Zusammen mit den Löwen der Experience-Kategorien ergibt sich für Mittwoch folgender Medaillenspiegel. Insgesamt kommt Deutschland auf 29 Löwen, 1 Grand Prix, 6 Gold, elf Silber und elf Bronze.

Purpose als Business-Case

Spannender Trend in der Disziplin: Purpose rules, allerdings nicht im Sinne von Greenwashing oder "Wir malen unser Logo für den Pride Month bunt", sondern als Business-Case. Kreation kann und soll Probleme lösen, Aufgabenstellungen, vor denen Unternehmen stehen, zum Beispiel, aber auch ganze Staaten, Gesellschaften oder die Umwelt. Wo das geschieht, darf es nicht als PR-Stunt stehen bleiben, sondern muss das Business-Problem lösen und etwas für die Marke tun. Arbeiten mit Anliegen glänzen in Cannes 2022 mit einer ganz neuen Qualität.

Das zeigt sich exemplarisch bei den Grands Prix der Strategy-Kategorien:

Creative Effectiveness

Mit "Contract for Change" hat sich Anheuser-Busch InBev verpflichtet, Farmern in den USA (Agentur: FCB Chicago/New York) bei Abnahme für ihr Getreide 25 Prozent mehr zu bezahlen, um ihnen die Umstellung auf biologische Landwirtschaft zu ermöglichen - und das auf mehrere Jahre. Mit der Ernte braut Anheuser-Busch InBev dann das Bier Michelob. Die Aktion brachte nicht nur mehr Artenvielfalt, sondern auch mehr Umsatz für Bauern und Brauer. Die Aktion wurde zur Bewegung.

Creative Strategy

Blicken wir noch nach Belgien: Dort hat der französische Sporthändler Decathlon (Agentur: BBDO) ein Gefängnis mit Equipment für ein eCycling-Team ausgestattet. Die Verurteilten konnten so, von der Anonymität geschützt, mit Teams in der Außenwelt um die Wette strampeln.

Eine Form der Inklusion, sagt Jury-Präsidentin Chrissie Hanson, Global Chief Strategy Officer von OMD, die ihre Jury begeistert hat. "Ich komme aus den USA", sagt die Strategin. Dort sei eine solche Aktion undenkbar. In Belgien dagegen hat der Justizminister das Programm auf sämtliche Gefängnisse des Landes ausgedehnt. So geht Resozialisierung.

Die Gewinner sämtlicher Kategorien wurden am Mittwochabend im Palais des Festivals vergeben.


Conrad Breyer, W&V
Autor: Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er interessiert sich für alles, was Werber:innen unter den Nägeln brennt. Seine Schwerpunktthemen sind Agenturstrategie, Kreation und UX. Privat engagiert er sich für LGBTQI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.