Streaming-Studie:
Sportfans erwarten stärkere Personalisierung

Abonnenten von Sport-Videostreamingdiensten sind durchaus bereit, mehr für ein solches Angebot zu zahlen. Allerdings nur, wenn dabei ihre individuellen Präferenzen besser bedient werden.

Text: Franz Scheele

Der Sport-Streamingdienst Dazn punktet in Deutschland mit Live-Berichten in zahlreichen Sportarten.
Der Sport-Streamingdienst Dazn punktet in Deutschland mit Live-Berichten in zahlreichen Sportarten.

Einen besseren Zugang zu ihren Lieblingsligen und -vereinen, mehr Flexibilität und eine stärkere Personalisierung – dies sind die Ansprüche, die Sportfans an Streamingdienste haben. Werden diese Kriterien tatsächlich erfüllt, sind sie bereit, sogar höhere Gebühren dafür zu zahlen.

Dies ist das Ergebnis der Studie "Viewing Shifts: How We Watch Sport" von Verizon Media, der New Yorker Internet- und Technologie-Tochter von Verizon Communications, für die mehr als 5000 Sportfans befragt wurden, davon 1003 in Deutschland, 1015 in Großbritannien und jeweils 1000 in den USA, Frankreich und den Niederlanden.

Danach erklärten 63 Prozent der Befragten, dass sie für Streamingdienste im Sportbereich bezahlen würden oder, falls sie bereits Abonnenten eines solchen Dienstes sind, mehr als bisher zahlen würden, wenn dabei eine umfassende Berichterstattung über ihre Lieblingsliga oder ihren Lieblingsverein angeboten würde. Allerdings sagten lediglich 47 Prozent der Befragten, die bereits einen Sport-Streamingdienst abonniert haben, dass dies schon tatsächlich der Fall sei.

In dieser Differenz sieht Verizon Media die große Chance für das weitere Wachstum beim Sport-Streaming. Das Problem: Die Kosten für die Streaming-Rechte sind bei den populärsten Sportarten wie etwa Fußball in den vergangenen Jahren derart gestiegen, dass einzelne Streamingdienste lediglich die Lizenzrechte für begrenzte Pakete erwerben können. So hat beispielsweise Amazon Prime Video nur die Rechte für 20 Live-Streamings von Spielen der englischen Premier League erworben – und dies auch nur für den britischen Markt.

Zusätzliche Features gewünscht

Rund die Hälfte der Sportfans (51 Prozent) gab an, dass sie einen Streamingdienst abonniert haben, weil sie hier Berichte über eine Sportart finden, die sie über andere Medienkanäle nicht empfangen können. 39 Prozent der Befragten haben sich für einen Streamingdienst entschieden, weil sie auf diese Weise die Sportberichte auch über ihr Smartphone verfolgen können, und für 32 Prozent war die hohe Übertragungsqualität des digitalen Videoformats Ultra High Definition für das Abonnement mit ausschlaggebend. Für 37 Prozent war außerdem entscheidend, dass ihr Streaming-Abo deutlich preisgünstiger ist als ein vergleichbares Pay-TV-Angebot.

Allerdings haben mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Sportfans auch schon mal ein Streaming-Abonnement wieder gekündigt. Als Gründe hierfür nannten 45 Prozent die Gebührenhöhe, 23 Prozent die fehlende Berichterstattung über ihre Lieblings-Teams, 19 Prozent die zeitliche Verzögerung gegenüber der Live-Berichterstattung und 15 Prozent Probleme mit der umständlichen Bedienoberfläche.

Etwa ein Drittel der Befragten hat zudem spezifische Wünsche für die Sportberichterstattung. So würden 35 Prozent die Möglichkeit begrüßen, wenn sie als Nutzer selbst einzelne Szenen beispielweise in Zeitlupe wiederholen könnten. Jeweils 30 Prozent sprachen sich für Wechselmöglichkeiten bei den Kameraperspektiven aus, für eine zeitversetzte Nutzung sowie für die Möglichkeit, Werbung zu überspringen.

Amazon Prime Video hatte im vergangenen Dezember bei den Live-Streamings der Premier League bereits mit ähnlichen Features experimentiert. So konnten die britischen Amazon-Abonnenten unter anderem zwischen der Live-Kommentierung und einem reinen Stadion-Ton wechseln, ein Feature, das bei den Fans besonders gut ankam. Darüber hinaus konnten die Nutzer am rechten Bildschirmrand Live-Statistiken zu den Spielen abrufen.



Franz Scheele
Autor: Franz Scheele

Schreibt als freier Autor für W&V Online. Unverbesserlich anglo- und amerikanophil interessieren ihn besonders die aktuellen und langfristigen Entwicklungen in den Medien- und Digitalmärkten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.


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