Lesedauer 5 Min.

Plus.AI: Warum Mediaplanung ein neues Betriebssystem braucht

Viele Unternehmen experimentieren mit KI. Mediaplus geht einen Schritt weiter und baut mit Plus.AI eine zentrale Steuerungsebene für Daten, Wissen und Entscheidungen. Karin Immenroth, Global Chief Data Officer bei Mediaplus, erklärt, warum Transparenz und Individualisierung dabei wichtiger sind als einzelne Tools.
„KI ersetzt Expertise nicht. Sie macht sie wertvoller", sagt Karin Immenroth, Global Chief Data Officer bei Mediaplus.
„KI ersetzt Expertise nicht. Sie macht sie wertvoller", sagt Karin Immenroth, Global Chief Data Officer bei Mediaplus.
© Mediaplus

Die Branche spricht seit zwei Jahren über AI. Wo stehen Unternehmen aus Ihrer Sicht wirklich?

Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt. Viele Unternehmen haben inzwischen erste KI-Tools eingeführt und sammeln Erfahrungen. Der eigentliche Wandel beginnt aber erst jetzt. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, welches Tool man nutzt, sondern wie KI Teil der täglichen Arbeit wird. Für mich entwickelt sich KI gerade vom Werkzeug zur Infrastruktur. Sie wird zunehmend zur Grundlage dafür, wie Unternehmen Informationen verarbeiten, Entscheidungen treffen und Marketing steuern.

Was bedeutet das konkret für Media?

Media ist in den vergangenen Jahren deutlich komplexer geworden. Es gibt mehr Kanäle, mehr Daten, mehr Systeme und mehr Anforderungen an Geschwindigkeit und Messbarkeit. Gleichzeitig erwarten Kunden immer präzisere Entscheidungen. Viele Unternehmen reagieren darauf mit zusätzlichen Tools. Das erhöht aber oft die Komplexität, statt sie zu reduzieren. Die Herausforderung besteht deshalb weniger darin, weitere Anwendungen einzuführen, sondern vorhandenes Wissen sinnvoll zusammenzuführen.

Die Herausforderung besteht weniger darin, weitere Anwendungen einzuführen, sondern vorhandenes Wissen sinnvoll zusammenzuführen.

Karin Immenroth

Welche Antwort haben Sie darauf gefunden?

Wir haben dafür Plus.AI entwickelt. Plus.AI ist die zentrale AI-Infrastruktur von Mediaplus und die verbindende Intelligenzschicht unseres House of AI. Dort laufen Daten, Markt- und Zielgruppenwissen, AI-Anwendungen und die Expertise unserer Teams zusammen. Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren, Entscheidungen schneller und fundierter zu machen und Kunden einen deutlich transparenteren Zugang zu ihrer Mediaplanung zu ermöglichen.

Warum haben Sie sich für einen eigenen Ansatz entschieden?

Weil wir festgestellt haben, dass viele Systeme nach dem gleichen Prinzip funktionieren: Es gibt eine Plattform und Kunden müssen sich an deren Logik anpassen. Wir sehen das anders. Unternehmen unterscheiden sich in ihren Märkten, ihren Daten, ihren Geschäftsmodellen und ihren Zielen. Deshalb glauben wir nicht an One-size-fits-all-Lösungen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Plus.AI funktioniert wie ein modulares System. Für jeden Kunden entsteht ein eigenes Setup, das auf seine Anforderungen zugeschnitten wird. Daten, AI-Module und Planungslogiken lassen sich flexibel kombinieren. Das Grundprinzip lautet: Nicht der Kunde passt sich der KI an, sondern die KI passt sich dem Kunden an.

Und Kunden selbst bekommen auch Einblick in Plus.AI?

Vertrauen ist die Grundlage jeder datengetriebenen Entscheidung. In vielen Systemen sieht man am Ende eine Empfehlung, aber nicht unbedingt, wie sie zustande gekommen ist. Wir wollten diesen Black-Box-Effekt bewusst vermeiden. Kunden können nachvollziehen, auf welchen Daten, Annahmen und Ableitungen Entscheidungen beruhen. Dadurch werden Ergebnisse nicht nur verständlicher, sondern auch besser diskutierbar und steuerbar.

Kunden möchten heute stärker eingebunden sein und auf derselben Informationsbasis arbeiten wie ihre Agentur. 

Karin Immenroth

Ist das nicht ungewöhnlich für eine Mediaagentur?

Vielleicht. Aber wir glauben, dass sich die Erwartungen an Zusammenarbeit verändern. Kunden möchten heute stärker eingebunden sein und auf derselben Informationsbasis arbeiten wie ihre Agentur. Genau das ermöglicht diese Transparenz. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage für Entscheidungen und macht Zusammenarbeit deutlich effizienter.

Welche Rolle spielt dabei die Datenarchitektur?

Eine sehr große. AI ist nur so gut wie die Datenbasis, auf der sie arbeitet. Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren unsere globale Datenplattform aufgebaut. Sie basiert auf einer Data-Mesh-Architektur, die globale, lokale und kundenspezifische Daten miteinander verbindet. Gleichzeitig bleiben Verantwortung und Kontrolle dort, wo sie hingehören – bei den einzelnen Parteien. So entsteht eine gemeinsame Datenbasis, die sowohl internationale Steuerung als auch lokale Besonderheiten ermöglicht.

