The Perfect Match:
Paulina Schumann: "95 Prozent der Werbung da draußen ist scheiße"
"Fuck TV, go Social" lautet das Motto der Social-First-Agentur Charles & Charlotte in Berlin. Nur so, sagen Gründerin Paulina Schumann und ihr Kompagnon Pascal Fiedler, könne Werbung wieder Teil der Party werden. Noch wird sie mit langweiliger Reklame zu oft unterbrochen. Der W&V-Podcast mit unserem Kollegen Conrad Breyer

Foto: Charles & Charlotte / Nano Banana
Paulina Schumann und Pascal Fiedler sind so etwas wie das Power-Paar der deutschen Kommunikationsbranche, andere sagen: "Brangelina der Werbeindustrie", wie Paulina im Podcast verraten wird ("Da musste ich schon lachen, als ich das auf LinkedIn gelesen habe"). Sie sind dauerpräsent in den Branchen-Feeds, auf den einschlägigen Bühnen unterwegs, scheuen keinen Challenge.
Pascal hat seinen Einstieg in die Werbebranche früh klargemacht; er begann 2011 noch vor seinem Studium bei BBDO eine Ausbildung. Der Stratege ging dann zu AMV, Red Bull, AKQA. Bei Paulina war die Sache erstmal nicht so eindeutig: Die Kreative ist gelernte Kapitänin, aber das ist eine andere Geschichte.
Brangelina der Werbeindustrie
Im Studium an der Universität der Künste in Berlin haben die beiden sich kennengelernt und dann 2019 mit Charles & Charlotte in Berlin ihre eigene Agentur gegründet. Ihr Credo: Social First. Popkultur werde heutzutage in den sozialen Medien geprägt; darauf müssten Marken reagieren und von Social Media ausgehend integriert um die Menschen werben. In meinem Newsletter Agentur Welt hatte ich das Thema schon mal eingehender beleuchtet.
Heute arbeitet Charles & Charlotte für Kunden wie Burger King, Nikon und Penny: Ja, das sind die mit den Schafen! Auch darüber wird zu reden sein.
In der halben Stunde Podcast beantworten wir einige Fragen: Ist Social First Mainstream? Was versteht man eigentlich darunter? Warum wächst der Markt? Wie lassen sich daraus Marken bauen, wer macht es gut, wer nicht, was bringt es überhaupt und wie kriegen wir es in Deutschland endlich hin, mutiger in der Kreation zu werden, ohne gleichzeitig die Zahlen aus den Augen zu verlieren?
Hier die sieben wichtigsten Thesen
1. Social First ist kein Kanal, sondern eine Haltung
Social First bedeutet nicht "nur oder mehr Social Media", sondern ein grundlegend anderes Denken: Social ist Ausgangspunkt für Insights, Kulturverständnis und Markenstrategie. Und nicht, so Paulina, wie "früher der Mülleimer am Ende der Kampagnenkette".
2. Social ist das Labor, in dem Kultur entsteht
Trends, Memes, Lingo und Haltung entstehen heutzutage vor allem in den sozialen Medien. Wer sich dort umtut (Stichwort: Social Listening) kann früh erkennen, was die Menschen bewegt und und daraus Ideen für die eigene Markenkommunikation entwickeln, die im Zweifel auch außerhalb von Social Media funktionieren, oder gleich ganze Markenplattformen begründen.
3. Klassische Kommunikationsmodelle sind überholt
Das Sender-Empfänger-Modell, die USP-Logik stammen aus der Nachkriegsökonomie. Heute entstehen Marken ko-kreativ durch Teilhabe der Community(s).
4. Marken müssen sich die Aufmerksamkeit verdienen
In sozialen Netzwerken lässt sich jeder Content leicht wegwischen. Pascal sagt: "Social Media sind die neue digitale Raucherpause." Da will sich niemand unterbrechen lassen. Marken konkurrieren hier nicht nur mit anderen Marken, sondern mit Popkultur schlechthin. Paulina meint: "Wenn wir die Party schon crashen, bring wenigstens nen coolen Secco mit."
5. Markenkohärenz schlägt Markenkonsistenz
Nicht überall gleich auftreten, sondern überall anschlussfähig sein! Das fordert Pascal. Mit einem klaren Markennarrativ lasse sich jeder Content plattformspezifisch ausspielen. Kohärenz schlägt Gleichförmigkeit.
6. Ohne Mut keine Relevanz
Herausragende Kommunikation geht Risiken ein. Die größte Gefahr für Marken ist nicht der Shitstorm, sondern die Belanglosigkeit. Paulina sagt: "Wenn du das Gefühl hast, das ist riskant, ist das ein Zeichen dafür, dass das eine richtig geile Idee ist." Das deutsche Sicherheitsdenken - Pascal nennt es "Save-my-ass-Kultur" - töte jede Kreativität.
7. Social muss belegbar auf Business-Ziele einzahlen
Likes und Views sind Vanity-Metriken. Nur Shares zeigen, dass Inhalte emotional, sozial oder kulturell relevant sind. Was geteilt wird, baut Beziehungen zwischen Mensch und Marke auf. Social First entbindet dabei nicht von der Pflicht, zu wirken. Unternehmen und Agenturen müssen ihre Social-Metriken auf Markenwerte und Absatz übersetzen, zum Beispiel über Marketing-Mix-Modelle.
Und jetzt: Viel Spaß beim Hören!
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