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Lesedauer 4 Min.

True-Crime-Werbung von Lidl spaltet die Gemüter

Lidl nutzt mit seinem neuesten Werbespot den riesigen Hype um True Crime für sich und landet damit einen großen Hit. Aufgrund eines unfreiwilligen Promi-Gastauftritts kommt der Werbespot jedoch nicht bei allen gut an.
© W&V

"In jedem Edeka steckt ein Discounter": Dass die in Sachen Werbung streitbare Discounter-Kette Lidl diesen Slogan von der LEH-Konkurrenz nicht auf sich sitzen lassen würde, war absehbar. Mit seiner Antwort stichelt das Unternehmen jedoch nicht nur gegen Edeka, sondern schlägt vor allem in die Kerbe eines brandaktuellen Trends: Mit dem neuesten Werbespot "Teuer bezahlt - Das Schicksal von Martin U." macht Lidl auf True Crime. Das kommt bei den einen enorm gut an - und wird auf anderer Seite abgestraft. 

True-Crime-Parodie kommt bei vielen grandios an

Die Geschichte des Kunden, der auf der Suche nach Discounter-Preisen in einen an Edeka angelehnten Supermarkt ging und verschwand, ist aufgebaut wie ein Trailer zu einer True-Crime-Sendung - Amateurvideos, Interviews mit Familienangehörigen und Ermittlern sowie Nachrichtenclips inklusive. "Ist Martin U. immer noch auf der Suche nach Discounterprodukten?", fragt eine Reporterin unheilsschwanger. Selbst Youtuber Rezo bekommt mittels eines Doppelgängers einen unfreiwilligen Gastauftritt und sagt: "Sie machen jetzt einen auf Discounter und das hat natürlich nichts mit der Inflation zu tun." Am Ende taucht Martin U. wieder auf und wünscht sich, er wäre gleich zu Lidl gegangen. 

True Crime ist derzeit absolut angesagt und zieht offenbar auch als Werbe-Parodie: Mehr als fünf Millionen Mal wurde der Lidl-Spot innerhalb weniger als einer Woche auf Youtube bereits angesehen. In den Kommentaren unter dem Video ziehen die Nutzer den Hut vor dem Konzept. "Wahrscheinlich die beste Werbung die ich seit langem gesehen habe", heißt es dort. "Gebt den Leuten in der Werbeabteilung eine ordentliche Beförderung und ne saftige Sonderzahlung", verlangt ein weiterer User. Und: "Da gucke ich auch gern mal Werbung! Weiter so!"

Seitenhieb auf Amber Heard: Verärgerte Reaktionen auf Social Media

Weit weniger euphorisch fällt das Urteil auf Twitter aus, wo es teils heftige Kritik gegen den Clip hagelt. Denn gegen Ende des Werbespots wollen Nutzer eine Anspielung auf eine echte Person entdeckt haben. Die ist weniger eindeutig als der Rezo-Doppelgänger mit blauen Haaren unter der Kappe, doch als eine Mitarbeiterin der fiktionalen Supermarkt-Kette scheinbar vor Gericht verhört wird, erinnert das mehrere User an Amber Heard. Aussehen, Styling und der Singsang im Wort "Hundeleckerlis", der an Heards viralen Satz "My dog stepped on a bee" erinnert, lassen kaum einen Zweifel, um wen es sich dabei handeln soll. Selbst im englischsprachigen Twitter-Raum erkennen viele die US-Schauspielerin wieder. Und auch Lidl selbst schien die Anspielung in der Antwort auf einen Kommentar zu bestätigen. 

Auch damit schwimmt Lidl auf der Welle eines aktuellen Trends, denn der Prozess von Heard gegen ihren Ex-Mann Johnny Depp ist in diesem Jahr zum gigantischen Medienspektakel geworden. Da es in dem Prozess neben Verleumdung jedoch auch um Themen wie häusliche Gewalt ging, ist die Anspielung jedoch durchaus heikel. Das finden auch diverse Twitter-Nutzer, die den Spot als "komplett widerlich" und "ärgerlich" bezeichnen.

Auch die Tatsache, dass echte Vermisstenfälle verharmlost würden, wird kritisiert. 

Lidl hat auf die kritischen Stimmen bislang nicht reagiert. Die Vermutung einiger Twitterer, dass sich das Unternehmen aus Marketing-Sicht in die Nesseln gesetzt haben könnte, dürfte sich angesichts der enormen Resonanz als falsch erweisen. Trends für sich zu nutzen ist nicht immer eine Frage des Geschmacks. 

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