Audiomarkt wird zunehmend interessanter für Internetkonzerne

Die Präsenz im Netz ist heute und in Zukunft wichtig für die Sender. Schließlich drängen die Internetkonzerne in den Audiomarkt und wollen sich zunehmend ihren Anteil sichern. Robert Richter von Google begründet das mit dem Trend im Nutzerverhalten in Richtung Sprache. "Das macht  Audio für uns interessant“, so Richter. Noch bietet das Unternehmen  keinen eigenen Content, sondern arbeitet mit Medienmarken bei der Entwicklung von Formaten zusammen. „Wir stellen bisher die Technologie", sagt Richter.

Auch Spotify kooperiert mit den Radiosendern. Die meisten sind über den Streamingdienst abrufbar. "Wir wollen Spotify nicht unser Tafelsilber geben, aber um die junge Zielgruppe zu erreichen ist die Kooperation wichtig", so Schmich.

Noch sind die Audioinhalte also Radiosache. Nur wie lange? Um der Fragmentierung am Markt entgegen zu halten, plädiert Antenne-Bayern-Managerin Ina Tenz für eine Konsolidierung der einzelnen Sender bei der Content-Produktion – zumindest der privaten Radiomacher. "Es gibt keine zwei Seiten, nur Audio und Radio", sagt Sven Bieber, Vermarktungschef Spotify. Hier gelte es Barrieren abzubauen und Mehrwert zu schaffen. Die aktuellen Audiothemen sind für ihn Konnektivität, Vereinfachung und Steigerung der Nutzung.

Die Internetriesen sind wachsende Konkurrenz, aber sie sorgen auch für eine Markterweiterung. Beispiel Sprachassistenten. Für Bieber ein dritter neuer Player neben Radio und Audio. Und tatsächlich ein wichtiger Treiber. 10.000 Menschen hören bereits über Alexa täglich Antenne Bayern, sagt Tenz. "Wir umarmen die neuen Möglichkeiten."  Das führe zu neuen Formaten im Programm und in der Vermarktung.

Wie es um das Lokalradio steht

Apropos Barrieren abbauen und Mehrwert schaffen: Hierin sieht auch Markus Blume, medienpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag eine Lösung für eine künftig noch angespanntere finanzielle Lage des Lokalfunks in Bayern, wie es eine Schickler-Studie im Auftrag der Vereinigung bayerischer Rundfunkanbieter (VBRA) vorhersieht. Auf dem Medientage-Panel "Hörfunk 2022 in Bayern" präsentiert, skizziert das Werk für die privaten Radiosender in Bayern einen drastischen Hörerverlust um etwa die Hälfte.

"Marktanteile und Reichweiten verschieben sich deutlich zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk", heißt es in der Prognose. Hauptgrund dafür sei, dass der BR seine bisher digital verbreitete Jugendwelle Puls ab 2018 auf der bisherigen UKW-Frequenz von BR-Klassik ausstrahlen will. Die Reichweite des privaten Hörfunks werde dadurch bis 2022 etwa halbiert. 

"Ich glaube nicht, dass der Bayerische Rundfunk die Bedrohung der Lokalradios ist", entgegnete der BR-Hörfunkdirektor Martin Wagner. "Im Lokalen sind wir nicht tätig." Die eigentliche Bedrohung für öffentlich-rechtliche wie für private Radios bestehe darin, dass sich die Hörer ihre Informationen auch von Google, Facebook & Co. holen können. Die Sender sollten sich gemeinsam dagegen wappnen.

Antenne-Bayern-Chef Karlheinz Hörhammer kündigte dennoch an, weiter rechtlich gegen den BR-Frequenztausch zu kämpfen, und griff einen Schickler-Vorschlag auf: Der BR sollte sich nach dem Vorbild des NDR auf eine Stunde Werbung am Tag mit einer werbeführenden Welle beschränken. Dies wäre "eine optimale Lösung", sagte Hörhammer. CSU-Mann Blume gab allerdings zu bedenken, welche Folgen eine solche Werbezeitbeschränkung hätte: Der Rundfunkbeitrag würde voraussichtlich weiter steigen.

ko/ps


Autor:

Katrin Otto
Katrin Otto

ist Redakteurin im Medienressort. Sie schreibt über Radio, Außenwerbung, Kino und Film und freut sich über Empfehlungen für die Bücherseite. Wenn sie nicht in der Redaktion ist, ist sie auf Konzerten, im Kino oder im Wasser.