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Kein Interesse: Burda winkt bei G+J-Titeln ab

Nachdem RTL angekündigt hat, um die 23 Zeitschriftentitel von Gruner + Jahr abzustoßen, tobt die Debatte, wie man das Überleben einiger Magazine erreichen könnte. Von Burda kommt dabei keine Hilfe.
© W&V

Der Konzern Hubert Burda Media hat nach eigenen Angaben bislang kein Interesse an den zum Verkauf stehenden Zeitschriftentiteln von Gruner + Jahr gezeigt. Vorstand Philipp Welte sagte in einem Interview der Wochenzeitung «Die Zeit» (Donnerstag) auf die Frage, ob er schon bei Bertelsmann, zu dem Gruner + Jahr gehört, angerufen habe, um ein Angebot zu machen: «Nein, Burda hat kein Interesse angemeldet. Aber was dort passiert, verändert das Gesicht unserer Branche.»

Vor zwei Wochen hatte der Medienkonzern RTL Deutschland, der die Magazinsparte des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr zum Jahr 2022 übernommen hatte, nach einer Portfolioüberprüfung das Aus von mehr als 20 Zeitschriften bekanntgemacht. Zudem sollen mehrere Magazine verkauft werden, insgesamt würden rund 700 der 1900 Stellen wegfallen. RTL will sich auf Kernmarken wie «Stern» oder «Geo» konzentrieren und dort ins Digitale investieren. RTL erhofft sich Synergien beider Häuser.

Welte, der auch Vorstandsvorsitzender des Zeitschriftenverbands MVFP ist, ging in dem Interview mit Blick auf die Entscheidung zu Gruner + Jahr auf die gesamte Branche ein. Er sagte: Magazine einstellen zu müssen sei Teil des Geschäfts. «Aber das ist ein Kahlschlag, den es so noch nie gegeben hat. Ein wichtiger Teil des publizistischen Angebots in Deutschland wird verschwinden.»

Welte sagte auch: «Wir standen auf vielen Märkten im direkten Wettbewerb mit den Magazinen aus Hamburg. Jetzt ist da plötzlich niemand mehr. Das fühlt sich an, als würde man für ein Fußballspiel ins Stadion einlaufen, aber die gegnerische Mannschaft verlässt die Arena gerade durch die Hintertür.» Welte äußerte sich auch so: «Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass nicht die ganze Branche in dieser morbiden Finsternis verschwindet, die Gruner umgibt.» RTL kommentierte das Interview nicht.

Über die Branche führte Welte weiter aus: «Es ist eine harte Zeit, und wenn die Rahmenbedingungen so bleiben, kann bis zu einem Drittel der Magazine in den kommenden Jahren die Luft ausgehen.» Und: «Schon in diesem Jahr werden Zeitschriftentitel verschwinden, nicht nur die aus Hamburg. Einfach weil sie nicht mehr wirtschaftlich sind.»

Vor Tagen hatte bereits Funke-Verlegerin Julia Becker den Konkurrenten Bertelsmann kritisiert und in einem Gastbeitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» einen Runden Tisch von Verlegerinnen und Verlegern vorgeschlagen. RTL betonte, man äußere sich grundsätzlich nicht über andere Verlage und deren Strategien.

Der Zeitungsverlegerverband BDZV hatte wiederum mitgeteilt, dass Verbände der Runde Tisch per se seien.

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