Dieser Artikel entsteht auf meinem Smartphone. Denn das lag in dieser Nacht zum Glück auf meinem Nachttisch.

Einbruch trotz Sicherheitsvorkehrungen

"Habt ihr nicht abgesperrt?", "Wie sind die reingekommen?", „Waren eure Sachen nicht im Safe?” Viele Fragen sind uns seit dem Vorfall vor zwei Tagen immer wieder gestellt worden. Mit Recht. Doch natürlich war alles abgesperrt. Jeden Abend vor dem Schlafengehen haben immer mindestens zwei Kollegen - insbesondere in dem Wissen, dass so etwas hier durchaus passieren kann - eine Runde durch das Haus gedreht und alle Türen und Fenster überprüft.

Alles safe. Nur eben leider nicht im Safe, denn ja: wir wähnten unser Equipment in Sicherheit, wenn wir zu Hause waren. Zugegeben: Das war dann wohl doch zu kurz gedacht. 

Polizei und Hausverwaltung: überfragt

Die Polizei, die übrigens mit ca. drei Stunden Verspätung (hier bekannt als “just now”) eintraf und den Fall handschriftlich und in nicht unbedingt größter Eile aufnahm, konnte sich nicht erklären, wie es möglich war, ins Haus zu gelangen. Die Hausverwaltung zeigte sich mehr als betroffen und schickte ebenfalls jemanden vorbei.

Doch auch das änderte nichts daran, dass wir nun bis auf Weiteres arbeitsunfähig und natürlich auch zutiefst erschüttert waren, dass wir, während wir schliefen, ausgeraubt wurden.

Womit (wirklich) alles steht und fällt: Dein Rechner 

Die ersten Tage hier in Kapstadt haben uns gezeigt: nichts ist wichtiger für einen funktionierenden Remote-Agenturbetrieb als das Internet. Doch bereits eine Woche später sollten wir eines (noch) Besseren belehrt werden: Noch viel wichtiger ist Dein Rechner. Ja, schon logisch. Aber man möchte doch auch nicht direkt mit dem worst case rechnen.

Die Basis des Popup Office - und jeder anderen Form von New Work oder des digitalen Nomadentums - ist natürlich, dass man arbeitsfähig ist - ganz gleich an welchem Ort. Und arbeitsfähig heißt in dem Fall direkt übersetzt: ein Arbeitsgerät zu besitzen. Ein Smartphone reicht für die meisten einfach (noch?) nicht.

Fakt ist jedoch: wir hatten plötzlich fünf Computer weniger. Darunter ein PC und vier MacBooks. Und auch die Kamera, die für die Dokumentation unserer Workation essenziell ist und auch - viel schlimmer - das gesamte (auch gesicherte) Material - der ersten Woche: weg. Nichts in der Cloud? Nein - denn wie die Ironie des Schicksals es so wollte, reichte das Internet noch nicht aus für diese Datenmengen. Der Upload des Materials sollte heute geschehen, wenn die bessere Internetverbindung da ist. Und jetzt? 

Das Motto: aufstehen, Krönchen richten

Mal abgesehen vom materiellen Verlust mussten wir uns nun ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie sicher wir uns im angemieteten Haus noch fühlen. Denn das höchste Gebot ist - und das ist auch Ansage von "zu Hause": die Sicherheit geht immer vor.

Nachdem wir den ersten Schock also verdaut und die ersten dringenden Anrufe erledigt hatten, drehten wir uns nun um die Frage: Abbrechen oder nicht unterkriegen lassen? Bei einem gemeinsamen Mittagessen fiel dann einstimmig die Entscheidung: wir machen weiter. Denn das ist doch letztlich das, worum es bei unserem Experiment geht: Flexibel bleiben, umdenken und vor allem: Improvisieren. Wieder einmal.

