Und genau das macht auch die Kunst an Reality-Formaten wie „Kamp der Realitystars“ aus: „Konflikte sind das Salz in der Suppe“, gab Malte Kruber zu. Es sei aber vor allem wichtig, diese redaktionell und dramaturgisch einzuordnen. „Es gibt keine fertiggeschriebene Story, wir müssen immer mit dem Flow gehen und schauen, was passiert.“ Auf der anderen Seite schalten aber die Zuschauer schnell weg, wenn es zu harmonisch wird.

Dafür geben die Macher „Impulse“ wie Spiele oder andere wiederkehrende Aktionen. „Wir haben eine große Verantwortung“, so Arno Schneppenheim, „wir können nicht einfach ein paar Promis ins Haus packen und uns daneben stellen.“ Es brauche eine Vision, und wenn die handelnden Personen diese nicht erfüllen, brauche es Dinge, die die Teilnehmenden fordern. „Das ist ja kein Urlaub!“ Und genau das macht das Reality-Genre so herausfordernd: „Es ist ein Balanceakt zwischen zu heavy und zu langweilig“, sagt Arno Schneppenheim.

Strategie statt Dating

Damit es nicht langweilig wird, bleibt der Markt der Reality-Formate nicht stehen, sondern entwickelt sich ständig weiter. „Da ist auf jeden Fall Innovationskraft da“, sagt Kruber. „Vor einigen Jahren war vor allem das Thema Dating angesagt, mittlerweile geht es – wie bei „Die Verräter – Vertraue niemandem“ – eher in eine strategische Richtung. Wie bei einem Brettspiel, das ist jetzt das große Ding. Man darf auch Dating-Reality nicht überreizen, da ist der Peak erreicht.“

Kampf der Realitystars wird in Thailand gedreht – mit an Bord sind Redakteure, Verantwortliche für Produktion, Technik und mehr. „Da kommst du schnell auf eine dreistellige Zahl, das kann man mit einer fiktionalen Produktion vergleichen“, so die Macher. Auf Nachhaltigkeit achte man aber dennoch: etwa, indem man einen Ausgleich für den CO₂-Ausstoß der Flüge bezahlt, vor Ort keine Generatoren benutzt, sondern verlegte Stromleitungen, Müll trennt, keine Einwegprodukte und Plastikflaschen benutzt und alle Aufbauten für Spiele wiederverwendet.

Und warum muss es überhaupt Thailand sein? Auch dafür gibt es gute Gründe, erklären Kruber und Schneppenheim: "Weil dieses ‚weit weg von zu Hause‘ etwas mit den Leuten macht, es gibt ihnen eine Leichtigkeit, Spaß und gute Laune.“ Und das ist es doch, was die Zuschauer schließlich sehen wollen.


Autor: Julia Gundelach

Julia Gundelach ist freie Autorin mit Schwerpunkt Specials. Daher schreibt sie Woche für Woche über neue spannende Marketing- und Medien-Themen. Dem Verlag W&V ist sie schon lange treu – nämlich seit ihrem Praktikum bei media & marketing in 2002, später als Redakteurin der W&V.