Interview mit Vincent Kittmann :
OMR: Mehr Podcast-Umsatz als für den gesamten Markt prognostiziert

Das Podcast-Geschäft der Online Marketing Rockstars gilt als Vorbild für die ganze Branche. W&V hat mit dem Mann gesprochen, der es verantwortet: Ex-Basketball-Star Vincent Kittmann.

Text: Frank Zimmer

Vincent Kittmann ist Head of Podstars bei den OMR.
Vincent Kittmann ist Head of Podstars bei den OMR.

Vincent, im Mai sah der Radiovermarkter RMS das Vermarktungspotenzial für Podcasts in Deutschland bei 700.000 Euro jährlich. Wie viel davon landet dieses Jahr  bei der OMR?

Die Einschätzung fand ich etwas überraschend. Weil Podstars by OMR nicht komplett eigenständig ist, können wir unsere Umsatzzahlen nicht offenlegen. Ich kann aber mit Sicherheit sagen, dass wir zusammen mit unseren Podcastpartnern einen deutlich höheren Umsatz erwirtschaften werden als von der RMS für den gesamten Markt vermutet.

OMR war beim aktuellen Podcast-Boom von Anfang an ganz vorne dabei. Wie viele eigene Formate habt ihr momentan auf dem Markt und wie viele vermarktet ihr für externe Partner?

Aktuell sind 11 Formate öffentlich, dazu kommen noch ein paar interne Podcasts. Das größte Projekt ist aktuell Joko & Paul. Insgesamt vermarkten wir 20 Formate regelmäßig. Manchmal wünschen sich Kunden noch mehr, darum haben wir ein erweitertes Netzwerk mit zusätzlichen Podcasts aufgebaut. Auf diese Weise haben wir schon Werbung in über 60 verschiedene Formate gebracht.

In den USA fahren einige Player ihre Podcast-Engagements schon wieder runter, und in W&V hat der Podcaster Alex Wunschel gerade kritisiert, dass der Markt mit zu vielen schlechten Formaten verstopft wird. Wie siehst du das?

In den USA wird nicht nur abgebaut, sondern auch investiert. Gerade gestern hat Vox Media angekündigt, den Podcast-Output zu verdoppeln.

Mehr Quantität muss nicht unbedingt mehr vermarktbare Qualität bedeuten.

Ich glaube, dass die Content-Qualität insgesamt zunimmt und dass immer professionellere Formate hinzukommen. Viele Publisher springen auf die Podcast-Welle auf, egal ob Handelsblatt, Bild, Gabor Steingart, FAZ und - schon länger - Spiegel und Zeit. Und alle produzieren sie gute Formate. Schlechte Produktionen sehe ich wenige, aber es gibt natürlich Formate, die nur in einer bestimmten Nische relevant sind.

Podcast-Skeptiker wie Nico Lumma würden sagen: Wer soll das alles hören?

Ich weiß. Mit Nico Lumma bin ich mal seinen kompletten Tagesablauf durchgegangen. Er ist vermutlich der einzige Mensch, der keine Zeit findet, Podcasts zu hören. Ingsgesamt steigt der Medienkonsum und Smart Speaker machen es noch einfacher. Man muss ja auch nicht alles hören! Ich glaube, dass es für jeden ein Format gibt, das ihn jede Woche bereichern kann. Egal, ob es fest oder flauschig ist, also etwas Lustiges oder ein Business-Format.

Fehlen dem Markt noch mehr reichweitenstarke Leuchtturmprojekte? Ihr versucht es mit Joko & Paul, aber der erste Versuch 2017 hat nicht so recht gezündet. Jetzt.de schrieb damals: "Der Podcast beginnt reichlich langweilig und steigert sich daraufhin ins bodenlos Uninteressante." Was wird jetzt anders?

Der Podcast hatte um die 250.000 Aufrufe pro Folge. Joko und Paul haben uns gesagt, dass sie seitdem täglich auf Instagram gefragt werden, wann es endlich weitergeht. Solche Leuchtturmprojekte helfen auf jeden Fall. Also gerne mehr davon!


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.