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Was Marken vom Creator-Mindset lernen können
Social Media ist längst kein Kanal mehr, sondern auch eine Haltungsfrage. Wer seinen Content mit der Frage „Was wollen wir kommunizieren?" beginnt, hat das Prinzip sozialer Plattformen missverstanden. Was zählt, ist eine andere Frage: Was bewegt die Menschen da draußen wirklich?
Lizi Khutchua kennt beide Perspektiven – und das ist ihr Vorteil. Als Strategic Social Media Managerin bei der Münchner Digitalagentur LOBECO verantwortet sie und ihre Kollegen bei LOBECO Kampagnen für Marken wie Paulaner, BMW Group, Bayernwerk oder den FC Bayern München. Gleichzeitig ist sie selbst Creatorin mit georgischen Wurzeln und einer treuen Community, die ihr täglich direktes Feedback gibt. Sie weiß, was ankommt und auch gespeichert wird und was nicht.
Im Interview spricht sie darüber, was Creator-Mindset für Marken jenseits von Trends und schnellen Reels konkret bedeutet, welche Rolle auch Freiraum für authentischen Content spielt und warum der erste Satz eines Posts über Erfolg oder Bedeutungslosigkeit entscheidet.
Lizi, du bist selbst Social-Media-Creatorin bzw. Corporate Influencerin und arbeitest zugleich bei LOBECO auf Agenturseite für Marken. Wann merkst du im Arbeitsalltag am stärksten, dass du Social Media anders betrachtest als viele Unternehmen?
Durch mein Hobby bzw. meine Nebentätigkeit als Creator weiß ich, wie die Community wirklich tickt. Ich bekomme täglich PMs und direktes Feedback zu meinem eigenen Profil und genau diese Learnings fließen direkt in meine Arbeit bei LOBECO ein. Das ist ein super Vorteil.
Ich bin Content-Strategin, schneide Videos, arbeite mit KI-Tools, entwickle Kampagnen und bin auch vor Ort bei Drehs dabei. Ich erstelle Drehstoryboards, überlege welches Material ich für welchen Kanal brauche und produziere das Rohmaterial. Und dann natürlich die Captions. Besonders wichtig ist der Hook in der allerersten Zeile. Die entscheidet auf Instagram, ob jemand draufklickt oder weiterscrollt.
Mein eigener Content? Ja, die Community fragt mich immer: „Lizi, wie kriegst du das nur zeitlich hin?! Ganz ehrlich: Das Wochenende gehört mir. Damit meine ich: Das Wochenende gehört meinem Content für meine Community. Seit 2024 poste ich sieben Mal pro Woche. Unter der Woche ist einfach keine Zeit, also wird am Wochenende produziert oft mit Freunden, manchmal direkt vor Ort in Georgien. Die Community dort liebt diese authentischen Einblicke!
Tiktok ist eine eigene Welt. Die Plattform belohnt dich, wenn du proaktiv bleibst. Community Management ist hier absolut King. Golden Rule: Du musst auf JEDEN Kommentar antworten. Wenn das einmal einreißt, dauert es ewig, das Vertrauen zurückzugewinnen. Und was Tiktok wirklich liebt? Saves. Nicht nur Likes. Deshalb liefere ich konkrete Fashion-Tipps, z.B. wie man ein Outfit bestellt, welche Materialien wirklich gut sind. Unterhaltung kann jeder. Aber echten Mehrwert liefern? Das ist der Unterschied.
Am Anfang war das Wichtigste: meine Nische finden. Was macht mich einzigartig? Ich habe mich entschieden für: sitzen und reden. Erst 100 Prozent Fashion Content, dann Daily Logs dazu. Heute mache ich Unboxings, Sales Tipps, also zum Beispiel Sommerschlussverkauf, Outfit Checks und Empfehlungen für nachhaltige Pieces. Mein Credo: Nicht viel shoppen, sondern schlau shoppen. Wie mache ich aus einem Outfit zehn? Das ist die Frage, die meine Community antreibt. Instagram ist nochmal eine andere Liga, denn es ist zeitaufwändiger, und hochwertiger. Hier poste ich nur Inhalte, die ohne Audio funktionieren und international verständlich sind.
Die Community ist treuer als auf Tiktok, aber der Aufwand ist größer. Insta-Creator sind teurer, dafür bekommst du als Marke aber eine verlässlichere Basis. Wenn ich Marken bei Influencer-Kampagnen berate, empfehle ich fast immer mittelgroße Influencer, die nicht nur Gen Z, sondern auch Millennials ansprechen. Denn je größer ein Influencer wird, desto weniger authentisch wirkt er oft. Das ist leider die Realität. Und meine treue Tiktok-Community? Die kommt auf Instagram mit rüber. Viral geht's auf Tiktok, aber nur die, die dich wirklich lieben, die finden dich überall.
Hootsuite spricht in den Social-Media-Trends 2026 davon, dass Marken zunehmend ein „Creator Mindset“ übernehmen. Was bedeutet das für eine Marke konkret – jenseits von schnelleren Reels, Trendsounds oder mehr Behind-the-Scenes-Content?
Für mich zählen hier folgende Aspekte:
- Konsistenz: regelmäßig und verlässlich posten und Behind the Scenes-Content kontinuierlich einbetten.
- Authentizität: cool, ehrlich und menschlich bleiben. Keine Angst haben, vor der Kamera zu sprechen oder sich mal zu versprechen. Das ist authentisch und vor allem ganz normal.
- Community-Liebe: Engagement geben, nicht nur einfordern. Trends suchen. Ich sage immer: Wissen durch Scrollen. Trends für Social entwickeln sich auf Social.
- Employee Advocacy: Marken können mehrere Corporate Influencer einsetzen, nicht nur auf ein Gesicht setzen.
- Build Trust: Das gehört zum Creator Mindset. Vertrauen der Community entsteht durch cool sein, konstant sein, ehrlich bleiben.