Auch ziemlich wichtig: Diversity. Die Agenturen stünden da noch ganz am Anfang, sagt Minack. Man müsse dafür erstmal eine Programmatik entwickeln. Heißt: Wie fördere ich Frauen in Führungspositionen? Wie hol' ich mir Talente in die Agentur, die einen Migrationshintergrund haben? Und wie gehe ich um mit Mitarbeitern, damit sie bis zur Rente bleiben? "Die Lage am Arbeitsmarkt spitzt sich zu", sagt GWA-Chef Benjamin Minack. Da könne man auf kein Talent mehr verzichten.

Und schließlich will sich der GWA mit Unterstützung von Mirko Kaminski, dem Chef von Achtung in Hamburg, besser vermarkten als früher. Mit Kaminski dürfte die Wahl auf den Richtigen gefallen sein. Kaminski und Tobias Spörer, Geschäftsführer von Elbkind, sollen mit ihrer unerschrockenen Art auch Menschen erreichen, die nicht unbedingt zur Fachöffentlichkeit gehören, Menschen aus Politik, Kunden, Nachwuchs. Es geht ums Agenda Setting, darum, in der Öffentlichkeit die eigene Rolle besser zu erklären und die Branche für den Nachwuchs attraktiv zu machen. Das wird dann 2018 offenbar zum Querschnittsthema.

Ein neuer Code of Conduct für den Einkauf

Was die Beziehungen zwischen Kunden und Agenturen angeht - einer GWA-Studie zufolge vermintes Gelände - will der neue GWA-Präse weniger auf Konfrontation denn auf Erziehung setzen. Mit anderen Verbänden zusammen möchte der GWA die Kunden, insbesondere den Einkauf, besser darüber ins Bild setzen, wie Agentuern eigentlich arbeiten, was sie brauchen, um so den Neugeschäftsfprozess für alle Seiten klarer, einfacher zu machen. "Wir müssen raus aus dem fingerpointing und die Einkaufsprozesse gemeinsam besser gestalten", sagt Minack. Die Kunden wüssten das oft einfach nicht einzuschätzen. Die Rede ist von einem neuen Code of Conduct für den Einkauf. Über kurz oder lang wird der GWA vielleicht auch das Konzept des Pitchblogs überdenken, der ja im Moment die Kunden eher an den Pranger stellt.

Und schließlich wird Minack mit seinem Geschäftsführer Ralf Nöcker und mit Lars Cords, Partner der Scholz & Friends Group, auch das Lobbynig weitertreiben. Nöcker ist dafür ja vor einiger Zeit extra nach Berlin gezogen. Zu tun hat er genug. Dauerbrennersind: Künstlersozialkasse, Datenschutz, flexible Arbeitszeitmodelle, Mindestlohn für Praktikanten, Verwertungsrechte etc. "Agenturen sind ja oft nur ungewollter Beifang neuer gesetzlicher Regelungen", erklärt Minack. Viele Politiker wüssten schlicht nicht, was sie da zum Teil anrichteten. Darum brauche es Aufklärung. "Steter Tropfen höhlt den Stein, wir haben schon viel erreicht."

Schlaue Köpfe fürs Ehrenamt!

Was sonst noch so ansteht? Der GWA will weiterhin neue Mitglieder aufnehmen, gerne auch aus allen möglichen Kommunikationsdisziplinen wie PR, Content, Social Media, Digital, denn der GWA bürge ja vor allem für Qualität und eine gewisse Größe. Um Schubladendenken gehe es nicht. Und Minack will die gute Zusammenarbeit mit den anderen Branchenverbänden pflegen, die ja seit der Nachwuchskampagne "Komm in die Agentur" ganz erfreulich laufe. Er freut sich auf seine Amtszeit. "Hier sind lauter schlaue Köpfe, die gute Arbeit machen", sagt er. Und alle ehrenamtlich!


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LSBTI-Rechte, insbesondere in der Ukraine.