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Lesedauer 3 Min.

Das verdient heute ein Redakteur

Die Krise der Medienbranche lässt sich an den Löhnen ablesen. Eine exklusive Gehaltstabelle für W&V Online zeigt, dass Jungredakteure ebenso deutlich unterbezahlt sind wie junge Agenturmitarbeiter. Ein Tarifvertrag bleibt mehr Traum als Wirklichkeit.
© W&V

Die Medienbranche steckt in der Krise. Wenn man es nicht schon wüsste, könnte man es spätestens an der Gehaltstruktur ablesen - denn die spricht eine deutliche Sprache, wie eine exklusive Auswertung von Gehalt.de für W&V Online zeigt. Bei 40.400 Euro liegt demnach das durchschnittliche Jahresgehalt der Medienschaffenden. Rechnet man das auf 12 Monate um, kommt man gerade mal auf ein Gehalt von 3367 Euro und einen Stundenlohn von knapp unter 20 Euro.

Auch Tarifverträge scheinen keine Richtschnur mehr zu sein. Das gilt vor allem für junge Redakteure, die für ihren Traumjob offenbar auch eine geringe Entlohnung in Kauf nehmen. 30.200 Euro Jahresgehalt verdient im Schnitt ein Redakteur mit unter drei Jahren Berufserfahrung und ohne Personalverantwortung - knappe 2.500 im Monat (Stundenlohn: 14,70 Euro). Auch mit einer Berufserfahrung von drei bis sechs Jahren reicht es laut der Erhebung nur für 36.700 Euro im Jahr - oder: 3058 Euro im Monat. Oder, umgerechnet auf ein Stundengehalt in einer 40-Stunden-Woche: 18 Euro.

Zum Vergleich: Der Tarifvertrag für Tageszeitungsredakteure sieht zum Beispiel deutlich mehr vor. Im ersten bis dritten Jahr sollen es 3155 Euro pro Monat sein, im Jahr vier bis sechs immerhin 3661 Euro. Wohlgemerkt, ein Redakteur erhält laut Tarif nicht 12, sondern 13,5 Monatsgehälter. Erst ab dem neunten Berufsjahr nähern sich Wirklichkeit und geforderte Tarifhöhe ein wenig aneinander an: 4216 Euro im Monat (oder 50.600 Euro im Jahr) verdient nach der Erhebung von Gehalt.de ein Redakteur mit dieser Berufserfahrung. Der Tarifvertrag weist 4224 Euro für Redakteure aus, die keine besonderen Aufgaben oder Führungsverantwortung und mindestens neun Jahre Berufserfahrung haben. Aber auch hier müssten noch Weihnachts- und Urlaubsgeld eingepreist werden, die der Tarifvertrag einfordert, von Augenhöhe kann deswegen nicht die Rede sein.

Der Tarifvertrag gilt zudem längst nicht mehr für alle Tageszeitungsredakteure. Offizielle Daten fehlen, aber in der Branche wird geschätzt, dass nur noch die Hälfte der Redaktionsleute die Vorteile eines Tarifvertrags genießt. Auffällig an der Gehaltstabelle ist aber, dass einige wenige ältere Redakteure durchaus noch "Goldene Zeiten" und eine Tarifbindung erlebt haben. Medienarbeiter mit über 45 Jahren Alter verdienen im Schnitt zwar auch nur 50.100 Euro im Jahr, aber immerhin markieren 65.500 Jahresgehalt die obere Grenze. Das entspricht in etwa den tariflich vorgesehenen 4684 Euro eines Redakteurs mit über 15 Jahren Berufserfahrung.

Damit dürfte die Gehaltsmisere der Medienbereich in etwa vergleichbar sein mit der Kreativbranche, die oft wegen ihrer geringen Einstiegsgehälter gescholten wird. Eine jüngst bei W&V Online erschienene Gehaltstabelle für Kreativarbeiter weist auch nur ein durchschnittliches Jahresgehalt von 42.900 Euro aus. Mit 29.600 Euro durchschnittlichem Jahresgehalt kann ein Anfänger mit unter drei Jahren Berufserfahrung rechnen.

Die vorliegende Gehaltstabelle fußt auf 797 Datensätzen von Redakteuren in verschiedenen Medien, die keine Personalverantwortung haben. Teilzeitgehälter wurden auf Vollzeitgehälter umgerechnet.

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