Unterlagen aus dem Jahr 2016 sollen darüber hinaus belegen, dass Amazon-Mitarbeiter, die für Eigenmarken verantwortlich waren, Partnerschaften zu den Herstellern suchten, die die Originalprodukte produzierten. So wollten sie von den "einzigartigen Prozessen profitieren, die die Endqualität des Produkts beeinflussen. In einem internen Dokument mit der Aufschrift "India Private Brands Program" wurde dieses Wissen als "Tribal Knowledge" bezeichnet.

Die Enthüllung steht in eklatantem Widerspruch zu einer eidesstattlichen Aussage von Amazon-Gründer Jeff Bezos vor dem US-Kongress im Jahr 2020. Damals beteuerte Bezos, dass es Mitarbeitern verboten sei, die Daten einzelner Verkäufer zu nutzen, um das Eigenmarkengeschäft zu fördern. 

Amazon bestreitet die Vorwürfe

Die von Reuters eingesehenen internen Dokumente zeigen jedoch zum ersten Mal, dass zumindest in Indien die Manipulation von Suchergebnissen zugunsten von Amazons eigenen Produkten sowie das Kopieren von Waren anderer Verkäufer Teil einer offiziellen, geheimen Strategie bei Amazon waren - und dass hochrangige Führungskräfte darüber informiert waren. Die Dokumente zeigen, dass zwei Führungskräfte die Indien-Strategie überprüften - Senior Vice President Diego Piacentini, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat, und Russell Grandinetti, der derzeit das internationale Verbrauchergeschäft von Amazon leitet.

In einer schriftlichen Antwort auf Fragen für diesen Bericht, sagte Amazon: "Da Reuters uns die Dokumente oder deren Herkunft nicht mitgeteilt hat, können wir den Wahrheitsgehalt der Informationen und Behauptungen nicht bestätigen. Wir glauben, dass diese Behauptungen sachlich falsch und unbegründet sind." 



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Autor: W&V Redaktion

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