Kreativfestival :
Cannes-Jurys sichten deutlich weniger Arbeiten

Die Auswirkungen der Reform sind spürbar: Die Zahl der Einreichungen beim Cannes-Festival ist drastisch zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind die Neuerungen bei den Kategorien - und Publicis. 

Text: Frauke Schobelt

Beim größten Werbefestival der Welt soll dieses Jahr alles anders werden.
Beim größten Werbefestival der Welt soll dieses Jahr alles anders werden.

Die Reform des Cannes Lions International Festival of Creativity und die Award-Pause von Publicis machen sich bei der Zahl der diesjährigen Einreichungen deutlich bemerkbar. 32.372 Einreichungen aus 90 Ländern für 26 Kategorien meldet das größte Werbefestival für 2018, rund 21 Prozent weniger als im Vorjahr. Da waren es 41.170 Arbeiten. Und 2016 sogar noch 43.101. Die Jurys begutachten 2018 also fast 10.700 Arbeiten weniger als noch vor zwei Jahren. 

Zu lang, viel zu teuer, zu unübersichtlich, kaum Nutzwert: Im vergangenen Sommer hatte es beim Cannes-Festival Kritik gehagelt. Cannes reagierte auf die Debattte, straffte die Sub-Kategorien und schaffte die Lions für Cyber, Integrated und Promo & Activation ab. "Letztes Jahr haben wir die Entscheidung getroffen, den Reset-Knopf bei den Cannes Lions zu drücken", sagt Philip Thomas, neuer CEO der Cannes Lions. "Wir haben drei große Lion Awards geschlossen und viele Unterkategorien entfernt und kombiniert. Wir wussten, dass dies eine geringere Anzahl von Einreichungen bedeuten würde, aber es war die richtige Entscheidung auf lange Sicht." Schätzungsweise 13 Prozent weniger Arbeiten seien aufgrund der Umstellung eingegangen, schätzt die Festival-Leitung.  

Kunden reichen Publicis-Arbeiten ein

Auch die einjährige Award-Pause von Publicis wirke sich deutlich aus, so Thomas, auch wenn die Werbeholding trotzdem mit zahlreichen Arbeiten im Rennen ist. Beim Cannes-Festival 2017 hatte Holding-Chef Arthour Sadoun zur Überraschung der Branche den kompletten Boykott von Branchenfestivals und Kreativawards angekündigt. Das so eingesparte Geld sollte stattdessen in die Publicis-Plattform Marcel  fließen. Ganz Publicis-frei wird das diesjährige Kreativfestival jedoch nicht sein, denn Geschäftspartner und Kunden haben 339 Arbeiten auf eigene Kosten eingereicht. Dazu Thomas: "Dies zeigt, wie leidenschaftlich sie über die Bedeutung von Kreativität in ihrem Unternehmen denken. Aber offensichtlich hat sich die vorübergehende Entscheidung von Publicis, zurückzutreten, ausgewirkt, und wir rechnen mit einem Rückgang der Einreichungen um 8 Prozent." 

Deutlich zugenommen hätte dagegen die Zahl der Einreichungen direkt von Marken und von Vermarktern und Medien. Für Jose Papa, Managing Director der Cannes Lions, ein Beleg für das "gestiegene Verständnis der Marketingleiter für den Wert von Kreativität für ihr Geschäft und den ROI".

Zwei neue Lions hat Cannes im Programm: Creative E-Commerce und The Sustainable Development Goals. Zusammen kommen sie auf 1166 Einreichungen. Drei Lions wurden neu kreiert aus bisherigen Sub-Kategorien: Social & Influencer (aus Cyber), Industry Craft (Outdoor, Design, Print & Publishing) sowie Brand Experience & Activation (aus Promo & Activation). Für sie wurden insgesamt 6082 Arbeiten eingereicht. Insgesamt werden in 26 Kategorien Lions vergeben.

Live-Blog der W&V aus Cannes

Die ersten Jurys haben in Cannes bereits mit ihrer Arbeit begonnen. Vom Cannes-Festival an der Côte d’Azur, das am 18. Juni beginnt, berichten die W&V-Autoren Daniela Strasser und Conrad Breyer im Live-Blog. Als Videoblogger ist Mirko Kaminski für W&V vor Ort. Im Live-Blog finden Sie aktuelle Shortlists, Bilder, Videos, Gewinner, Trends und den Social-Media-Feed. 

Den "neuen" Cannes Lions 2018 widmet sich außerdem die Titelgeschichte der aktuellen W&V, die am 18. Juni erscheint: Cannes übt den Kopfstand - Beim größten Werbefestival der Welt soll dieses Jahr alles anders werden: Juryverfahren, Kategorien, Programm. Am Gelingen der Kehrtwende zweifeln indes viele. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.