gfu ermittelt :
Smart TV und Streaming machen Zuschauer zu Programmchefs

Die neue Unabhängigkeit von festen TV-Sendezeiten wird vom Publikum mit wachsendem Interesse genutzt, so eine Studie der gfu.

Text: W&V Redaktion

Fernbedienung und Smartphone ermöglichen einen zunehmend individuellen Programmablauf im TV.
Fernbedienung und Smartphone ermöglichen einen zunehmend individuellen Programmablauf im TV.

Feste Sendezeiten im TV gehören für immer mehr Zuschauer schon fast der Vergangenheit an. Diese sehen laut einer Studie der Branchengesellschaft gfu zunehmend unabhängig vom Programmablauf der Sender fern.

Befeuert werde die Entwicklung auch durch das wachsende Angebot von Streaming-Diensten, berichtet die gfu. Die Branchengesellschaft veröffentlicht die Ergebnisse der repräsentativen Studie im Vorfeld der IFA, die am 31. August in Berlin beginnt.

Bereits 43 Prozent der Befragten bestimmen demnach selbst, wann sie eine Sendung schauen. Der Trend werde vor allem von der Altersklasse der 16- bis 39-Jährigen geprägt, sagt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu, der dpa. Die Zeitautonomie sowie die Popularität von Serien, die gern in einem Stück gesehen werden, seien dabei entscheidende Faktoren.

Was abgerufen wird

Erstmals liegt den Ergebnissen zufolge die Nutzung von Video on Demand vor den Angeboten aus den Mediatheken. Dabei seien Mediatheken über viele Jahre die meist genutzten Inhalte gewesen, sagt Kamp. Aktuell haben nun die VoD-Dienste mit 63 Prozent gegenüber 52 Prozent bei den Mediatheken die Nase vorn.

Bei den Streaming-Anbietern rangiere in Deutschland dabei Amazon Prime mit 74 Prozent auf dem Spitzenplatz, gefolgt von Netflix (58 Prozent) und Google Play (27 Prozent). Der einzige deutsche Anbieter Maxdome kommt der gfu zufolge mit 15 Prozent auf Platz sechs. Vor zwei Jahren noch sei das Verhältnis relativ ausgeglichen gewesen, so Kamp.

Als wichtigstes Ausgabegerät wird das klassische TV-Gerät langsam von mobilen Bildschirmen verdrängt. Vor allem die junge Generation bevorzugt zum Video-Schauen das Smartphone (62 Prozent) und den PC oder Laptop (50 Prozent). Bei den Zuschauern über 60 Jahre liegen dagegen das TV-Gerät und das Tablet vorn mit jeweils 46 Prozent.

Wie sich der Verkauf von Geräten entwickelt

Das Geschäft mit TV-Geräten wird laut Kamp weiter von hohen Bildauflösungen in Ultra-HD angetrieben. Ultra-HD sei bei den Konsumenten zu einem der wichtigste Kaufkriterien geworden, sagte Kamp. Bereits 80 Prozent des Umsatzes der Hersteller werden mit Ultra-HD-Fernsehern gemacht. Zum Standard ist inzwischen das Smart-TV geworden. Solche Geräte mit Verbindung zum Internet stehen in fast jedem zweiten Haushalt (46 Prozent der Befragten). Und auch die Nutzung ist gestiegen, von 53 Prozent im Jahr 2016 auf 61 Prozent in diesem Jahr.

Laut der jüngsten Zahlen aus dem von der gfu im Mai veröffentlichten Hemix-Index war zuletzt im ersten Quartal des Jahres der Umsatz mit TV-Geräten mit einer Milliarde Euro um 8,4 Prozent zurückgegangen, die verkauften Stückzahlen sackten um 14,3 Prozent auf 1,6 Millionen Geräte ein.

Aktuell entwickle sich das Geschäft mit TV-Geräten weiter leicht negativ, sagt Mike Henkelmann, Manager von Samsung Deutschland. Vor allem das frühzeitige Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM habe deutlich geringere Verkäufe bedingt als zuvor erwartet. Traditionell gehen die Verkäufe von TV-Geräten nicht nur vor, sondern auch während solcher sportlicher Großereignisse in die Höhe.

Gut entwickle sich allerdings der Markt im Premium-Bereich, der bei Samsung einen signifikanten Anteil darstelle, sagt Henkelmann. Darunter: das Vorzeige-Modell "The Frame" in der Version 2.0, ein Gerät, das wie ein Bild an der Wand hängt und ausgeschaltet Kunstwerke darstellen kann.

W&V Online/dpa


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