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Lesedauer 4 Min.

Studie enthüllt: Darum nutzen Jugendliche Instagram wirklich

Die schöne, heile Welt auf Instagram ist ein Mittel gegen Unsicherheit. Das fand eine Studie von IKW heraus, die untersuchte, was Jugendliche an Instagram fasziniert.
© W&V

74 Prozent der Jugendlichen gehen bis zu 20 Mal am Tag auf Instagram. Mehr als ein Drittel verbringt mehr als vier Stunden täglich auf dieser Plattform. Und 35 Prozent der Schüler sind auch während der Schulzeit online.

Die tiefenpsychologisch-repräsentative Studie „Insta ungeschminkt“ des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel erklärt, was die Jugendlichen an Instagram so fasziniert und welchen Einfluss das auf ihre Entwicklung hat. Das Ergebnis: Auf Instagram versuchen viele Jugendliche, eine rundum kontrollierbare Traumwelt zu installieren, in der alles perfekt ist und sie unangreifbar sind.

Trennung, Flüchtlingskrise, Pubertät

Jugendliche verspüren heute in vielen Bereichen ihres Lebens ein Gefühl der Unsicherheit – entweder durch Trennungen in der Familie, gesellschaftliche Umbrüche wie die Flüchtlingskrise oder die eigene körperliche Veränderung in der Pubertät. Die Jugendlichen haben daher Strategien entwickelt, die dem gefühlten Kontrollverlust entgegenarbeiten.

Die intensive Nutzung von Instagram dient den Jugendlichen dazu, die Kontrolle in ihrem Leben zurückzugewinnen. Hier inszenieren die Jugendlichen sich eine heile Welt. Die Jungen und Mädchen erschaffen sich so eine Parallelwelt, in die sie sich immer häufiger zurückziehen. Zwei Drittel von ihnen sind gerne auf Instagram, weil sie sich dadurch vom Alltag ablenken können. Mehr als 50 Prozent sagen, dass sie auf Instagram in eine schöne und heile Welt eintauchen können.

Sehen und gesehen werden

Die Reichweite des eigenen Accounts hat für sie eine große Bedeutung. Denn die Zahl der Follower zeigt, wie besonders man ist. Und das ist entscheidend für das eigene Selbstwertgefühl. Positive Kommentare, Herzchen und Bewertungen in Form von Superlativen sind daher nicht nur erwünscht, sondern werden in hoher Zahl geradezu erwartet.

Sie tragen entscheidend zur eigenen Selbstfindung bei, die in direkter Abhängigkeit zu der Perfektion der Posts und der Anzahl der Follower steht. 67 Prozent der Befragten geben an, dass sie mehr als 100 Follower haben, 36 Prozent sogar mehr als 200. Diese Zahlen müssen immer weiter gesteigert werden. „Sehen und gesehen werden“ heißt das Motto.

Keine Auseinandersetzung mit sich selbst

Damit die Fotos in die schöne Welt von Instagram hineinpassen, werden sie vor dem Posten optimiert. Man zeigt sich nur von seiner „Schokoladenseite“, vermeintlich hässliche Bilder werden gelöscht. Die Jugendlichen möchten nicht, dass andere sehen, dass sie in der Vergangenheit vielleicht einmal dick waren oder sich anders gestylt haben.

Emotionen und persönliche Geschichten werden genauso vermieden wie die Auseinandersetzung mit sich selbst. Mit standardisierten Posen, die allgemein akzeptiert sind, und einem perfekten Make-up oder Haarstyling zeigen sich die Jungen und Mädchen gerne. So gehen sie kein Risiko ein und machen sich unangreifbar. Mehr als 60 Prozent der Mädchen sagen, dass sie sich für Make-up oder Haarstyling auf Instagram interessieren. Für 40 Prozent der Jungen ist das Haar-Styling besonders wichtig.

Kontrolle statt Oberflächlichkeit

Mit Oberflächlichkeit der Jugend hat dies laut de Studie allerdings wenig zu tun. Den Jugendlichen ist vielmehr wichtig, die Kontrolle darüber zu behalten, wie sie selbst von anderen wahrgenommen werden.

Im Rahmen der qualitativen Befragung wurden Gruppeninterviews mit insgesamt 24 jungen Frauen und Männern im Alter von 16 bis 22 Jahren durchgeführt. Für die repräsentative quantitative Befragung wurden mehr als 1.000 junge Frauen und Männer im Alter von 14 bis 21 Jahren befragt.

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