TV-Vorgaben für Youtube :
EU will Werbung auch im Netz regulieren

Youtube oder Netflix sollen mit TV nach dem Wunsch der EU gleichziehen - bei den Regeln und Vorgaben für Werbung oder Produktionsquoten. 

Text: Petra Schwegler

TV und Youtube sollen nach dem Wunsch der EU gleichziehen.
TV und Youtube sollen nach dem Wunsch der EU gleichziehen.

Das könnte für einige Influencer vieles verändern: Der Kulturausschuss des EU-Parlaments plant Neuregelungen für Videoportale, die vor allem strengere Vorgaben für Werbung, Sponsoring, Produktplatzierung und den Jugendschutz vorsehen.Videoportale dürfen damit künftig keine Werbung für Zigaretten und Alkohol mehr zeigen.

Das hieße, dass Youtuber ihre Reklame stärker kennzeichnen und beispielsweise auf Product Placements oder Sponsorings hinweisen müssen. Sie sollen dann nach den gleichen Werbevorgaben wie TV-Sender arbeiten – was deren Lobbyisten wie etwa der deutsche Privatfunkverband VPRT seit geraumer Zeit fordern.

Für Youtuber kommt es damit dick: Zurzeit kocht bei den deutschen Medienanstalten als Lizenzgeber und Aufsichtsorgane des privaten Rundfunks die Forderung hoch, dass doch auch die Livestreams im Netz eine Rundfunklizenz bräuchten. Betroffene Youtube- oder Twitch-Kanäle müssten damit rechnen, für eine Sendelizenz zwischen 1000 und 10.000 Euro bezahlen zu müssen. Diesen Weg ist beispielsweise das Online-Angebot Rocket Beans TV bereits zum Launch im Jahr 2015 gegangen.

EU-Quote für Streaming-Produktionen

Aber es werden auch Streaming-Portale wie Netflix von den neuen EU-Regeln betroffen sein. Sie bräuchten nach den Vorstellungen der Brüsseler eine höhere Quote europäischer Produktionen. Anbieter wie Amazon Prime Video oder Netflix sollen demnach 30 Prozent europäische Werke zeigen und sich an den Filmförderung der Mitgliedsländer beteiligen. Wie es im TV bereits üblich ist. 

Die angestrebte Quote von 30 Prozent für europäische Produktionen bei Online-Streamingdiensten findet prompt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) fragwürdig. Dessen Vizepräsident Marco Zingler bezieht Stellung: "Die Angebotsvielfalt einzuschränken, wie vom Kulturausschuss des EU-Parlaments gefordert, ist hier der falsche Weg. Entscheidend für den Verbraucher ist die Frage nach der Qualität des Angebots. Dass die amerikanischen Anbieter dabei einen Vorsprung haben, kann man ihnen in einem freien Markt nicht vorwerfen." 

Erleichterung hingegen beim linearen Fernsehen: Die Sender sollen künftig frei entscheiden dürfen, wie sie die erlaubten 20 Prozent Werbeanteil in ihren Programmen verteilen. Allerdings bleibt zwischen 20 und 23 Uhr die Werbezeit auf maximal zwölf Minuten pro Stunde begrenzt – zur besten Sendezeit. Damit gibt die EU jetzt den Wünschen der Fernsehbranche eher nach, während die Politiker im Jahr 2010 im Kern nur das Product Placement in Teilen durchgewunken haben.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.