Alphabet-Bilanz :
Warum ein strenger Datenschutz Googles Bilanz nicht tangiert

Das erste Quartal lief für den Google-Konzern Alphabet prächtig. Die Zahlen zeigen, dass Youtube-Skandale oder neue Datenschutzregeln für das Ergebnis fast egal sind.

Text: Leif Pellikan

Google hält nichts auf - kein Skandal und keine neuen EU-Gesetze. Im Gegenteil, im ersten Quartal stieg der Quartalsgewinn um deutliche 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,4 Milliarden Dollar. Die Umsätze des Konzerns kletterten erneut deutlich um 26 Prozent auf 31,1 Milliarden Dollar, umgerechnet 25,5 Mrd. Euro.

Die Diskussion um den Datenschutz oder auch der Vorwurf, dass Google zu intransparent sei, ändern nichts am weiteren Anstieg der Umsätze. Ende des ersten Quartals 2017 hatten viele Kunden ihre Budgets von Youtube abgezogen, da Markenwerbung im Umfeld von IS-Terrorvideos zu sehen war. Daneben hatten große Konzerne – allen voran Procter & Gamble  Digitalwerbung zurückgefahren, unter anderem weil Konzerne wie Google zu wenig transparent sind (der Kurs wurde inzwischen revidiert). 

Youtube-Skandal um Terrorvideos - na und? 

Doch für Google spielen die Skandale keine große Rolle. Die Suchwerbung war hiervon ja nie ernsthaft betroffen. Zwar stammen 86 Prozent der gesamten Umsätze aus der Werbung. Davon erlöst Google jedoch 71 Prozent aus eigenen Angeboten, sprich über die Suche und Youtube. Wobei die Youtube-Monetarisierung keine große Rolle spielt. 2017 hatten sie einen Anteil von 3,7 Prozent an den gesamten Werbeeinnahmen, wenn Youtube nach einer Schätzung von Emarketer mit 3,5 Mrd. Dollar veranschlagt wird. Google selbst nennt keine Zahlen für das Videoportal.

Auch die Werbung, die Google über sein Netzwerk im Web ausspielt, spielt unter dem Strich nur eine sehr untergeordnete Rolle für das Ergebnis. Zwar kam die Displaywerbung im ersten Quartal auf 4,6 Mrd. Dollar Umsatz. Nach Abzug von etwa 70 Prozent dieser Gelder, also der Anteil, den Google an die Partner weiterreicht, verbleiben im Konzern nur 1,3 Mrd. oder 4,0 Prozent der Gesamtumsätze.

Einschränkungen durch den Datenschutz - Google trifft es nicht 

Sollte dieser Teil also wegen der EU-Datenschutzgrundverordnung oder der kommenden ePrivacy-Verordnung einbrechen, wird es Google – anders als Partner wie Medienunternehmen - nicht sonderlich zu spüren bekommen. Dass dies passieren wird, hat Google indirekt über ein drastisches Maßnahmenpaket zum Datenschutz angekündigt. Die Suche gilt als weitgehend datenschutzkonform. Und es wäre eine einfache Übung, hier die Zustimmung der Nutzer zur Datenverarbeitung einzuholen.  

Die denkbare Umsatzlücke dürfte allein der restliche Umsatz von Google kompensieren. Der Bereich legte im ersten Quartal um 36 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar Umsatz zu. Hierzu gehört neuerdings auch wieder die Smart-Home-Firma Nest. Daneben beinhaltet die Zahl die Umsätze, die Google beispielsweise mit dem Playstore von Android einnimmt. Alphabets sonstige Geschäfte, also die Moonshots wie der Roboterwagen-Entwickler Waymo, fallen mit 150 Millionen Dollar Erlösen kaum ins Gewicht. (lp/dpa)


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach.