Im Vergleich zur allgemeinen erwerbstätigen Bevölkerung ist die Wahrscheinlichkeit, dass kreative Talente mit ihrer Work-Life-Balance heutzutage unzufrieden sind und sich ausgebrannt fühlen, deutlich höher. Persönliche Grenzen, psychische Gesundheit und das Gefühl der Stabilität erweisen sich als die wichtigsten und am meisten vernachlässigten Bedürfnisse der Kreativen.

"Die Ergebnisse der Studie sollten ein Weckruf sein", so Guerrier. "Unsere Talente verlangen von uns, dass wir ihre Zeit und ihren geistigen Freiraum respektieren, dass wir ihnen finanzielle Stabilität bieten und dass wir ihnen eine besseren Arbeitsalltag ermöglichen. Als Branche neigen wir dazu, Kreativität als Ausrede zu benutzen, als ob die Arbeit in einem kreativen Bereich Belohnung genug wäre, um auf so banale Dinge wie Jahresgespräche, Karriereausichten, funktionierende Prozesse und faire Bezahlung zu verzichten", so Guerrier.

Besonders nervig: Genehmigungen, Aufgabenmanagement und tägliche Fahrten 

Obwohl sich Angestellte aller Fachrichtungen über diese Faktoren einig sind, spielen sie für Kreative eine deutlich größere Rolle, sagt TBWA: So stimmen 63 Prozent der Kreativen der Bedeutung einer gesunden Work-Life-Balance voll und ganz zu - im Vergleich zu 44 Prozent in der allgemeinen Bevölkerungsstichprobe. Laut Williams tun die Unternehmen auch zu wenig, um ihren Mitarbeitenden den Arbeitsalltag zu erleichtern. Gerade Kreative empfinden den "Alltagstrott" aus Genehmigungen, Aufgabenmanagement oder täglichen Fahrten als störend für ihren Arbeitsfluss.

Die Autor:innen der Studie schlagen daher vor, dass Agenturen hemmende und hindernde Elemente identifizieren und nach Möglichkeit reduzieren oder beseitigen. Sie argumentieren auch, dass Arbeitgeber von ihrem hohen Ross herunterkommen sollen und weniger über einen übergeordneten Arbeitsethos sprechen, sondern pragmatischen Themen wie Jahresgespräche, Wachstumspläne und Vergütung mehr Raum geben sollten.

"Wir beobachten, dass unsere Talente immer mehr um Einhaltung ihrer Grenzen, Hilfe bei der Erreichung ihrer Ziele und Unterstützung für ihr psychisches Wohlbefinden bitten", so Williams. "Sie wissen genau, was sie brauchen, und wir müssen es ihnen nur geben."


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Autor: Marina Rößer

hat lange in einem Start-Up gearbeitet, selbst eines gegründet und schreibt für W&V derzeit als Digital Nomad von überall aus der Welt. Sie liebt alles Digitale, gestaltet, fotografiert und kocht aber auch gerne.