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Die Digitalisierung der Funke Mediengruppe

So geht digitale Transformation: Die Geschäftsführer Ove Saffe und Andreas Schoo fackeln nicht lange rum. Sie investieren, reduzieren und setzen auf digitale Geschäftsmodelle.
© W&V

Noch irren sie alle ein wenig durch die Gänge, nicht nur die Mitarbeiter in dem gerade frisch bezogenen neuen Hauptquartier der Funke Mediengruppe in Essen, sondern auch deren Geschäftsführer Andreas Schoo oder Ove Saffe.

Dabei wissen sie ziemlich genau, wo es langgeht, mit dem Medienhaus. Gerade haben sie ein sogenanntes Zukunftsprogramm ausgerufen, "Funke 2022". Vor allem geht es dabei um das Vorantreiben der digitalen Geschäftsideen.

Drei Ziele definiert das Medienhaus konkret: "Konsequente Ausrichtung auf digitale Produkte bei gleichzeitiger Stabilisierung der Printtitel", "Schaffung von Freiräumen für Investitionen in neue Produkte durch Kosteneinsparung" und "Nutzen von Wachstumschancen im Newsmarkt".

Explosiver Stoff

Das, was hinter diesen offiziellen Worten steckt, ist durchaus explosiver Stoff: Im Printbereich steigen die Kosten an allen Fronten. Die Papierpreise schießen nach oben, Druckereien sind nicht mehr ausgelastet, der Vertrieb wird durch staatliche Eingriffe wie Mindestlohn dramatisch erschwert.

Die Konsequenzen aus Essen: Die Produktion der beiden NRW-Druckereien werden an einem Standort gebündelt, in Hagen. Und, viel wichtiger: Die Funke-Mediengruppe setzt mehr denn je auf den Ausbau digitaler journalistischer Bezahlinhalte.

Vorreiter Hamburg

Der neue Kurs sieht folgendermaßen aus: Hamburg war Vorreiter. Das Hamburger Abendblatt begann im September mit Paid Content und zeigt laut Ove Saffe, der für das Zeitungsgeschäft verantwortlich zeichnet, "sehr ermutigende Ergebnisse".

Die Digital-Abo-Abschlüsse sollen sich seit Sommer vergangenen Jahres verdreifacht haben, wie später genauer gezeigt wird. Das Paid-Modell nennen die Funke-Manager "User-First-Prinzip".

In Nordrhein-Westfalen starteten die Redaktionen vor gut einer Woche die digitalen Bezahlangebote - mit positiv-überraschenden Ergebnissen. Im März folgt die Berliner Morgenpost, danach werden die Titel in Braunschweig und Thüringen umgestellt.

Stabstelle Digitale Transformation

Um diese Umstellung besser zu managen, wurden in dieser Woche Ruth Betz und Carsten Erdmann in die neu geschaffene Stabsstelle Digitale Transformation berufen. Hier geschieht laut Ove Saffe "eine Kulturrevolution", ein schneller, ergebnisorientierter Austausch unter den Standorten.

Überhaupt, der Austausch: Der wird im neuen Newsroom der WAZ im neuen Gebäude der Funke Mediengruppe im ersten Stockwerk schon gelebt. Arbeiteten die Redakteure bisher vor allem in verstaubt anmutenden Einzelzimmern, so tauschen sie sich jetzt agil aus.

Kontinuierlich wird geprüft, welche Artikel funktionieren, aus den Erkenntnissen wird in einer übergreifenden Mannschaft dann Print erstellt. In den ovalen, großzügig gestalteten Waben wird ein neues Miteinander gelebt, alles ist online, alles ist Print.

Treppe als Screen

Nicht ohne Stolz führt Andreas Schoo, der das Digitalgeschäft verantwortet, durch sein neues Reich, den frisch bezogenen Neubau der Funke Mediengruppe in der Essener Innenstadt. Schon die große Treppe im Eingangsfoyer ist – Stufe für Stufe – ein gigantischer Bildschirm. Wie in einem Printhaus sieht es hier nicht aus, auch wenn neben dem Porträt des Verlagsgründers Jakob Funke in Lettern an der Wand geschrieben steht: "Journalismus aus Leidenschaft". Das freilich gilt für jedes Medium.

Die großen Änderungen des Medienhauses sind spürbar, an jeder Ecke. Vor allem eben im großen Newsraum der WAZ: riesige Monitore an einer Wand, wo der Strukturplan der Zeitung von morgen in Echtzeit mit Wort und Bild gefüllt wird.

Mit den Veränderungen gehen allerdings auch negative Schlagzeilen daher. So wird der Tageszeitungsbereich "im Sinne maximaler Kosteneffizienz" neu aufgestellt, wie der Verlag kommuniziert, zu Deutsch: Personalabbau.

Das betrifft etwa die Westfalenpost in Warstein, die eingestellt wird. In Braunschweig und Hamburg wird je am Wochenblatt gespart, im Erscheinungsintervall und der Zusammenlegung von Redaktionen. Das Kompaktformat der Berliner Morgenpost wird eingestellt, in der dortigen Zentralredaktion werden Redakteursstellen abgebaut. Auch die Druckerei in Essen wird aufgegeben, Hagen soll dagegen gestärkt werden.

Erste Zahlen zu Paid-Abos

Der Optimismus gilt also vor allem der digitalen Zukunft. Und dazu gibt es sogar erste Zahlen, die W&V exklusiv vorliegen.

Die Funke-Tageszeitungstitel zählen insgesamt rund 100.000 zahlende Digitalkunden. Diese legen im Durchschnitt 20 Euro im Monat auf den virtuellen Tisch. Allein Vorreiter Hamburg kommt schon auf 30.000 Abonnenten. In NRW, wo die Bezahlsause ja jetzt erst gestartet ist, gewinnt das Medienhaus 60 Abos pro Tag.

Und das, wo es bislang noch nicht einmal Marketingmaßnahmen dazu gibt.

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