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Lesedauer 5 Min.

WuV Community Icon Die Angst vor Fehlern wird zum Markenrisiko

In einer neuen Folge der Top-U33-Kolumne raw. by W&V blickt Lisa Gröning von H&M auf ein Dilemma moderner Markenführung. Ihr Thema: kulturelle Relevanz in unsicheren Zeiten. Ihr Befund: Marken werden heute nicht mehr nur über Kampagnen geführt, sondern über die Art, wie Organisationen unter Druck reagieren. Während manche schneller, mutiger und sichtbarer werden, ziehen sich andere in Kontrolle, Absicherung und vorsichtige Kommunikation zurück. Genau hier entscheidet sich, welche Marken relevant bleiben – und welche austauschbar werden.
Lisa Groening, H&M, Top U33

Lisa Gröning, Content Operations Manager Region CEU bei H&M, gehört zu den aktuellen Top U33.

© privat

Es gibt gerade einen Widerspruch, den vermutlich viele Unternehmen spüren: Noch nie wurde so viel über kulturelle Relevanz, Agilität und mutige Markenführung gesprochen und gleichzeitig war Kommunikation in vielen Branchen selten so vorsichtig und austauschbar.


Das hat aus meiner Sicht weniger mit fehlender Kreativität zu tun als mit der Art, wie Organisationen auf Unsicherheit reagieren. Denn je volatiler Märkte werden, desto stärker wächst in Unternehmen fast automatisch der Wunsch nach Kontrolle. Entscheidungen sollen besser abgesichert, Risiken früher erkannt und Kommunikation möglichst kalkulierbar werden. Das ist nachvollziehbar. Wirtschaftlicher Druck verändert Organisationen immer auch emotional. Nur entsteht kulturelle Relevanz selten aus maximaler Absicherung.Genau darin liegt gerade die eigentliche Herausforderung moderner Markenführung.

Maximale Effizienz vs. maximale Relevanz

Denn viele Unternehmen optimieren heute gleichzeitig auf zwei Dinge, die sich in der Realität oft widersprechen: maximale Effizienz und maximale Relevanz. Kommunikation soll performen, möglichst wenige Risiken erzeugen und gleichzeitig kulturell auffallen. Teams sollen schneller entscheiden, mutiger arbeiten und unternehmerischer denken: Innerhalb von Systemen, die unter Druck häufig wieder vorsichtiger werden.


Das Problem daran ist nicht Kontrolle selbst. Große Organisationen brauchen Prozesse, Verantwortung und klare Leitplanken. Gerade globale Marken können nicht ausschließlich aus Improvisation heraus geführt werden. Problematisch wird es erst dann, wenn Kontrolle beginnt, kreative Spannung aus Marken herauszunehmen. Ideen werden häufig nicht mehr nur danach bewertet, ob sie relevant sind, sondern auch danach, wie gut sie sich absichern lassen. Kommunikation wird glatter, konsensfähiger und vorsichtiger. Und irgendwann entsteht daraus genau die Art von Markenkommunikation, die strategisch sauber aussieht, emotional aber kaum noch etwas auslöst.

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