GWA-Sommerfest in Berlin :
Wie Zeit-Chef Esser OMG-Sprecher Schulz auf dem Podium abserviert

Erstmals lud der Agenturverband GWA am Donnerstag zu einer Lobbying-Veranstaltung in die Hauptstadt: Und die Podiumsdiskussion bei diesem Sommerfest im Monbijou-Park hatte es in sich.

Text: Markus Weber

Rainer Esser ist Geschäftsführer der Verlagsgruppe Die Zeit.
Rainer Esser ist Geschäftsführer der Verlagsgruppe Die Zeit.

Es gebe keinen Beweis dafür, "dass Qualitätsmedien eine nachhaltig prägende Funktion in der Meinungsbildung hätten oder gar Meinungsvielfalt garantierten", schrieb Klaus-Peter Schulz, Chef des Mediaagentur-Verbandes OMG vor zwei Wochen in einem "Horizont"-Gastartikel, für den er hinterher viel Kritik einstecken musste (zum Beispiel von Thomas Koch).

Auf dem Podium des GWA-Sommerfestes traf Schulz am Donnerstag Abend auf Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser und auf die beiden Bundestagsabgeordneten Thomas Heilmann (CDU) und Thomas Sattelberger (FDP). Dabei hatte er kein leichtes Spiel.

Beim GWA-Sommerfest: v.l. Rainer Esser (Die Zeit), Klaus-Peter Schulz (OMG), Thomas Sattelberger (FDP-MdB)

Beim GWA-Sommerfest: v.l. Rainer Esser (Die Zeit), Klaus-Peter Schulz (OMG), Thomas Sattelberger (FDP-MdB)

Braucht es für jede Selbstverständlichkeit einen Beweis, fragte sich Zeit-Chef Esser. "Wissen Sie, Herr Schulz. Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Dass man sich täglich wäscht und anderen nicht in die Fresse haut, finde ich echt okay. Auch wenn der letzte wissenschaftliche Beweis hierfür noch fehlt, finde ich es nützlich und gut, dass sich die Leute daran halten."

Mit Essers Eingangs-Statement hatte Schulz gleich zu Beginn der Runde verloren. Er hatte sofort alle Gesprächsteilnehmer gegen sich und machte auch im weiteren Verlauf der Diskussion keine gute Figur. Auch Sattelberger und der frühere Scholz & Friends-Chef Heilmann hoben die besondere Rolle der Qualitätsmedien für die Demokratie hervor.

Ex-Agenturchef Heilmann hat eine Idee für die Netzregulierung

Thomas Heilmann, der vor seiner Zeit als Berliner Justizsenator selbst eine Zeit lang Investor bei Facebook war, brachte auf dem Podium eine interessante Idee zur Netzregulierung ins Spiel. Was bei der Liberalisierung des Telekommunikations-Marktes selbstverständlich war, solle künftig auch für Facebook gelten: Wenn Nutzer zu einem anderen Anbieter wechseln wollen, sollen sie ihre Daten mitnehmen dürfen. Das steht im Telekommunikationsgesetz und die Bundesnetzagentur sorge dafür, dass sich alle dran halten.

Das liefe am Ende darauf hinaus, dass es ein einziges großes Netzwerk gibt - aber mit Dutzenden verschiedener Anbieter und Plattformen. Die EU habe zu diesem Thema bereits eine entsprechende Prüfungskommission eingesetzt, sagte Heilmann.

Ex-Justizsenator Thomas Heilmann (l.) und Thjnk-Gründer Michael Trautmann.

Ex-Justizsenator Thomas Heilmann (l.) und Thjnk-Gründer Michael Trautmann.

Moderiert wurde die ziemlich denkwürdige Podiumsdiskussion in der "Märchenhütte" im Berliner Monbijou-Park von GWA-Präsident Benjamin Minack.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.