"In der Pandemie haben alle gedacht, dass es total abgehen würde, wenn man die Tore wieder aufschließen darf. Das ist aber nur in Teilen eingetreten", ergänzt Frehn Hawel von der Karsten Jahnke Konzertdirektion in Hamburg. "Es ist im Moment eine schwierige Gemengelage. Corona ist noch nicht wirklich vorbei. Die Spätfolgen treffen auf die Teuerungen und den Krieg. Und das löst eine Unsicherheit auf zu vielen Seiten aus."

Der Vorverkauf laufe bei vielen Musikerinnen, Musikern und Bands deutlich schlechter an, als die Branche das üblicherweise gewöhnt sei. "Vieles versandet bei einer 20-Prozent-Marke, die Leute kaufen teilweise kurzfristiger. Aber du weißt auch nicht, ob sie es tun. Das macht die Planungen einer Europatour für viele Acts extrem schwierig", sagte Hawel dazu. Bei halbvollen Hallen werden die Veranstaltungen häufig abgesagt. Für Bands, die sich ihr Publikum über Live-Auftritte erst noch erspielen müssen, ist das ein Schlag ins Kontor. Denn sie sind auf die Einnahmen durch die Touren angewiesen.  

Personal verzeifelt gesucht

Zusätzlich bremst der Personalmangel die Branche. So würden sogar ausverkaufte Konzerte abgesagt, weil mittlerweile schlicht Personal fehle, sagte die Hamburger Musikmanagerin Salome Agyekum. Viele vor, auf und hinter der Bühne arbeitende Männer und Frauen hatten sich aufgrund der coronabedingten Unwägbarkeiten neue Jobs gesucht. "Die meisten Leute kommen nicht mehr zurück", sagte Agyekum. Sie hat deshalb vor wenigen Tagen in Hamburg das kostenlose Streaming-Benefiz-Konzert "All Hands on Deck" mitorganisiert, um die Lücken aufzuzeigen. Stars wie Clueso, Zoe Wees, Alvaro Soler, Jeanette Biedermann, Beatrice Egli und Lina nutzten ihre Auftritte, um auf den enormen Nachwuchsmangel in der Branche aufmerksam zu machen. Musikbegeisterte mit Lust auf diesen Job seien deshalb dringend gesucht. (dpa)


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Autor: W&V Redaktion

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