliebtesten Titeln auf Blendle: "Die Zeit".
Gehört zu den beliebtesten Titeln auf Blendle: "Die Zeit".

Das digitale Lesen kommt an: Sowohl Blendle als auch Readly melden knapp zwei Jahre nach Start großen Leserandrang am E-Kiosk. Für das 2014 in den Niederlanden gegründete Unternehmen Blendle etwa zählt Deutschland-Chef Michäel Jarjour bislang eine Million Nutzer, die sich hierzulande registriert haben. Im Gespräch mit "t3n" betont der Manager, dass allein im ersten Quartal 2016 die Zahl der Nutzer im Vergleich zu den Vormonaten um jeweils 60 Prozent zugelegt hätte.

Vor allem über Blendles E-Mail-Newsletter, der 600.000 Abonnenten zählt, erlebe der digitale Zeitungskiosk ohne Abozwang Zulauf. Und: Jeden Monat lege die Zahl der Abonnenten der Aussendung um gut 15 Prozent zu. Prozentual ließen sich allerdings etwa 70 Prozent der Umsätze auf den Newsletter zurückführen, so der Manager.

Ähnliches berichtet das Team hinter der Magazin-Flatrate Readly. Das aus Schweden stammende Unternehmen zählt im 2. Quartal über eine Million gelesener Ausgaben. Die Plattform für digitales Lesen verdoppele damit die Erfolgszahlen im Vergleich zum letzten Quartal des Vorjahres, heißt es.

Knapp zwei Jahre nach dem Start haben zahlende Nutzer im zweiten Jahresquartal insgesamt über 1,24 Millionen Ausgaben aus dem Angebot der digitalen Magazin-Flatrate für Smartphones, Tablets und PC gelesen. Unter den über 1650 bei Readly verfügbaren Zeitschriften sind derzeit über 330 Titel von 70 deutschen Verlagen in der Flatrate enthalten. Immer wieder wird ausgewertet, welche Titel die Leser bevorzugt auswählen.

Readly startete hierzulande wie Blendle im Herbst 2014 (Motiv: Unternehmen).

Readly startete hierzulande wie Blendle im Herbst 2014 (Motiv: Unternehmen).

Readly bietet für 9,99 Euro im Monat Zugang zu kompletten digitalen Ausgaben der Magazine. Das niederländische Startup Blendle setzt auf ein anderes Bezahlsystem, hat aber ebenfalls das Ziel, seine Nutzer zu einer breiten Auswahl an journalistischen Texten zu führen. Bezahlt wird allerdings pro Artikel. Will man einen Beitrag bei Blendle lesen, sind zwischen 25 und 89 Cent fällig – ein Rückgaberecht bei Nichtgefallen inklusive.

Welches Bezahlmodell auch immer: Die Zahlen zeigen, dass das "Modell Spotify" für die Printbranche durchaus eine Lösung sein kann. Obwohl die beiden E-Kiosk-Varianten seit Herbst 2014 radikal mit den Markenwelten brechen, an denen vor allem die deutschen Verleger so hängen. Sie sind ein Angriff auf das Selbstverständnis der Verlage als bisher alleiniger Kurator der Inhalte.

Blendle und Readly sind dennoch überzeugt, mit ihren Bezahlplattformen deutschen Verlegern helfen zu können, digitale Zielgruppen besser zu erreichen und dazu zu bringen, endlich für Journalismus im Netz zu bezahlen - einfach weil sie konsequent vom digitalen User aus denken.

Übrigens: Immer mehr Verlage arbeiten selbst an Anwendungen, die dem Leser digitale Bouquets bieten sollen. Diese Woche erst wurde bekannt, dass Gruner +Jahr mit Geld aus dem Google-Medienfonds an einer App arbeitet, die Inhalte kuratiert.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.