Back to work - nur eine Frage der Zeit

Zwei Faktoren beschäftigten uns also für den Rest des Tages: Ziehen wir um? In ein Haus mit höheren Sicherheitsstandards? Und wo bekommen wir so schnell es geht neue Rechner und eine Kamera her? Klar, leihen, klar, kaufen. Wir sind ja in einer Großstadt. Doch ist das a) trotz der hiesigen Werber-Szene nicht ganz so einfach wie gedacht und b) im laufenden Agenturbetrieb mit Präsentationen, Calls und Deadlines eine echte Herausforderung.

In einer Sache jedoch hatten wir großes Glück: die Vermietungsfirma, über die wir den "Tatort" angemietet hatten, machte uns als Entschuldigung für den entstandenen Schaden ein (sehr) großes Zugeständnis, denn im Laufe des Tages stellte sich heraus: es gab durchaus eine Sicherheitslücke - ein Fenster, das sich nicht ganz schließen ließ, über das jedoch niemand Bescheid wusste - außer offenbar unsere Diebe. 

Ein kostenloses Upgrade - auch für die Stimmung 

Wie das Zugeständnis aussah? Es handelt sich in erster Linie um ein sichereres Haus. Das hatte - auch wenn man es beim Anblick unserer neuen Location kaum glauben mag - die höchste Priorität. Die Einführung ins Alarmsystem dauerte über eine Stunde.

Das Ganze hatte aber einen weiteren, sehr angenehmen Nebeneffekt: Aufgrund des kurzfristigen Umzugs sowie unserer Teamgröße kam nur noch ein "Premiumobjekt" im Portfolio der Vermietungsfirma in Frage - als Entschädigung für den entstandenen Schaden - in Form eines kostenloses Upgrades. Die Bilder sprechen für sich. Wir haben echt (schon wieder) Schwein gehabt:

Das 21Torr-Office in Kapstadt

Wir lernen weiter - jeden Tag 

Es war eine turbulente erste Woche. Ja. Und es ist auf gut deutsch beschissen, was passiert ist - und: wir haben weiterhin Schwierigkeiten, neue Rechner an den Start zu bekommen. Doch neben dem großen Glück, dass niemand bedroht oder verletzt wurde, hat sich bei dieser Aktion vor allem eines gezeigt: Das Experiment, in 11.000 km Entfernung den ganz normalen Alltag aufrechtzuerhalten und zusätzlich das Schöne mitzunehmen - und dabei aber mit ganz neuen Problemen konfrontiert werden - das funktioniert nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Bedingungsloser Teamzusammenhalt, Flexibilität, Improvisation, gemeinsam getroffene Entscheidungen und nicht zuletzt eine gesunde Portion Humor und Optimismus - das ist es, was uns auch nach diesem Vorfall definitiv weitermachen lässt. 

Im Moment der Fertigstellung dieses Artikels erreichte uns übrigens die Nachricht: soeben wurde die "große" Internetleitung für uns aktiviert. Na dann - auf in Woche zwei! 

Text: Christina Bedürftig

Über uns

Wir sind 21TORR (übrigens nicht TOR 21) – eine Digitalagentur mit Standorten in Stuttgart, Reutlingen und Hamburg. Eine Mannschaft von acht Leuten arbeitet derzeit in einem Popup Office in Kapstadt:

Christina Bedürftig, 32, Senior Creative Concept
Philipp Farago, 27, Project Manager
Lea Gallon, 29, Concept Specialist
Joss Hänisch, 35, UX Architect
Marina Philipp, 25, Project Manager
Nils Schumann, 25, Applications Engineer
Carina Steinbock, 42 Jahre alt, Creative Director
Sven Straubinger, 31, Senior Applications Engineer

Unsere Workation kann man unter #21CAPETOWN und auf popup.21torr.com  verfolgen.

Bisher erschienen:

Kapstadt statt Reutlingen: Die ersten Tage im Popup Office

Weitere Infos über das Projekt gibt es im W&V-Interview mit den Agenturchefs Markus Reiser und Alexander Hafemann.


Autor:

W&V Redaktion
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