Mehr Handelsdaten :
ProSiebenSat.1 kauft E-Commerce-Vermarkter Kairion

Kairion aggregiert Media und Daten von über 80 Online-Shops. Diese Daten nutzt künftig ProSiebenSat.1 für seine Werbekunden.

Text: W&V Redaktion

das Reich von Jens Mittnacht, Geschäftsführer Advertising Platform Solutions bei ProSiebenSat.1, wird mit Kairion erneut größer.
das Reich von Jens Mittnacht, Geschäftsführer Advertising Platform Solutions bei ProSiebenSat.1, wird mit Kairion erneut größer.

Das Datensammeln im Netz wird wohl für Unternehmen durch die geplante ePrivacy-Verordnung ab Mai deutlich erschwert. ProSiebenSat.1 baut dem vor und sichert sich weitere Handelsdaten: Die Münchner Medien-AG übernimmt den E-Commerce-Vermarkter Kairion von der Cocomore AG. Das Unternehmen aggregiert die Werbeumfelder und Daten von über 80 Online-Shops, so genannte Retail Media. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt wird bei ProSiebenSat.1 Teil der Advertising Platform Solutions, in der das Münchner Unternehmen seine Adtech-Aktivitäten bündelt.

Was bringt der Zuwachs im Adtech-Bereich? "Werbekunden können ihre Botschaften auf das tatsächliche Kaufinteresse der Shop-Besucher abstimmen und ausspielen", macht ProSiebenSat.1 in der Ankündigung vom Donnerstag deutlich. Die Botschaft soll genau in dem Moment ausgespielt werden, wenn der Konsument bereits ein Kaufinteresse signalisiert habe - durch Realtime-Targeting auf Kaufinteressen.

Kairion bietet Werbekunden die Möglichkeit, auf der gebündelten Werbefläche der angeschlossenen Händler Werbung zu schalten. Über 1000 Kampagnen habe das Unternehmen allein im Jahr 2017 umgesetzt, darunter für Kunden wie Bayer, Bosch, Klosterfrau, Nestlé, Reckitt Benckiser und Groupe SEB, heißt es.

Branding-Kampagnen sollen mithilfe des Neuzugangs im ProSiebenSat.1-Reich vom Fernsehen nahtlos in den Einzelhandel verlängert werden. Insbesondere im Healthcare-Bereich sei Kairion führend und vermarkte mit den Bereichen FMCG, Consumer Electronics und Petcare rund 30 Millionen Shop-Besuche in angeschlossenen E-Commerce-Plattformen, so ProSiebenSat.1.

Was dank Kairion möglich wird

Jens Mittnacht, Geschäftsführer Advertising Platform Solutions, fasst zusammen, was der Neuzugang bietet: "Kairion vereint die zielgruppengenaue Ansprache mit einer hohen Expertise im Data-Bereich und bietet so neben hohen Reichweiten für digitale Werbeangebote auch wertvolle Zielgruppen-Insights – etwa zu konkretem Kaufinteresse. Perspektivisch profitiert davon auch unsere Zukunftstechnologie Addressable TV, so dass wir unseren Werbepartnern künftig eine Aussteuerung ihrer Kampagnen bieten können, die noch zielgerichteter und damit effizienter ist."

ProSiebenSat.1 verstärkt sich mit Kairion auch im Online- und Offlinehandel: Für den stationären Handel bietet das Unternehmen etwa mit Marktguru eine entsprechende Plattform, Konsumenten bis zum PoS zu begleiten. Kairion dagegen lotst die Käufer komplementär auf E-Commerce-Plattformen.

Wie ProSiebenSat.1 künftig zu Daten kommt

Doch allein auf Kairion verlässt sich die ProSiebenSat.1 Group künftig nicht beim zielgerichteten Vermarkten: Im Herbst 2017 wurde bereits eine Daten-Kooperation mit der Retail Media Group (RMG) vereinbart, um auf Basis pseudonymisierter Kundendaten aus dem RMG-Handelspartnernetzwerk - unter anderem Media Markt, Saturn, Real und Thalia - noch zielgenauere Targeting-Produkte anbieten zu können. Auch mit dem Onlinehändler Zalando sammelt ProSiebenSat.1 Handelsdaten.

Im Adtech-Bereich zählen neben Kairion unter anderem die deutsche Holding Virtual Minds, das Video-Advertising-Netzwerk Smartstream.TV, der Content-Marktplatz Glomex sowie – vorbehaltlich der kartellrechtlichen Prüfung – die Influencer-Markting-Plattform Buzzbird und das Social-Advertising-Unternehmen Esome zum Konzern. Unter anderem über das europäische Joint-Venture EBX stellt sich der Konzern bei Data Marketing zudem international auf.

Wird im Frühjahr 2018 die geplante ePrivacy-Verordnung der EU kommen, ist das Sammeln von Daten über Cookies kaum mehr möglich. Jeder Nutzer soll demnach jedem Daten-Cookie nachweisbar zustimmen. Das könnten allenfalls Unternehmen leisten, die über harte Login-Mechaniken verfügen wie Google und Facebook. Tracking über Third Party Cookies und Drittfirmen wäre dann passé.

Im W&V-Dossier zum Thema finden Sie wichtige Fakten zum Nachlesen.


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