Das Erste stellt den ganzen Echo in Frage ...

In früheren Jahren war der Echo im Ersten ausgestrahlt worden. Der ARD-Koordinator für Unterhaltung stellte den Musikpreis insgesamt in Frage. Es gebe nur eine sinnvolle Reaktion der Musikindustrie, schrieb Thomas Schreiber in einem Gastbeitrag die Die Welt: "Eine Entschuldigung und die Erkenntnis, dass dieser Echo keine Berechtigung mehr hat: weder inhaltlich noch moralisch." Es habe gleich ein dreifaches Versagen beim Echo Pop 2018 gegeben - "die Nominierung der beiden Ekelrapper Kollegah und Farid Bang, der sinn- und geschmacksfreie Auftritt dieser beiden am Ende der Show, die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen".

Die Rapper waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Empörung gab es auch, weil die Rapper am 12. April geehrt wurden: dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird.

BVMI-Vorstand Drücke machte deutlich, dass der Verband lehne jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ablehne. "Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert."

... ebenso Peter Maffay

Änderungen am Konzept, wie sie der BVMI ankündigt, reichen nicht aus, kritisierte Musiker Peter Maffay. "Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren", schrieb er auf Facebook.

Maffay greift auch Vox scharf an. Der Echo sei zu einem "Vermarktungsmodell des Senders verkommen, diesem Geschäftsmodell sei das Regelwerk angepasst worden. Die Künstler seien nur noch Statisten.

Klaus Voormann und die Gewinner des Echo Klassik 2017 haben ihre Auszeichnung zurückgegeben

Aus Protest gegen die Echo-Vergabe an Kollegah und Farid Bang haben nun Preisträger ihre Trophäe zurückgegeben. Bassist Klaus Voormann, vorigen Donnerstag für sein Lebenswerk geehrt, erklärte laut Spiegel seine "große Enttäuschung". Der Musiker, der mit Stars wie John Lennon und Manfred Mann zusammengearbeitet hat, habe sich mit der Entscheidung bewusst Zeit gelassen, erst die Texte des umstrittenen Albums von Farid Bang und Kollegah gelesen. Mit der Rückgabe des Preises wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen."

Bis vor kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, schrieb das Notos Quartett aus Berlin auf Facebook. Dass der nun Rassismus toleriere, finden die Musiker, die im Oktober 2017 den Echo bekamen, nicht tragbar, heißt es weiter. Sie bezeichneten den Echo auf ihrem Profil als "Symbol der Schande".

Das Notos Quartett war im Oktober als Nachwuchskünstler des Jahres mit dem Echo Klassik geehrt worden.

Rap auf dem Index

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) erklärte, das Album der Rapper stehe bei dem Sender auf dem Index. Demnach wird in den WDR-Radioprogrammen - auch im Jugendradio 1 Live - keine Musik daraus gespielt. Dies habe schon vor der Echo-Verleihung gegolten, sagte eine WDR-Sprecherin.

Beim Südwestrundfunk (SWR) hält man es genauso. Beim Jugendsender Dasding, der von der Musikrichtung her infrage gekommen wäre, laufe das Album generell nicht, sagte ein Sprecher. "Weil es von den inhaltlichen Aussagen nicht tragbar ist." (dpa/epd/W&V)


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W&V Redaktion
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