Was verändert sich dadurch für Ihre Teams?

Viele repetitive Aufgaben lassen sich deutlich effizienter erledigen. Datenaufbereitung, Reporting oder die Zusammenführung von Informationen benötigen weniger Zeit. Dadurch verschiebt sich der Fokus auf die Bereiche, in denen Menschen den größten Mehrwert schaffen: Strategie, Interpretation, Beratung und Kreativität. KI ersetzt Expertise nicht. Sie macht sie wertvoller.

KI wird künftig kein Add-on mehr sein, sondern das operative Rückgrat moderner Marketingorganisationen.

Karin Immenroth

Wo soll Mediaplus damit in fünf Jahren stehen?

Wir entwickeln Mediaplus konsequent zu einer Data- und AI-first-Agentur. Gleichzeitig werden wir dadurch im Kern noch stärker Mediaagentur als zuvor. Denn gute Mediaarbeit bedeutet schon immer, Menschen, Märkte und Daten möglichst präzise zu verstehen und daraus die richtigen Entscheidungen abzuleiten. KI hilft uns dabei, genau diese Kernkompetenz weiter auszubauen. Sie wird künftig kein Add-on mehr sein, sondern das operative Rückgrat moderner Marketingorganisationen – und auch unserer.

Benutzeroberfläche Plus.AI
Benutzeroberfläche Plus.AI © Mediaplus

Die Benutzeroberfläche von Plus.AI

Über zentrale Einstiegspunkte wie Segmentaufbau, Dashboards oder Mediaplanung laufen Daten, Marktwissen und AI-Module zusammen. Die Architektur soll Komplexität reduzieren und Entscheidungen schneller machen – ohne Black-Box-Effekt. Für jeden Kunden entsteht dabei ein eigenes Setup, das sich flexibel aus Datenquellen, AI-Modulen und Planungslogiken kombinieren lässt. Kunden arbeiten auf derselben Informationsbasis wie ihre Agentur und können nachvollziehen, auf welchen Daten und Annahmen Entscheidungen beruhen.

Neueste Beiträge

Gaming-Marketing
WuV Community Icon Nicht Sponsor, sondern Teil des Spiels: Wie Das Handwerk Fortnite nutzt
Nach mehr als 350.000 Twitch-Zuschauern für sein Minecraft-Projekt und über 10.000 Android-Downloads für eine eigene App geht Das Handwerk nun auf Fortnite. Mike Schleiermacher von CarlNann erklärt, wann Marken im Gaming relevant werden und warum Reichweite und Spielzeit noch keinen Kommunikationserfolg belegen.
7 Minuten
28. Aug 2026
Gastbeitrag
WuV Community Icon CUI für Marken-Websites: Wie der Kundendialog zur neuen Benutzeroberfläche wird
Ein Chatfenster allein macht eine Marke noch nicht dialogfähig. In seinem Gastbeitrag erklärt Erik Wend, Geschäftsführer von wendweb, warum Conversational User Interfaces (CUI) die klassische Website verändern – und welche Voraussetzungen Unternehmen schaffen müssen, damit aus Navigation tatsächlich Kundendialog wird.
6 Minuten
Qualität ≠ Wirkung
WuV Community Icon Wie Premiuminventar heute Wirkung beweisen kann
Premium-Publisher leben von dem Versprechen, mehr zu bieten als bloße Reichweite. Für Werbetreibende zählt heute aber insbesondere, ob sich dieser Qualitätsanspruch auch in Aufmerksamkeit, Markenwirkung und Performance-Daten niederschlägt. Im Interview erklärt Maik Rogge, COO & stellvertretender Geschäftsführer iq digital, wie sich journalistische Umfelder messen lassen, welche Publisher-Signale tatsächlich hilfreich sind und wo Programmatic, Contextual Targeting und KI an die Grenzen der Qualitätsversprechen stoßen. 
6 Minuten

Das könnte dich auch interessieren

Anzeige
Discoverability: Die neue Währung der Sichtbarkeit
Kaufentscheidungen entstehen heute längst nicht mehr nur in Suchmaschinen: KI-Assistenten, Social Commerce und digitale Plattformen haben die Customer Journey verändert – und damit die Spielregeln für erfolgreiches Marketing. Das neue Ziel für CMOs lautet: Discoverability. 
4 Minuten
Retail Media
WuV Community Icon Flaconi macht aus Retail Media ein Performance-System
Flaconi baut Retail Media über den eigenen Shop hinaus zur Datenstrategie aus. Wie First-Party-Daten, KI-Steuerung und kanalübergreifende Aktivierung dabei zusammenspielen, erklärt Flaconis VP Retail Media Martin Hoffmann.
6 Minuten
16. Mär 2026
Native Alliance
WuV Community Icon Twiago und Publuence bauen ein Gegengewicht im Native-Markt
Twiago und Publuence bündeln Technik, Publisher-Zugänge und Content-Know-how unter der neuen Marke "Native Alliance". Dahinter steckt mehr als ein neuer Zusammenschluss: Native Advertising soll planbarer, passender und nachhaltiger werden.
6 Minuten
17. Mär 2026